LEDs setzen sich langsam im Einzelhandel durch. Der Einsatz der energiesparenden Beleuchtung birgt allerdings auch so manche Tücke.

Langsam, aber sicher wird die stromsparende LED zu einer ernstzunehmenden Größe im Einzelhandel. Zwar haben aktuell noch weniger als 20 Prozent der Händler die gesamte Beleuchtung auf die „Licht emittierende Diode“ umgestellt, aber beispielsweise statten bereits fast 60 Prozent der Lebensmittelhändler ihre Märkte bei Neu- und Umbauten komplett mit Leuchtdioden aus.

Allerdings ist LED nicht gleich LED: Zum einen entwickelt sich die vergleichsweise neue Beleuchtung technologisch sehr schnell weiter. Zum anderen variieren Qualität, Effizienz und Robustheit der Leuchten für weißes Licht deutlich von Hersteller zu Hersteller. Eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Produkten und Anbietern ist also schwierig. Das EHI Retail Institute hat daher mit Hilfe von Händlern, Herstellern und Lichtplanern seine Checkliste zum "Einsatz von LED im Handel 2016" aktualisiert – und ist dabei auf handfeste Herausforderungen gestoßen, die sich im Praxiseinsatz der neuen Lichttechnik aufgetan haben.

Überspannung

Die elektrische „Nennspannung“ der Leitungsnetze im Handel beträgt üblicherweise 230 Volt Wechselspannung oder 400 Volt im 3-Phasen-Wechselstromsystem. Durch Gewitter, aber auch durch betriebsbedingt auftretende Schaltvorgänge, können Überspannungspakete, sogenannte Bursts, entstehen. Sie breiten sich entlang der verlegten Kabel aus und übersteigen die Nennspannung um ein Vielfaches. Vor allem die Kälte- und Klimatechnik, aber auch Müllpressen, Aufzüge und andere Strom-Großverbraucher können hohe Burst-Spannungen mit mehreren Tausend Volt auslösen. Während diese Bursts für Motoren und konventionelle Leuchtmittel in aller Regel unkritisch sind, reagieren elektronische Geräte auch auf sehr kurze Überspannungen äußerst empfindlich. Der Gesetzgeber hat daher Mindeststandards festgelegt, die elektronische Geräte erfüllen müssen, ohne Schaden zu nehmen. Elektronische Regelgeräte der Kälte- und Gebäudetechnik sind beispielsweise meist für Burst-Impulse von 4.000 Volt oder mehr ausgelegt.

Die Treiber für die LED-Beleuchtungen werden oft aus dem gleichen Stromkreis versorgt wie die Steuerung der Kühlmöbel. Da die Norm für LED-Treiber aufgrund der physikalischen Gegebenheiten deutlich geringere Anforderungen stellt, nämlich 500 Volt für Leuchtmittel mit einer Leistung unter 25 Watt, darüber 1000 Volt, kann es durch Überspannungen zu einem vorzeitigen Ausfall der Treiber oder der LEDs kommen. Trotz Garantie der Hersteller auf die Betriebsdauer der LED hat der Händler in diesem Fall keinen Anspruch auf Gewährleistung. Deshalb empfiehlt sich eine getrennte Einspeisung für die Beleuchtung und der Einbau geeigneter Schutzbausteine in der Leuchte und dem Stromnetz mit einem Überspannungsschutz von bis zu 10.000 Volt.

Zwischendecke

Nicht nur alte Glühbirnen, auch LED-Leuchten werden warm: Rund 65 Prozent der aufgenommenen elektrischen Leistung werden in Wärme umgewandelt, die – anders als bei konventioneller Beleuchtung – überwiegend an der rückwärtigen Seite der Leuchte abgestrahlt wird. Somit erhöht sich die Umgebungstemperatur, was in Zwischendecken problematisch werden kann. Denn je höher die Temperatur dort steigt, desto schneller altern LEDs und deren Treiberelektronik. Die Herstellerangaben zur Lebensdauer beziehen sich auf jedoch auf eine Raumtemperatur von maximal 25 Grad Celsius, darüber hinaus erlischt die Gewährleistung. Beim Einbau der Leuchten in Zwischendecken kann die Temperatur allerdings schnell überschritten werden.

Daher sollte die Zwischendecke möglichst über geeignete Öffnungen verfügen, damit die Luft zirkulieren kann. Zudem sollte der Energiesparwillige beim Einbau in Decken die vom Hersteller vorgegebenen Mindestabstände zwischen Leuchten, Rohdecke oder weiteren Einbauten einhalten. Da auch spezielle Brandschutz-Vorrichtungen oder die Installation der LEDs in Gehäusen und in Betondecken dazu beitragen können, dass die angegebenen 25 Grad überschritten werden, sollte sich der Händler beim Hersteller rückversichern, bei welchen Abständen keine Beeinträchtigungen entstehen.

Kühlung

In Kühltheke & Co. ist die Distanz zwischen Leuchte und Ware kurz, deshalb sollte der Händler auf eine gleichmäßige und optimierte Lichtverteilung achten. Das Licht kann zudem die Lebensmittelqualität beeinflussen: Mit der falschen Kombination von Licht und Verpackung können Fleisch- und Wurstwaren verfärben. Dabei ist nicht die Beleuchtungsstärke der maßgebliche Faktor, sondern die Strahlungsintensität je Wellenlänge des Lichts auf die Verpackung. So können in der Kühlung bei mit Nitritpökelsalz behandelten Wurstwaren Vergrauungseffekte auftreten, wenn die Verpackung und die Beleuchtung nicht aufeinander abgestimmt sind und Sauerstoff an die Ware gelangen kann. Beim Verpackungsprozess muss der Restsauerstoffgehalt in der Verpackung unter 1 Prozent liegen und die Oberfläche von guter Qualität sein.

Farbwiedergabe

Der Color Rendering Index (CRI) beschreibt die Farbechtheit des Lichts auf einer Ware im Vergleich zu einer "idealen" Lichtquelle wie etwa der Sonne oder der klassischen Glühlampe, deren Referenzwert mit 100 angegeben wird. Je höher der CRI einer Leuchte, desto besser oder "natürlicher" gibt das Licht die Originalfarbe der Ware wieder. Der Leuchtenhersteller muss den CRI-Wert für die DIN 6169-Testfarben R1 (Altrosa) bis R14 (Blattgrün) angeben. Leuchtstoff- und Energiesparlampen in der Standardausführung haben einen vergleichsweise schlechten CRI-Wert, deshalb wirkt deren Licht gelb-grünlich und lässt die Haut blass aussehen. Grundsätzlich sollte der CRI-Wert im Verkaufsraum höher als 80 sein. Wer beispielsweise für Obst und Gemüse oder Bekleidung eine besonders gute Farbwiedergabe benötigt, sollte auf einen CRI-Wert ab 90 achten. Höhere Farbwiedergabewerte können allerdings dazu führen, dass die Effizienz der LED geringer wird. Um Produkteigenschaften hervorzuheben, können Lichtquellen mit speziellen Spektren und einem angepassten CRI-Wert sinnvoll sein. Im LED-Bereich dient die klassische Angabe von Kelvin, beispielsweise 4000 K für Neutralweiß, nur noch zur groben Orientierung der Lichtfarbe.

Sybille Wilhelm

Der Artikel ist in der aktuellen Ausgabe von Der Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier. Lesen Sie Der Handel auch auf dem iPad.