Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Reiter Betten & Vorhänge setzt in seinem neuen Flagship-Store in Wien auf digitale Helfer als Ergänzung zu der persönlichen Beratung.

Drei großformatige Videowände, fünf Service- und Kassenbildschirme, zwei Info-Bildschirme und rund 50 elektronische Preis-Checker: Der Fachhändler Reiter Betten & Vorhänge zeigt in seinem im Herbst 2015 eröffneten Flagship-Store in der Mariahilfer Straße in Wien, wie stationäre Händler klassische Ladenbau-Konzepte mit digitalen Elementen verbinden können. Für die Konzeption und Umsetzung zeichnet das Ladenbauunternehmen Umdasch Shopfitting verantwortlich.

In dem 2.000 Quadratmeter großen Geschäft fasst das Sortiment des österreichischen Heimtextilspezialisten rund 4000 Artikel. Doch an keinem einzigen Produkt ist ein Preisschild befestigt, denn: "Klassische Etiketten haben viele Nachteile", erläutert Peter Hildebrand, Geschäftsführer des Unternehmens. "Gibt es zum Beispiel eine Rabattaktion, ist es sehr aufwändig, alle Preisschilder neu zu etikettieren. Ordert der Händler dann Ware nach, muss er darauf achten, dass auch die Nachlieferung mit dem neuen Preis versehen ist, sonst gibt es viele Artikel mit dem falschen Preis."

Rabattaktionen rechtzeitig entdecken

Behelfe sich der Händler mit einem Schild auf der Aktionsfläche, dass man zum Beispiel 20 Prozent Rabatt auf alle Handtücher erhält, müsse der Kunde den Preisvorteil im Kopf abziehen "und nimmt den Vorteil gar nicht richtig wahr", sagt Hildebrand.

Rund jeder zweite Konsument, der das Geschäft betritt, kenne zudem die jeweilige Aktion nicht: "Er freut sich dann zwar an der Kasse, dass er spart, aber dann ist es zu spät", so der Heimtextilspezialist. "Er hätte vielleicht mehr gekauft, wenn er den tagesaktuellen Preis und die Rabatte berücksichtigt hätte."

Reiter Betten & Vorhänge Handtuchregal Foto: Umdasch Shopfitting
Reiter Betten & Vorhänge Handtuchregal Foto: Umdasch Shopfitting
Da alle Produkte mit einem EAN-Barcode versehen sind, zeigen die elektronischen Preisschilder stets den aktuellen, an den Kassen hinterlegten Preis. Kunden können diesen auch mit Hilfe einer der rund 50 elektronischen Preis-Checker abrufen. Diese fest installierten Tablet-PCs können aber noch viel mehr als nur den Barcode scannen: "Dort sind unter anderem Pflegehinweise und weitere Informationen hinterlegt, und es werden auch weitere dazu passende Artikel empfohlen", berichtet der Handelsunternehmer. "Wer beispielsweise eine Bettwäsche scannt, bekommt die dazu passenden Bettlaken angezeigt. Denn wir wollen den Kunden möglichst viele und möglichst genaue Informationen bieten."

Erinnerung an den Matratzenaustausch

Dazu zählen auch Sonderaktionen: "Wenn wir beispielsweise eine Matratzenkampagne haben, zeigen wir sie dem Kunden auch auf den Tablets an. Dann kommt der Kunde vielleicht drauf, dass er seine hygienisch abgenutzte Matratze erneuern könnte", argumentiert Hildebrand.

In der großen Abteilung "Gesunder Schlaf" spiele die individuelle Kundenberatung eine besonders große Rolle – "sowohl menschlich als auch elektronisch", wie der Händler es ausdrückt. Denn trotz aller elektronischer Hilfe gehöre "das Menschliche" quasi zur DNA des 1953 in Linz gegründeten Handelsunternehmens: "Schon in den 1960er Jahren hatten wir eine mobile Vorhangberatung. Die erste Beraterin, Frau Elfi, ist heute noch vielen Kunden aus Linz und Umgebung ein Begriff", berichtet der Geschäftsführer.

Mittlerweile bieten alle 18 Filialen die kostenlose mobile Vorhangberatung an, "nur dass unsere Mitarbeiter anstelle von Zollstab und Notizbuch den neuen Vorhang heute mit dem Laptop direkt in der Wohnung beim Kunden zuhause planen", so Hildebrand.

Interaktive Produkt- und Unternehmensinformationen

"Wir wollen den Kunden mit unseren Produkten Freude und Zufriedenheit bereiten, einfach ein gutes Gefühl in ihrem Zuhause mit den Materialien, Farben und Dessins geben, und das auf nachhaltiger Basis – ohne natürliche Ressourcen, Menschen oder Tiere auszubeuten", nennt er das Geschäftsprinzip des Familienunternehmens, das auch eigene Produkte der Schwesterfirma "Heimtex" verkauft.

Dementsprechend werden auf den drei Videowänden mit je acht Screens Produktinformationen interaktiv aufbereitet, um den Kunden die Philosophie des Hauses nahezubringen und für Abwechslung im Shop zu sorgen. Hinzu kommen zwei große Info-Bildschirme, die zusätzlich einen Überblick über das Produktsortiment bieten.

"Früher hatten wir Transparente, die wir alle zwei Wochen gewechselt haben. Das war sehr umständlich", sagt der Reiter-Geschäftsführer. "Nun können wir aktuelle Informationen vor einem emotionalen Hintergrund präsentieren." Die jeweiligen Bilder blieben nicht zu lange stehen, weil die Kunden die Informationen schnell erfassen müssten. "Und die Bildschirme an den Kassen sollen sie beim Warten unterhalten."

Das digitale Konzept der Wiener Vorzeigefiliale von Reiter Betten & Vorhänge wird auch in den anderen 16 Filialen umgesetzt. "Mit den elektronischen Helfern können wir die Ware in den Vordergrund stellen. Informationen wie der Preis sind schließlich erst wichtig, wenn der Kunde daran interessiert ist", fasst Hildebrand zusammen.

Sybille Wilhelm

Der Artikel ist in der Juni-Ausgabe von Der Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier. Lesen Sie Der Handel auch auf dem iPad.