Im Handel wird die Frauenquote für Führungspositionen kritisch gesehen. Doch manche Unternehmen haben erkannt, dass Frauenförderung Wettbewerbsvorteile bringt.

Schon die Reaktion von Mechthild Möllenkamp zeigt, wie schwierig es ist, in der Diskussion um die Frauenquote für Führungspositionen in Unternehmen eine Lösung zu finden. "In meiner Brust schlagen zwei Herzen", sagt die selbstständige Edeka-Händlerin und Präsidentin des Unternehmerverbandes Einzelhandel Osnabrück/Emsland. "Ich will nicht in einem Gremium sitzen, nur weil ich eine Frau, sondern weil ich qualifiziert bin."

Auf der anderen Seite sieht Möllenkamp aber auch, dass Männer auf dem Weg nach oben auf der Karriereleiter gelegentlich mit Ellenbogeneinsatz arbeiten. Viele Frauen würden sich dann sagen, "nein, das tue ich mir nicht an".

Also doch eine Quote? "Vielleicht", sagt die Händlerin. Doch dann müsse gewährleistet sein, dass auch die am besten qualifizierte Frau den Führungsjob bekommt.

Merkel sagt nein

Die bekannteste deutsche Frau, Kanzlerin Angela Merkel, sprach sich gegen eine Frauenquote in Führungspositionen aus, ein prominenter Mann äußerte sich deutlich dafür. "Ich glaube nicht, dass es zu schaffen ist, ohne Quote den Frauenanteil in Unternehmensführungen signifikant zu erhöhen", meint Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger droht den Unternehmen: "Wenn sich die Frauenbeteiligung nicht deutlich verbessert, wird die Bundesregierung zu einer gesetzlichen Regelung kommen."

Doch damit stößt die FDP-Politikerin in der Wirtschaft auf geringe Gegenliebe. Auch die Signale aus der Einzelhandelsbranche sind eindeutig, wie Der Handel festgestellt hat: Eine Frauenquote ist nicht gewünscht.

So deutlich will das kaum jemand sagen, deswegen verstecken sich manche Unternehmen hinter floskelhaften Antworten. "Netto legt großen Wert darauf, offene Positionen mit den am besten geeigneten Kandidaten oder Kandidatinnen - unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion - zu besetzen", heißt es beispielsweise vom Lebensmitteldiscounter.

"Gravierender Eingriff"

Bei Deichmann hat man sich über eine Frauenquote noch keine Gedanken gemacht. "Wir beschäftigen in der überwiegenden Zahl Frauen und zwar auf allen Hierarchieebenen. Daher ist das für uns kein besonderes Thema", teilt der Schuhhändler mit.

Fressnapf sucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "ausschließlich nach Qualifikation, nicht nach Geschlecht und Herkunft aus", heißt es, von weiteren Nachfragen sei abzusehen, bescheidet der Tierfutterhändler.

Diese grundsätzliche Ablehnung teilt auch der Handelsverband Deutschland (HDE). "Eine Frauenquote stellt einen gravierenden Eingriff in die Vertragsfreiheit und die Personalpolitik der Unternehmen dar", sagt HDE-Sprecher Kai Falk.

Metro handelt

Die Metro Gruppe fällt aus der Rolle. Claudia Schlossberger, Personalchefin des Konzerns, verweist darauf, dass der Konzernaufsichtsrat bereits im vergangenen Jahr beschlossen habe, den Frauenanteil in diesem Gremium bis zum Jahr 2018 auf 30 Prozent zu erhöhen. Derzeit sitzen im Aufsichtsrat 15 Prozent Frauen.

"Für die Gesamtbelegschaft werden wir im Rahmen einer internen Selbstverpflichtung den Anteil von Frauen in Führungspositionen weiter steigern", kündigt Schlossberger an - und meint damit die Führungsebenen eins bis drei. Derzeit beträgt hier die Frauenquote 18,6 Prozent.

Dass jedoch auch die Vorstandsebene weiblicher werden soll, ist bei Metro freilich nicht zu erkennen. Der Frauenanteil hier: 0 Prozent.

Trotzdem: Metro hat die Zeichen der Zeit erkannt, in der der zunehmende Fachkräftemangel den Kampf um qualifizierte Bewerber immer mehr verschärft - und auch die Einzelhandelsbranche sich deswegen überlegen muss, wie sie für Bewerber attraktiver werden kann. Warum also nicht mit Vorteilen für Frauen punkten?

"Die Entscheidung für einen Arbeitgeber wird in Zukunft auch davon abhängen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich für Frauen in einem Unternehmen bieten und vor allem, welche Rahmenbedingungen vorliegen, die eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern", betont Metro-Personalchefin Schlossberger.

Das Talent der Frauen

So sieht es letztlich auch der HDE. "Es ist ein Einstellungswandel zum Thema Frauen in Führungspositionen in Gang gekommen, der durch den Fachkräftemangel noch verstärkt wird. Unternehmen, die an überkommenen Vorstellungen festhalten, bestraft der Wettbewerb um die besten Kräfte. Insofern kommt der Förderung von Frauen auf Führungsebenen eine bedeutende Rolle zu", heißt es.

Genau das ist auch für Dorothea Voss-Dahm der entscheidende Punkt. "Die Aufstiegsambitionen von jungen Frauen sind heute viel größer als noch etwa vor fünf, sechs Jahren", sagt die Handelsexpertin vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg Essen. Und die Unternehmen, die diesen Ambitionen gerecht werden, bekommen dann eben von erstklassigen Hochschulabsolventinnen oder begabten Schulabgängerinnen eher den Vorzug.

Für die Wissenschaftlerin Voss-Dahm, eine Befürworterin der Frauenquote, ist allein die Diskussion darüber für etwas gut: Sie erhöht den Druck auf die Unternehmen, über verbesserte Karrierechancen für das weibliche Geschlecht nachzudenken.

Steffen Gerth

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3/2011 von Der Handel erschienen. Hier können Sie ein Probeheft bestellen.