Das Ende der „Full-Service-Mentalität“ prophezeit Henning Schick, Director Sales Europe, beim Spezialisten Ari Fleet.



Herr Schick, die Gesamtkosten über die Fahrzeuglaufzeit stehen für Flottenkunden häufig an erster Stelle. Welche Hilfestellung bieten moderne Managementtools, um die Kosten zu minimieren?

Zunächst sollte man sich anschauen, was denn die Treiber der Vollkosten sind: In der Regel machen 50 Prozent die Fahrzeugfinanzierung, 25 Prozent Reparaturen und Wartungen, 15 Prozent das Schadensmanagement und die restlichen 10 Prozent beispielsweise Versicherungen aus. Eine verursachergerechte, transparente Abrechnung kann hier schon Einsparpotenziale heben.


Markenunabhängige Leasinggesellschaften, die wachsenden Finanz- und Serviceangebote der Hersteller, dazu professionelle Fuhrparkverwalter und -manager. Wann brauche ich als mittelständischer Gewerbetreibender welchen Spezialisten?

Geht es in erster Linie um eine Motivationsflotte, also um Dienstwagen, die auch privat genutzt werden können, ist Full Service Leasing sicher sinnvoll. Das gilt auch für Fuhrparks mit einer Größe von mehr als 250 Fahrzeugen. Betreibt man eine Funktionsflotte, also insbesondere im Nutzfahrzeugbereich, sollte man den Fokus auf Kauf beziehungsweise Finanzierung plus externes Flottenmanagement legen.

Full Service Leasing ist heutzutage praktisch Standard. Gibt es aus Ihrer Sicht dazu tatsächlich sinnvolle Alternativen?

Beim Full Service Leasing sind immer Risikopuffer eingebaut – die zahlen Sie als Kunde mit. Wenn Sie die Vertragslaufzeit oder die vereinbarten Kilometer überschreiten, steigt die Leasingrate. Bei einem offenen Finanzierungsmodell, das wir als Unternehmen favorisieren, lassen sich allein schon bei der Fahrzeugvermarktung Vorteile erzielen. Häufig werden von den Aufkäufern kleinere Schäden gar nicht so hoch bewertet, wie bei der Rücknahme eines Leasingfahrzeugs angesetzt.

Dort sehen Sie die Vorteile für Ihr Unternehmen?

Im Gegensatz zu geschlossenen, operativen Leasingverträgen ist unser offenes Finanzierungslea-sing vollständig transparent. Der Kunde trägt nur die tatsächlichen Kosten und durch moderne Repor-tingsysteme können Abweichungen, etwa bei Tankabrechnungen, sofort erkannt und abgestellt wer-den. Im Durchschnitt erzielen wir Kostenvorteile von bis zu 20 Prozent.

Aber für Ihre Dienstleistungen fallen ebenfalls Kosten an?

Zwischen 20 und 28 Euro pro Monat und Fahrzeug. Dabei sind die Administration und die Bereitstellung der technischen Plattform eingeschlossen. Wenn unsere Handlungsempfehlungen umgesetzt werden, garantieren wir in den meisten Fällen sogar Einsparungen bei den Gesamtkosten und geben diese Vorteile dann an unsere Kunden weiter.

Sie sammeln und verwalten sehr viele Daten. Ein sensibles Thema!

Die Datenmenge ist tatsächlich immens. Zum Start des europäischen Geschäfts hat Ari Fleet einen hohen Millionenbetrag in sichere Systeme investiert. Unsere Server stehen in Stuttgart. Wir arbeiten nach deutschen Vorschriften.

Fahrzeuglieferzeiten von bis zu einem Jahr erschweren die Flottensteuerung. Wie können Sie hier mit Interimslösungen unterstützen?

Wir überlegen gemeinsam mit unseren Kunden, ob Poolfahrzeuge eingesetzt werden können. Zudem empfehlen wir im Bedarfsfall Langzeitmieten. Hier können wir durch die Kooperation mit den großen Mietwagengesellschaften gute Konditionen bieten.

Warum ist eine Fuhrparkrichtlinie, die sogenannte Car Policy, unverzichtbar?

Ab einer Flottengröße von circa 30 Fahrzeugen ist die Car Policy das Blut eines guten Managements. Hier sollten Basiselemente wie Nutzungsrechte oder Hierarchiestufen festgelegt und konsequent umgesetzt werden.

Diesel oder Benziner? Diese Frage treibt Flottenmanager aktuell um. Was empfehlen Sie Ihren Kunden?

Trotz der anhaltenden politischen Diskussion tendiere ich im B2B-Bereich auf absehbare Zeit weiter zum Diesel – vorausgesetzt, die aktuelle Euro-6-Norm ist erfüllt. Bezüglich Laufleistung und Verbrauch ist der Diesel weiter das beste Konzept.

Und welche Rolle werden alternative Antriebe in Zukunft spielen?

In einer Motivationsflotte könnte ich mir im urbanen Umfeld den Einsatz von Elektroautos vorstellen. Allerdings ist kaum absehbar, wie schnell sich die Batterietechnik entwickelt. In drei, vier Jahren lässt sich ein E-Mobil mit den aktuellen Reichweiten kaum mehr attraktiv vermarkten.

Um Vernetzung und autonomes Fahren findet ein regelrechter Hype statt. Wie werden sich die Fuhrparks auf absehbare Zeit verändern?

Kurzfristig sehe ich keine Veränderung, auch weil die rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht geregelt sind. Mittelfristig könnte das autonome Fahren in Ballungsgebieten Auswirkungen etwa auf Taxi- und Carsharingangebote haben. Langfristig glaube ich, dass Autos viel mehr in Bewegung sind als jetzt. Nach aktuellen Studien werden Fahrzeuge nur eine Stunde am Tag genutzt. Das dürfte sich ändern, wenn Mobilität mehr geteilt wird. Dafür dürfte es dann weniger Autos geben.

Wo sehen Sie generell die Trends im Flottenmanagement?

Ich glaube, die bisherige „Full Service-Mentalität“ wird sich wandeln. Es wird wieder mehr ingesourct. Reifenmanagement, Tankkartenverwaltung – das lässt sich mit den heutigen Onlinetools leicht und kostensparend selbst erledigen.

Ihre Tipps für eine effiziente Flottensteuerung?
Erstens: Ausfallzeiten reduzieren, etwa bei Werkstattaufenthalten. Die kommen Unternehmen häufig teurer zu stehen als man annimmt. Zweitens: In der Dienstwagenrichtlinie fixieren, dass Rabatte bei der Fahrzeugbeschaffung nicht nur dem Nutzer, sondern auch der Firma zu Gute kommen. Drittens: Insbesondere Nutzfahrzeuge flexibler und bedarfsgerechter einsetzen.

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