Metro-Chef Koch hat kein Interesse an dem kriselnden Warenhaus Karstadt. An Europas größter Elektronikkette Media-Saturn will der Manager trotz aller Probleme und Streitigkeiten mit Firmengründer Kellerhals festhalten

Der Kaufhof-Mutterkonzern Metro steht nicht als Retter für den kriselnden Rivalen Karstadt bereit. "Karstadt ist für uns überhaupt kein Thema", sagte Metro-Chef Olaf Koch am Mittwochabend in Düsseldorf. Dabei galt eine Fusion von Kaufhof und Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG noch vor einigen Jahren unter vielen Handelsexperten als naheliegende Antwort auf die Probleme der Vertriebsschiene, der Konkurrenten wie H&M und Zara, aber auch der boomende Onlinehandel zu schaffen machen.

Doch haben sich die Ketten in den vergangenen Jahren deutlich auseinanderentwickelt. Während Karstadt rote Zahlen schreibt und zuletzt mit dem überraschenden Rücktritt der Chefin Eva-Lotta Sjöstedt Negativ-Schlagzeilen machte, gelang es Kaufhof, sich erfolgreich auf dem hartumkämpften Markt zu behaupten. "Kaufhof ist auf einem enorm guten Weg", sagte Koch. Dies gelte für die Warenhäuser, aber auch für den Onlineshop des Unternehmens.

Media-Saturn mit "Wertsteigerungspotenzial"

Mehr Sorgen bereitet dem Metro-Chef derzeit Europas größte Elektronikmarktkette Media-Saturn. Die Sparte kämpft zurzeit nicht nur mit der Billig-Konkurrenz aus dem Internet. Für Unruhe im Unternehmen sorgt auch der Machtkampf zwischen dem Mehrheitseigner Metro und dem Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals, der über umfangreiche Vetorechte verfügt. Verkaufen will Koch das Tochterunternehmen dennoch nicht. "Wir sehen bei Media Saturn großes Wertsteigerungspotenzial. Wir alle im Vorstand sind der Meinung, wir sollten uns nicht davon trennen."

Der Hintergrund: Kellerhals hatte angesichts des Dauerkonflikts bereits vor einigen Wochen eine Übernahme der Metro-Anteile ins Spiel gebracht. Koch betonte, wenn es einen konkreten Vorschlag gäbe, müsse ihn die Metro allein schon aus rechtlichen Gründen prüfen. Dies sei aber nicht der Fall. "Es gibt bislang kein konkretes Angebot."

Machtkampf um Elektronik-Kette geht weiter

Im Machtkampf um Europas größten Elektrogerätehändler Media-Saturn gab es unterdessen Anfang der Woche zwischen den Eigentümern zumindest in einem Punkt eine Einigung: Nach einer außergerichtlichen Verständigung mit dem Mehrheitseigner Metro nahm der Firmengründer Erich Kellerhals eine Stellenanzeige aus dem Netz, wie das Landgericht Ingolstadt am Montag mitteilte. In der Anzeige hatte Kellerhals, der etwa 22 Prozent an Media-Saturn hält, nach einem Nachfolger für den mittlerweile zurückgetretenen Firmenchef Horst Norberg gesucht, zu dem er vor dessen Abgang immer stärker auf Distanz gegangen war.

Aber auch mit dem kommissarischen Media-Saturn-Chef Pieter Haas ist Kellerhals nicht einverstanden. Sein Versuch, Haas abzusetzen, scheiterte in der vergangenen Woche. Haas ist Metro-Vorstand und war nach Ingolstadt entsandt worden, um die noch von Norberg angestoßene Neuausrichtung der Elektronik-Kette voranzutreiben.

Nach einem Zeitungsbericht sieht Kellerhals in dieser Doppelfunktion von Haas einen Interessenskonflikt, denn die Metro sei über die Elektrosparten ihrer Töchter Kaufhof und Real ein Konkurrent von Media-Saturn. Kellerhals hat auch eine Einstweilige Verfügung beantragt, mit der er Haas seine Tätigkeit bei Media-Saturn untersagen lassen will. Darüber will das Landgericht Ingolstadt am 22. Juli verhandeln.