Mit dem Fiat Freemont präsentiert die italienische Marke nach der Übernahme von Chrysler das erste transatlantische Gemeinschaftsprodukt.

Die bundesdeutschen Fiat-Händler feiern am Samstag beim "Fiat Open Day" den Beginn einer neuen Ära: Seit 2009 erhöht der Konzern sukzessive seinen Anteil an Chrysler - seit Juli halten die Italiener 53,5 Prozent am US-Fahrzeugbauer. Jetzt bringt die italo-amerikanische Ehe einen ersten Sprössling hervor: Von diesem Wochenende an steht der Fiat Freemont in den Showrooms. Damit startet der leicht überarbeitete Dodge Journey eine zweite Karriere in Europa. Die Marke Dodge gehört ebenfalls ins Chrysler-Reich, wird aber auf dem alten Kontinent nicht mehr vertrieben.

Sechs Millionen Fahrzeuge pro Jahr geplant

In diesem Verbund, Fiat ist für die kleinen, Chrysler für die größeren Modelle zuständig, will das neue Konglomerat bis 2014 jährlich sechs Millionen Fahrzeuge weltweit absetzen. Auf dann fünf Plattformen sollen weitere Produktinnovationen entstehen. "Allein in den nächsten 28 Monaten werden wir sieben neue Modelle bringen", kündigt Fiat-Deutschlandchef Manfred Kantner an.

Neben dem Freemont ist dies gleich zum Jahresbeginn 2012 der neue Kleinstwagen Panda. Beide stehen vom 15. September an auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main im Messe-Rampenlicht. Für das nächste Jahr kündigen die Italiener als zweites "Eigengewächs" neben dem Panda einen kleinen Van an. Die weiteren vier Varianten sind zwar noch "geheime Kommandosache", werden dann aber tatsächlich transatlantische Wurzeln haben.

Schnelle Hilfe aus Übersee

Bei Kleinwagen und Transportern genießt Fiat einen guten Ruf, kann in der gehobenen Fahrzeugklasse, zumindest außerhalb Italiens, aber fast schon traditionell kaum Erfolge vorweisen. Die glücklosen Modelle Croma und Ulysse wurden jüngst aus dem Programm gestrichen. Da kam jetzt die schnelle Hilfe aus Übersee durch den einfachen Tausch des Markenlogos im Kühlergrill gerade recht.

Der Freemont wird in Mexiko gebaut und für Europa ausschließlich mit den beiden Fiat-Dieselmotoren mit 103 kW/140 PS und 125 kW/170 PS ausgerüstet. Die Preise für den Siebensitzer beginnen bei 25.990 Euro. Ab Dezember steht auch eine Allrad-Variante in Verbindung mit Automatikgetriebe ab 32.290 Euro zur Wahl.

Geländewagen, Van oder Kombi?

Dann fällt die Klasseneinteilung für den "Neuling" endgültig schwer. Der Freemont sieht aus wie ein gestreckter Geländewagen, bietet die Innenraum-Variationsmöglichkeiten eines Vans und könnte glatt auch als hochbeiniger Kombi durchgehen. Steffen Enzenauer vom Fiat-Produktmarketing legt sich auf "Van" fest und schwärmt: "Wir bieten sieben vollwertige Plätze, 30 unterschiedliche Sitzkonfigurationen, 25 Staufächer mit 138 Liter Volumen und zehn Getränkehalter - der ideale Reisewagen."  

Tatsächlich verfügt das 4,89-Meter-Gefährt über jede Menge Platz und vor allem über eine für amerikanische Produkte typische Komplettausstattung. Schon die Basisversion beinhaltet neben der dritten Stuhlreihe unter anderem eine Drei-Zonen-Klimaanlage, CD-Radio, Geschwindigkeitsregelanlage und Alarmanlage.

Navigation und Allrad ab Jahresende verfügbar

Als aufpreispflichtige Extras stehen lediglich ein "Komfort-Paket" (590 Euro) und ein "Travel-Paket" (420 Euro) zur Wahl. Wer einen Aschenbecher benötigt, zahlt 80 Euro Aufschlag, wer die Plätze sechs und sieben nicht benötigt, spart 500 Euro. Ein integriertes Navigationssystem mit großem 8,4-Zoll-Bildschirm wird wie der Allradantrieb Ende des Jahres nachgereicht.

Bernd Nusser