Großraumlimousinen wurden zuletzt immer weniger nachgefragt. Jetzt beleben die Hersteller die Sparte mit neuen, oder - wie der Seat Alhambra - zumindest überarbeiteten Modellen. 

Der Renault Espace steht schon nagelneu bei den Händlern, der Ford Galaxy folgt in dritter Auflage im September. Da will auch der Volkswagenkonzern nicht tatenlos zusehen und spendiert seinen baugleichen Van-Zwillingen ein behutsames Update.

Ein wenig frische Schminke an der Front, sparsamere Euro-6-Motoren und ein schnelleres Navigationssystem mit Kopplungsmöglichkeit für alle gängigen Smartphones sollen helfen, die Spitzenposition von VW Sharan (10.015 Zulassungen im ersten Halbjahr 2015) und Seat Alhambra (5.436) im Wettbewerbsumfeld zu verteidigen.

Auf jeden Fall dürften die Bemühungen der beiden in der Knapp-Fünf-Meter-Kategorie führenden Hersteller dafür sorgen, dass die zuletzt sinkenden Absatzzahlen (minus 9,4 Prozent von Januar bis Juni 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum) für die vor der große SUV-Welle noch so beliebten Vans zumindest nicht weiter in den Keller rauschen. Zumal im September mit dem etwas kleineren VW Touran auch noch der Segmentführer völlig neu an den Start geht.

Renditebringer für die Seat-Händler

Für die Seat-Händler ist der Alhambra ein maßgeblicher Renditebringer, bildet die Großraumlimousine mit den seitlichen Schiebetüren doch das Top-Angebot im gesamten Portfolio. Mit entsprechender Ausstattung lässt sich das bis zu siebensitzige Gefährt schließlich auf mehr als 40.000 Euro bringen. Da ist die Marge natürlich besser, als bei Klein- und Kompaktwagen, mit denen die spanische Volkswagentochter derzeit freilich ausgewiesen erfolgreich ist.

 Nach der Absatzsteigerung von 11,7 Prozent in 2014 stehen nach dem ersten Halbjahr 2015 mit 48.040 Neuanmeldungen erneut 5,3 Prozent Plus zu Buche. Damit ist der Konzern in Deutschland gleich mit vier Marken unter den Top Ten der Zulassungsstatistik des Flensburger Kraftfahrtbundesamtes. „Es geht ganz gut. Wir haben im ersten Quartal schon Geld verdient“, strahlt Deutschland-Geschäftsführer Bernhard Bauer anlässlich der Halbzeitbilanz und fügt mit Blick auf die einstigen Krisenjahre der iberischen Marke hinzu: „Das war in der Vergangenheit nicht immer so.“

Flottenbereich wird immer wichtiger

Neben dem kompakten Leon Kombi ist der große Van für Seat auch die zweite Stütze im „für uns immer wichtigeren Flottenbereich“, so Bernhard Bauer. Gewerbliche Kunden dürften sich vor allem über die verbrauchsoptimierten Dieselmotoren im Alhambra freuen. Die neuen Normwerte liegen bei 5,1 Liter für die Varianten mit 85 kW/115 PS und 110 kW/150 PS sowie bei 5,3 Liter für den stärksten Selbstzünder mit 135 kW/184 PS.

Der hinterließ beim ersten Test insbesondere in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe (2.050 Euro Aufpreis) erwartungsgemäß den harmonischsten Eindruck, steht in der Preisliste allerdings auch bei mindestens 38.840 Euro. So wird in den Fuhrparks vor allem die mittlere Leistungsstufe gefragt sein. Die kann ab 32.710 Euro geordert werden.

Bernd Nusser