Seit Jahren spielt der italienische Automobilhersteller in der Kompaktklasse nur eine Nebenrolle. Als Preisbrecher soll nun der neue Tipo Kombi auch die Firmenflotten erobern.

Kurswechsel bei Fiat. Hatte die italienische Marke in den vergangenen Jahren allein auf das schicke Retromodell 500 und die hiervon abgeleiteten Derivate gesetzt, um bei der privaten Kundschaft zu punkten, entdeckt das Unternehmen aus Turin nun doch plötzlich wieder gewerbliche Fahrzeugnutzer. Mit dem neuen Tipo Kombi will Fiat nach Jahren der Abwesenheit ab September auf die Firmenparkplätze zurückkehren. Dort, wo die Transporter des Hauses vom Schlage Ducato und Doblo längst ihre feste Position haben.

Ob das Unterfangen freilich gelingt, muss nach der ersten Ausfahrt mit dem Neuling bezweifelt werden. Nicht nur, dass sich Fiat in der Kompaktklasse mit Angeboten wie dem ersten Tipo aus dem Jahre 1989, dem Bravo oder dem Stilo seit Jahr und Tag schwer tut. Auch die Strategie scheint, zumindest auf dem anspruchsvollen deutschen Flottenmarkt, kaum aufzugehen. Der Tipo soll nämlich nach dem Willen seiner Schöpfer ein "einfaches Auto" sein. "Es braucht nicht viel, um mehr zu bekommen", so die Lyrik der Marketingabteilung.

Keine Spur von italienischer Designkunst

Auf ein nüchternes Interieur mit schwarzer Hartplastik und ein uninspriert wirkendes Allerweltsblechkleid haben Mitarbeiter mit Dienstwagenberechtigung und Unternehmenslenker, die ihr Personal mit dem fahrbaren Untersatz motivieren oder gar anwerben wollen, aber kaum gewartet. Keine Spur von italienischer Designkunst. Der Wagen könnte auch vom selbsterklärten Billiganbieter Dacia stammen, muss sich aber unweigerlich mit den etablierten Modellen wie VW Golf Kombi, Skoda Octavia Combi oder dem gleichfalls nagelneuen Opel Astra Sportstourer messen lassen – auch wenn diese Fahrzeuge tatsächlich in anderen Preisliga fahren.

Immerhin startet der geräumige Kombi (4,57 Meter Gesamtlänge, 550 Liter Kofferraumvolumen, 1,80 Meter Ladefläche, variabler Gepäckraumboden), der in der Türkei gefertigt wird, gleich nach der Sommerpause schon mit einer Business-Version und der Hersteller verweist gegenüber dem Klassendurchschnitt auf 15 Prozent geringere Betriebskosten. Das gesonderte Rückgaberecht innerhalb der ersten 30 Tage nach Fahrzeugübernahme gilt allerdings nur für Privatkunden.

Dieselmotoren mit 70 kW/95 PS und 88 kW/120 PS

Neben zwei Benzinmotoren mit 70 kW/95 PS und 88 kW/120 PS stehen auch zwei Diesel mit gleicher Leistung im Angebot. Ende des Jahres folgen Automatikgetriebe und eine sparsame Eco-Variante für den stärkeren Selbstzünder.

Preise und genaue Ausstattungsdetails hat der Importeur mit Sitz in Frankfurt noch nicht festgelegt. Eine Orientierung geben aber die Tarife für die im Juni startende Fließheckversion: Die Dieselpreise beginnen bei 16.990 Euro und der Kombiaufschlag soll dem Vernehmen nach bei exakt 1.000 Euro liegen...

Bernd Nusser