Nur noch neun Tage bleiben, um Karstadt zu retten. So langsam wird auch die Gewerkschaft Verdi nervös. Vizechefin Mönig-Raane mahnt zur Eile, SPD-Chef Gabriel schießt sich auf den Bundeswirtschaftsminister ein.

Die Zeit wird knapp, der Ton schärfer. Im Ringen um die Zukunft der insolventen Warenhauskette Karstadt hat Sigmar Gabriel Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) attackiert. "Es ist eine Schande, dass Herr Brüderle tatenlos zusieht, wie die Karstadt-Rettung zu scheitern droht", sagte der Vorsitzende der SPD der "Frankfurter Rundschau".

Karstadt-Investor Nicolas Berggruen hatte angekündigt, in den festgefahrenen Verhandlungen mit den Vermietern der Warenhäuser die Bundesregierung als Vermittler einzuschalten. Brüderle lehnte dies jedoch ab und ließ mitteilen, dass Staatshilfen für Karstadt nicht infrage kämen.

"Fadenscheiniges Argument"

Gabriel hält dieses Argument für fadenscheinig. Schließlich gehe es "hier nicht um Staatshilfen, sondern um eine vom Investor Herrn Berggruen erbetene Vermittlerrolle", betonte der SPD-Chef. Er warf Brüderle vor, durch seine Ablehnung 25.000 Arbeitsplätze und die Attraktivität der Innenstädte mit Karstadt-Standorten zu gefährden.

Berggruen verhandelt seit fast vier Wochen mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet über eine Senkung der Mieten der Karstadt-Filialen und eine Änderung der Mietverträge.

Stichtag 16. Juli

Auch die Verdi-Vizechefin Margregt Mönig-Raane forderte Brüderle zum Handeln auf. "Er hätte hinter dem Bühnenvorhang mal Tacheles reden können, das hätte ich schon erwartet."

Bei der Gewerkschaft ist von dem Optimismus von vor einigen Tagen mehr viel zu spüren. Im Gegenteil: "Die Zeit läuft ab", sagte die Gewerkschafterin, die auch im Aufsichtsrat des zusammengebrochenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor sitzt, am Dienstag im "Deutschlandradio Kultur". Sie forderte alle Beteiligten auf, sich schnell zusammenzusetzen.

"Bis zum 15. Juli muss alles unter Dach und Fach sein. Alle müssen an einen Tisch und dazu beitragen, im Interesse von Beschäftigten und Investoren", mahnte die Gewerkschafterin. Am 16. Juli will das Essener Amtsgericht über die Annahme des Insolvenzplanes entscheiden.

Berggruen hatte vor einigen Tagen eine erneute Sitzung des Gläubigerausschusses gefordert. Bis heute, 24 Uhr, muss die entsprechende Einladung an die Mitglieder verschickt worden sein.

Kritik an der Valovis-Bank

Für die Schwierigkeiten machte Mönig-Raane vor allem die komplizierten Verhältnisse bei Konsortium Highstreet verantwortlich, dem 86 der insgesamt 120 Häuser gehören. Insbesondere die Valovis-Bank sperre sich als Darlehensgeberin dagegen, getroffene Vereinbarungen abzusegnen. Die umgetaufte Karstadt-Quelle-Bank ist einer der Gläubiger bei Highstreet und bangt um ihr Geld. Es geht um ein Darlehen von 850 Millionen Euro an Highstreet, das mit Immobilien von Karstadt abgesichert ist und 2014 ausläuft.

Vor einigen Tagen hatten Mönig-Raane und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen in Berlin davon gesprochen, dass bei der Rettung des Warenhauses wichtige Schritte vollzogen seien. "Ich habe begründete Hoffnung, dass Karstadt eine faire Chance bekommt, weiter zu machen und einen Neuanfang zu schaffen", sagte von der Leyen - und fügte an, dass Berggruen und Highstreet sich über die Mietkonditionen geeinigt hätten.

Die CDU-Politikern fungiert seit Wochen als Vermittlerin zwischen den Verhandlungspartnern. Für Verdi hingegen ist Berggruen der optimale Karstadt-Investor, weil der Deutsch-Amerikaner versichert hatte, keine weiteren Zugeständnisse vom Personal abzufordern. Zudem wolle er die Mitbestimmung beim Warenhaus sichern.

Eine Chronik der Karstadt-Krise finden Sie hier.

Eine Bildergalerie zur Geschichte von Karstadt finden Sie hier.