Der italienische Automobil-Hersteller Fiat sieht in kleinen Motoren eine große Zukunft - und präsentiert sein Modell 500 mit nur zwei Zylindern.

Mit ständig neuen Erfolgsmeldungen aus den Entwicklungsabteilungen und immer neuen Versprechen auf "unmittelbar" bevorstehende Einführungen von Elektrofahrzeugen weckt die Automobilindustrie seit drei Jahren permanent die Hoffnung auf das emissionsfreie Autofahren - trotz der mittlerweile hinlänglich bekannten Probleme bei der Umsetzung.

Die Erhöhung des regenerativen Anteils am Strommix ist ebenso ungelöst wie Infrastruktur, Batterieladezeiten, Reichweite und Kosten. Und nicht einmal am Ende dieser ganzen Kette von Fragezeichen stehen die Handels- und Servicebetriebe, auf die erhebliche Investitionen in Ausbildung und Werkstatteinrichtung zukämen.

Geringe Kaufbereitschaft für E-Autos

In einer Umfrage unter 763 Verbrauchern im Alter von 20 bis 40 Jahren hat die Hochschule für Ökonomie und Management in Essen herausgefunden, dass die Kaufbereitschaft für ein Elektroauto bei 69 Prozent der Befragten "niedrig" beziehungsweise "sehr niedrig" ist.

Einschränkungen bei der Höchstgeschwindigkeit würden die Studienteilnehmer noch akzeptieren, nicht aber kürzere Reichweiten, geringeres Raumangebot und lange Aufladezeiten.

"Natürlich entwickeln auch wir an elektrischen Antrieben. Aber der Verbrennungsmotor verfügt noch über Einsparpotenzial", macht Fiat-Deutschland-Chef Manfred Kantner im Gespräch mit Der Handel deutlich, dass die Italiener eher auf Fortschritte im Hier und Jetzt setzen.

Als traditioneller Hersteller kleiner Fahrzeuge macht für Fiat der Einbau der teuren Batterien schon wirtschaftlich keinen Sinn. Die Stromakkus sind schließlich derzeit noch teurer als ein kompletter Fiat Panda.

Normverbrauch liegt bei 4,1 Liter

Also haben sich die Ingenieure in Turin an die weitere Optimierung des so genannten Multiair-Konzeptes gemacht - eine variable Ventilsteuerung, die sich verbrauchssenkend auswirkt. Dabei haben sie den "Downsizing"-Gedanken quasi auf die Spitze getrieben: Ab 25. September steht der Fiat 500 "Twinair" mit lediglich 875 Kubikzentimetern Hubraum und zwei Zylindern bei den Händlern.

Der kompakte Antrieb leistet immerhin 63 kW/85 PS, bietet ein maximales Drehmoment von 145 Newtonmeter und kommt dabei mit 4,1 Litern Kraftstoff aus, was einer CO-2-Emission von 95 g/km entspricht und ihn zum derzeit sparsamsten Benzin-Antrieb in der Großserienfertigung macht.

350 Millionen Euro Entwicklungskosten

350 Millionen Euro hat Fiat in die Entwicklung des nur 33 Zentimeter breiten Motörchens gesteckt und die jährliche Produktionskapazität auf 450.000 Einheiten festgesetzt.

Alsbald soll daraus eine ganze Motorenfamilie entstehen, die die betagten Kleinwagen-Aggregate des Konzerns Schritt für Schritt ablöst. Im Fiat 500 wird der Zweizylinder künftig auch noch mit 65 und 105 PS sowie als Erdgas-Variante angeboten.

Mitte 2011 erscheint der neue Lancia Y, Ende 2011 der nächste Fiat Panda. Auch die Konzernmarke Alfa Romeo wird den Motor verbauen - und eventuell profitiert sogar der Kooperationspartner Ford von der Weltneuheit.

Start/Stopp-Funktion serienmäßig

Beim ersten Test von Der Handel im Berliner Großstadtgetümmel hinterließ der mindestens 12.900 Euro teure Zweizylinder mit serienmäßiger Start/Stopp-Funktion einen flotten Eindruck mit gutem Durchzug aus dem Stand heraus - bei allerdings vernehmbarer Geräuschkulisse. Im reinen Stadtverkehr war der Normverbrauch von 4,1 Litern nicht zu erreichen.

Dennoch ist es ein zukunftsträchtiges Konzept, zumal der Motor Platz für Zusatzaggregate lässt und auch mit einem E-Motor als Hybrid kombiniert werden könnte. Ein bisschen elektrisches Fahren wäre dann auch bei Fiat möglich.

Bernd Nusser