Kundenorientierter und mit verändertem Sortiment - so stellt sich Karstadt-Chef Stephan Fanderl die Zukunft des Warenhausunternehmens vor. Wirtschaftlich gehe es zudem bergauf.

Bei der Warenhauskette Karstadt geht es nach den jüngst beschlossenen Filialschließungen im kommenden Geschäftsjahr nach Einschätzung von Vorstandschef Stephan Fanderl wieder bergauf.
"Ich habe keine zweite Schließungsrunde geplant", sagte der Manager der "Welt".

Karstadt hatte vor kurzem angekündigt, 2016 die Häuser in Recklinghausen, Bottrop, Mönchengladbach-Rheydt, Dessau und Neumünster aufzugeben - rund 500 Jobs werden voraussichtlich gestrichen. Insgesamt macht Fanderl den Beschäftigten aber Hoffnung: "Wir müssen im kommenden Geschäftsjahr in der Lage sein, wieder Geld zu verdienen", sagte er der Zeitung mit Blick auf 2015/2016.

Näher an die schwarze Null gerückt

Schon im aktuellen Geschäftsjahr, das Ende September ausläuft, hält der Karstadt-Chef ein Eindämmen der Verluste für möglich. Man rücke inzwischen "wesentlich näher an eine schwarze Null", versicherte er.

Fanderl rechtfertigte das Aus für die fünf zu schließende Filialen: "Alle diese Standorte zählen zu den schwierigsten, was die Ergebnissituation anbetrifft." Andernorts laufe es jedoch besser: "Von den Filialen, die zuletzt noch nicht profitabel waren, konnten wir bereits rund die Hälfte ins Plus drehen. Bei einigen arbeiten wir weiter mit Hochdruck daran."

Weniger Personal, mehr Service

Trotz der dünnen Personaldecke soll Karstadt den Kunden mehr Service bieten, versicherte Fanderl. "Wir entlasten unsere guten Verkäufer von Warenverräumung und Kassiervorgängen", kündigte der Unternehmenschef an. "Die ganze Organisation rückt im Rahmen der Restrukturierung erheblich näher an die Kundschaft heran. Wir sind in der Mitte eines umfangreichen Wandlungsprozesses bei Karstadt. Am Ende werden die am meisten wertgeschätzt, die verkaufen."

In fünf Filialen würde bereits mit den neuen Prozessen gearbeitet, betonte der Karstadt-Chef. So gebe es in Potsdam neue Kassenprozesse, in Köln das neue Leitsystem. Weitere Pilotfilialen seien Rosenheim, Bielefeld und Dresden. "Mit dem, was wir hier lernen, werden wird dann nachjustieren, bevor wir das Programm im Sommer in alle Filialen ausrollen", kündigte Fanderl in der "Welt" weiter an.

Rückkehr zur Multimedia?

Beim Sortiment denkt Fanderl daran, Drogerieabteilungen aufzubauen oder "Lösungen für ein qualifiziertes Elektrosegment zu finden". Dadurch könne man Kundengruppen gewinnen oder zurückgewinnen.

Die typische Karstadt-Kundin sei weiblich und älter als 45 Jahre. "Wir hätten auch gern männliche Kundschaft zurückgewonnen, die wir verloren haben, als wir Multimedia zurückgebaut haben. Den richtigen Sortimentsmix prüfen wir jetzt Standort für Standort in Zusammenarbeit mit unseren Filialleitern", sagte der Karstadt-Chef. Zum Ende des Geschäftsjahres 2016/17 soll die Sanierung abgeschlossen sein.