Von der Buchhaltung bis zur Routenplanung – digitale Angebote werden die Transportwelt mit Sicherheit grundlegend verändern. Wir stellen aktuelle Entwicklungen vor.

Deutschlands Flottenverantwortliche sind beim Einsatz von Telematiksystemen und Apps zur Steuerung der ihnen anvertrauten Fahrzeuge noch zögerlich. Lediglich 23 Prozent nutzen Telematikdienste und gerade einmal 35 Prozent halten mobile Apps im Fuhrparkmanagement für sinnvoll. Das legt zumindest das aktuelle Fuhrpark-Barometer nahe, das der Leasinganbieter Arval seit 2002 alljährlich in Auftrag gibt, um mehr über die Einstellung von Entscheidern im Fuhrparkbereich herauszufinden. In der jüngsten Studie wurden europaweit knapp 3000 Fuhrparkleiter in Firmen mit jeweils mehr als zehn Mitarbeitern und mehr als zehn Fahrzeugen befragt.

Dass der Trend zu immer mehr digitalen Lösungen allerdings unaufhaltsam ist, belegen die Studienergebnisse aus dem Ausland: In den Nachbarstaaten erachten bereits 61 Prozent der Befragten mobile Apps als nützlich. Länderübergreifend gilt dagegen: Je größer die Unternehmen – und damit die Flotten – desto höher die Akzeptanz für die Telematiknutzung.

Automobilhersteller profilieren sich als Mobilitätsdienstleister

Die großen Automobilhersteller wollen die Entwicklung aktiv mitgestalten und profilieren sich immer mehr als „Mobilitätsdienstleister“ mit den unterschiedlichsten digitalen Angeboten. So stellt der Volkswagen-Konzern unter dem Markennamen „Rio" alsbald ein offenes und cloudbasiertes Betriebssystem für die gesamte Transporterbranche zur Verfügung. Damit sind erstmals allen Beteiligten der Lieferkette – vom Versender über Spedition und Transportunternehmen, Verlader, Disponent und Fahrer bis hin zum Empfänger – über ein einheitliches Informations- und Anwendungssystem miteinander vernetzt.

Auch Daimler Fleet Management arbeitet an diversen Mobilitätsangeboten und erweitert seine Services für Flottenkunden, backt aktuell mit dem Relaunch der Fleet App aber etwas kleinere Brötchen als der norddeutsche Wettbewerber. Nutzer profitieren unter anderem von der Tankstellensuche. Über die Filterfunktion können Entfernung, Preis, Wirtschaftlichkeit und Tankkarten-Akzeptanz abgefragt werden. Der Spritpreismonitor sorgt für eine vollständige Transparenz über Kraftstoffpreise. Die App hilft auch bei der Suche nach Parkplätzen, erinnert an das Ablaufen der Parkzeit und führt den orientierungslosen Nutzer zurück zum geparkten Fahrzeug. Ein weiteres Feature ist die Schadenmeldung. Bei einem Unfall unterstützt die Fleet App den Autofahrer, direkt eine umfassende Meldung an die Versicherung abzusetzen. Zudem sind sämtliche internationalen Notrufnummern hinterlegt.

Als erster Automobilhersteller wird Volvo „Skype for Business“ von Microsoft in seine Fahrzeuge integrieren. Die App wird zunächst für die Modelle der neuen 90er-Serie angeboten und steht im Laufe des Jahres zur Verfügung. „Skype for Business“ wird weltweit im Büroalltag für Gruppen-Audio- und Video-Besprechungen bereits von Millionen Menschen genutzt. Fahrer und Passagiere werden künftig ihre eingehenden Meetings und deren Teilnehmer sofort sehen und ihre Audio-Teilnahme mit einem Click auf dem großen zentralen Display bestätigen können. Die Teilnahme an Video-Besprechungen oder die Ansicht von Präsentationen ist hingegen noch nicht möglich.

IT-Anbieter erweitern Produktportfolio für das Flottenmanagement

Fast selbstverständlich erweitern auch IT-Firmen selbst immer wieder ihre Offerten.
Carbook Plus will Routineaufgaben erleichtern, wie Fahrtenbuch oder die Suche nach Tankstellen.
© Screenshot vom Autor
Carbook Plus will Routineaufgaben erleichtern, wie Fahrtenbuch oder die Suche nach Tankstellen.
Die Plattform CarbookPlus ist ein kostenloser Service für Privatpersonen und Unternehmen zur Fahrzeugverwaltung. Der Schwerpunkt liegt in der Vereinfachung ständig wiederkehrender Aktivitäten, wie dem Führen des Fahrtenbuchs oder der Suche nach der besten Tankstelle auf dem Weg. Zudem werden Fahrzeuge, Versicherungen, Händler und Werkstätten verglichen sowie Tipps für die Fahrt bereitgestellt.

TomTom, Pionier in Sachen Navigationssysteme und Softwareanbieter Sage ermöglichen durch eine neue Kooperation die Echtzeit-Buchhaltung für Fahrzeugflotten. Der Flottenmanagement-Dienst Webfleet hilft Unternehmen jeglicher Größe dabei, die Fahrzeugleistung zu verbessern, Kraftstoff einzusparen, Fahrer zu unterstützen und die Gesamteffizienz der Flotte zu erhöhen. Die kombinierte Lösung ermöglicht es Kunden von Sage Live, automatisch Flottendaten vernetzter Fahrzeuge wie Lkw, Transporter und Pkw einzusehen. Kunden erhalten Kilometerstände, Spesenabrechnungen für Geschäftsreisen, Rechnungen für Dienstleister und mehr direkt in Sage Live.

Sage und TomTom arbeiten gemeinsam an Lösungen für das Flottenmanagement.
© TomTom
Sage und TomTom arbeiten gemeinsam an Lösungen für das Flottenmanagement.
„Durch die Zusammenarbeit mit Sage helfen wir dabei, eine modernere und zugänglichere Buchhaltungsumgebung zu schaffen. Diese nutzt Cloud-Technologie und profitiert vom Connected Car, um Kosteneinsparungen für unsere Kunden zu erzielen”, so Thomas Schmidt, Managing Director bei TomTom Telematics.

Neuigkeiten aus dem Silicon Valley

Glaubt man den Verheißungen der Protagonisten der jüngsten Elektronikmesse CES in Las Vegas, sind die aktuellen App-Angebote freilich erst ein bescheidener Anfang der schönen neuen Digitalwelt. So soll das Fahrzeug künftig selbstständig Befindlichkeit und Gemütszustand seines Piloten ermitteln und mit gezieltem Massageeinsatz, der passenden Musik, vitalisierenden Düften oder der stimmigen Ambientebeleuchtung für Wohlfühlatmosphäre sorgen. Der Fahrer, oder besser gesagt der User, kann dann auch vom Cockpit aus die Heizungseinstellung in seinem Büro regeln, oder seinen Warenkorb bei Amazon verwalten. Oder das Gefährt steuert gleich selbst automatisch den nächstbesten Händler an, um die zuvor per Sprachbedienung eingegebene Einkaufsliste abzuarbeiten – digitaler Bezahlvorgang selbstverständlich inklusive.

Um alles mit allem zu vernetzen, haben Automobilhersteller und IT-Pioniere bevorzugt aus dem Silicon Valley ungezählte Allianzen geschmiedet. Bei Bedarf geht es aber auch gegen- statt miteinander: So will eine von Ford und Toyota angeführte Kooperation einen brancheneinheitlichen Standard für die Einbindung von Smartphone-Apps zu etablieren – und damit die aktuelle Übermacht von Apples Carplay und Googles Android Auto zu brechen.

Ob die Fuhrparkverwaltung mit all den neuen Technikgimmicks tatsächlich einfacher, die Dienstreise sicher und der Gütertransport effizienter wird, Bedarf freilich noch eines Alltagsnachweises.
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