eBay-Deutschland-Geschäftsführer Dr. Stephan Zoll sprach mit dem Wirtschaftsmagazin Der Handel über die ­europäische Neuausrichtung des Marktplatzbetreibers.

eBay-Chef Stephan Zoll sieht die Handelsplattform als erste Adresse (Foto: eBay)
eBay-Chef Stephan Zoll sieht die Handelsplattform als erste Adresse (Foto: eBay)
eBay Deutschland 2009 macht vor allem mit Entlassungen und Chefwechseln von sich reden. Geht es weiter so turbulent zu oder kehrt nun langsam Ruhe ein?

Die Umstrukturierung ist weitestgehend geschafft, jetzt geht es nur noch um Feinheiten. eBay hat Ende 2008 beschlossen, seine europäische Organisationsstruktur umzustellen und die Aufgaben der einzelnen Ländergesellschaften in Europa zu bündeln und neu zu verteilen.

Die bisherige Struktur war zu langsam für das schnelllebige Internet. Statt dass jede europäische Gesellschaft wie früher ihr eigenes Süppchen kocht, haben wir die verschiedenen Aufgaben nun gebündelt und sprechen sozusagen nur noch mit einer europäischen Stimme. Im Endeffekt haben wir Europäer bei eBay heute so mehr Einfluss als früher.

Welche Rolle spielt denn eBay Deutschland noch im Gesamtkonzern? Immerhin ist Deutschland nach Amerika der zweitgrößte Markt für eBay.
Wir haben mit der Umstrukturierung nicht an Einfluss eingebüßt, im Gegenteil. Ich bin Mitglied im europäischen Führungskreis und vertrete dort die Interessen von eBay Deutschland. Dort werden neben den Prioritäten für die Weiterentwicklung des gesamten europäischen Marktes auch die Marketingstrategien und Ausrichtung der einzelnen länderspezifischen Marktplätze festgelegt.
 
Aber kam eBay Deutschland bei der Umstrukturierung nicht etwas zu kurz?
Wir haben analysiert, welche Standorte in welchen Bereichen am weitesten entwickelt sind. Zum Beispiel saß in Dublin schon ein großer Teil des europäischen Kundenservices für eBay und PayPal. Es war uns wichtig, das dort vorhandene umfassende Know-how bei der europäischen Neuausrichtung zu berücksichtigen, und so wurde die europäische Kundenbetreuung in der irischen Hauptstadt angesiedelt.

Aus Dublin heraus arbeiten wir daran, die Kundenbetreuung in ganz Europa zu verbessern und effizienter zu machen. In Dreilinden haben wir jedoch auch weiterhin den Kundenservice für unsere deutschen Kunden.

Ist die Rechnung denn aufgegangen? Gibt es schon erste Erfolge?
Wir sehen im Moment eine positive Entwicklung in Deutschland. Wir kommunizieren zwar nur wenige Zahlen aus den Ländergesellschaften, aber eine kann ich nennen: Auf dem deutschen eBay-Marktplatz wurden im dritten Quartal 2009 immerhin 10 Prozent mehr Artikel verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
 
Apropos Neuausrichtung: Sie sind als Auktionshaus gestartet, umwerben jetzt aber die Profihändler mit Festpreisangeboten und nennen sich Onlinemarktplatz. Wollen Sie ganz weg vom privaten Auktionsgeschäft?
Nein. Wir wollen die Internet-Handelsplattform sein, zu der man im Netz zuerst geht - unabhängig davon, ob der Kunde Neuware vom Profihändler, Restanten von Markenartiklern oder gebrauchte Artikel von Privatleuten sucht.

Bei uns soll der Kunde günstig einkaufen können und eine möglichst große Auswahl haben. Deshalb schließen sich Festpreise und Auktionen genauso wenig aus wie Profihändler und Privatverkäufer. Im Gegenteil: Weil der Kunde so viel Auswahl hat, schaut er zuerst bei eBay. Und von einem attraktiven Marktplatz profitieren letztlich alle Verkäufer.

Interview: Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von Der Handel erschienen.
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