Es ist nichts mehr da - das gilt auch für Neckermann. Gläubiger des Versenders werden ihre Forderungen abschreiben müssen. Dafür kritisieren der Insolvenzverwalter und Verdi den Besitzer des Unternehmens.

Der Insolvenzverwalter von Neckermann macht Gläubigern des Versandhändlers wenig Hoffnung. Im ersten Halbjahr habe Neckermann jeden Monat rund 20 Millionen Euro Verlust verbucht. "Die Betriebskosten haben jeden Gewinn aufgesogen", sagte Michael Frege von der Kanzlei CMS Hasche Sigle dem Magazin "Wirtschaftswoche". "Wir hätten nicht einmal mehr den nächsten Monatslohn für die Mitarbeiter überweisen können."

Der insolvente Versandhändler wird ab diesem Montag abgewickelt. Rund 2.000 Beschäftigte am Stammsitz Frankfurt und in einer Niederlassung in Sachsen-Anhalt verlieren ihre Jobs.

Hoffen aufs Überleben der Marke

Laut dem Bericht will Frege im Oktober ein isoliertes Bieterverfahren für Kundendaten, Web-Adressen und Markenrechte des Konzerns starten. "Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Name Neckermann überlebt", zitierte ihn die Zeitschrift. Bei den Berufsperspektiven der Angestellten zeigte Frege sich zuversichtlich: "Wir gehen davon aus, dass zwischen 200 und 300 Mitarbeiter sofort bei einem neuen Arbeitgeber starten werden."

In den vergangenen Tagen hatten Unternehmen wie die Deutsche Post oder der Onlinehändler Amazon sich bei Neckermann als potenzieller neuer Arbeitgeber präsentiert.

Kritik an Sun Capital

Schwere Vorwürfe erhob Frege gegen den früheren Eigentümer des Konzerns, den US-Finanzinvestor Sun Capital. "Bei Neckermann haben wir keine Substanz vorgefunden", sagte der Insolvenzverwalter dem Magazin. Selbst die Konten habe Sun Capital sperren lassen und damit "die Ausgangslage erheblich erschwert".

Mögliche Investoren hätten ein "schonungsloses Urteil" gefällt. Sie hätten nicht nur den massiven Investitionsstau kritisiert, sondern seien vor möglichen Kündigungsschutzklagen der Mitarbeiter zurückgeschreckt.

"Ohne Rücksicht auf die Beschäftigten"

Auch die Arbeitnehmer schießen gegen den amerikanischen Eigner. In einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland" schrieb das Aufsichtsratsmitglied der Neckermann.de GmbH, Wolfgang Thurner, der Finanzinvestor habe sich hartnäckig geweigert, den Beschäftigten in ihrer dramatischen Lage finanziell durch Abfindungen entgegenzukommen: "Was keine kurzfristige Rendite bringt, wird abgestoßen, ohne Rücksicht auf die Beschäftigten", wettert der Fachsekretär für den Bezirk Frankfurt bei der Gewerkschaft Verdi.

Die Arbeitgeberseite habe keinen gesunden Menschenverstand gezeigt und die übliche Suche nach einem sozialverträglichen Kompromiss schlicht negiert. Thurner bezieht sich auf Verhandlungen des Eigners mit den Arbeitnehmern über die Senkung der Personalkosten.

Dabei habe Sun Capital keine Kompromissbereitschaft gezeigt und Neckermann stattdessen in die Pleite geschickt.