So schmerzlich das Flugverbot für Passagiere ist - deutsche Konsumenten und Einzelhändler spüren davon noch nichts. Doch ein wichtiger Branchentreff des Handels musste abgesagt werden.

Wie gut, dass der Valentinstag schon im Februar war. Denn würden sich Liebende dieser Tage Blumen schenken wollen, hätten sie ein Problem: Dem Handel gehen so langsam die Rosen aus.

So klagt zumindest der  Verband des Deutschen Blumen-Groß- und Importhandels (BGI). Grund seien die einsetzenden Lieferprobleme wegen des Flugverbots über Europas Luftraum nach Ausbruch des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull.

Vor allem die Rosenlieferung sei von diesem Flugverbot betroffen, schließlich beziehe der deutsche Handel diese Blume vornehmlich aus Übersee, sagt BGI-Geschäftsführer Frank Zeiler.

Besonnene Händler und die Ängste des Herrn Albrecht

Nun ist ein einsetzender Rosenmangel noch kein existenzielles Problem für die Verbraucher. Außerdem betont der Blumenversender Fleurop auf Nachfrage von derhandel.de, dass die Läger mit Rosen und Nelken noch gut gefüllt seien. "Bei uns läuft der Betrieb ganz normal weiter", versichert Sprecherin Winnie Maria Lechtape.

Die Verknappung anderer Waren würde schlimmer wiegen - allen voran Lebensmittel. Und hier verfällt Frank Albrecht in eine regelrechte Hysterie: "Mit Blumen, Fisch und Fleisch wird es Probleme geben", sagte der Präsident des Hessischen Einzelhandelsverbandes der Onlineausgabe der "Frankfurter Rundschau". Ende dieser Woche könnten die Waren in den Regalen knapp werden. "Es drohen enorme Versorgungsprobleme", prognostiziert Albrecht.

Das ist allerdings eine kühne Prognose des Frankfurter Parfümeriehändlers. So betont Moritz Zumpfort, Sprecher der der Metro Group, auf Nachfrage von derhandel.de, dass Deutschlands größter Handelskonzern seine Lebensmittel zu 90 Prozent in Deutschland beschafft.
 
Deswegen gäbe es beispielsweise bei der Tochter Real "keine spürbaren Auswirkungen", wie Zumpfort versichert. Generell beziehe Metro seine Waren nur zu einem sehr kleinen Teil per teurer Luftfracht.

Eine Fischsorte wird fehlen - vielleicht

Auch bei Edeka ist man bisher keineswegs in Unruhe verfallen. "Es kann sein, dass einmal ein exotischer Fisch im Frischfischangebot fehlt", beschreibt ein Sprecher das Maximum eines drohenden Lebensmittelengpasses.

Auch beim Discounter Netto ist die Lage entspannt. Der Anteil der Flugware am Sortiment sei sehr gering, teilt der Discounter mit, die meisten Waren würden per Schiff und per Lastwagen transportiert. Daher habe Netto aktuell keine Liefer-Engpässe. Das gelte sogar für exotische Früchte wie Kiwis, die Deutschland ebenfalls per Schiff in Kühlcontainern erreichen.

Die meiste Arbeit liegt derzeit wohl bei den Logistikunternehmen. So muss nicht nur DHL versuchen, die Ware, die eigentlich in der Luft transportiert werden soll, auf Lastwagen oder Bahnwaggons umzuladen. Für den Transport innerhalb Europas sei das weniger problematisch als im Interncontinentalgeschäft, sagt DHL-Sprecher Claus Korfmacher zu derhandel.de

In Europa verfüge die Posttochter über ein dichtes Netzwerk von Subunternehmen aus der Transporbranche, so dass man nicht auf dem freien Markt um Lastwagen kämpfen muss. Am DHL-Hauptumschlagplatz Leipzig, wo überwiegend in Nachtschichten die Waren verladen werden, wurde ebenfalls reagiert: Neuerdings wird auch am Tag gearbeitet.

World Retail Congress wird verschoben

Zum Ärgernis für die Handelsbranche wurde die Aschewolke trotzdem: Der World Retail Congress, der ab Mittwoch in Berlin stattfinden sollte, musste auf Oktober verschoben werden. Prominente Referenten wie der Metro-Chef Eckhard Cordes haben damit plötzich eine Lücke im Kalender.