Die Experten sind sich einig: Die mobile Zukunft ist digital und autonom. Vernetzte und selbstfahrende Fahrzeuge werden nicht nur den Individualverkehr, sondern auch das gesamte Transportwesen grundlegend verändern. Doch welche Szenarien könnten in den kommenden Jahren Realität werden?

Es könnte alles sehr schnell gehen: Die Automobilindustrie rechnet jedenfalls damit, dass im Pkw-Bereich zumindest teilautonome Systeme bis 2020 ein obligatorischer Bestandteil neuer Modelle sein werden.

Auch wenn der technische Fortschritt bei den Nutzfahrzeugen nicht ganz so rasant von statten gehen dürfte, hat Paketdienstler DPD in Zusammenarbeit mit der fka Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen und dem Institut für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen schon mal die mittel- und langfristigen Auswirkungen dieser Technologie auf die Paketbranche genauer unter die Lupe genommen.

Schon heute ist in der Branche ein hoher Automatisierungsgrad feststellbar, der sich bislang jedoch weitgehend auf die Paketsortierung beschränkt. Die eigentliche Zustellung – die sogenannte letzte Meile – ist zwar ebenfalls in hohem Maße standardisiert, der „Faktor Mensch“ spielt jedoch nach wie vor eine ganz entscheidende Rolle: Die herkömmlichen Lieferfahrzeuge werden manuell beladen und von den Zustellern zu den Zieladressen gesteuert. Die Zusteller tragen Pakete zur Haustür und übergeben sie persönlich an den Empfänger.


Gleichzeitig ändern sich aber die Rahmenbedingungen der Zustellung. Beispiele dafür sind die immer größere Paketmenge durch den wachsenden Internethandel oder auch veränderte Bedürfnisse der Menschen im Zuge der voranschreitenden Urbanisierung. Die stetig steigende Verkehrsbelastung in den Städten stellt zunehmend eine Herausforderung dar, während Paketempfänger nach einer immer flexibleren, schnelleren und individuelleren Zustellung verlangen.

Vor diesem Hintergrund hat DPD, die Nummer zwei im deutschen Paketmarkt, mit den Kooperationspartnern Szenarien erstellt und bewertet, wie automatisierte und autonome Fahrzeugkonzepte eingesetzt werden können und ab wann diese Konzepte für Paketdienste von spezifischer Relevanz sein werden.

 „Convenient Technology“ zur Unterstützung der Zusteller
© DPD
„Convenient Technology“ zur Unterstützung der Zusteller

Das Fazit: Als „Convenient Technology“ zur Unterstützung der Zusteller kann autonomes Fahren schon bald eine wichtige Rolle auf der „letzten Meile“ spielen. Gerade im städtischen Raum können dann (teil-)automatisierte Systeme ihre Arbeit erheblich erleichtern. Auf lange Sicht sind auf der „letzten Meile“ darüber hinaus neue Zustellkonzepte mit einem hohen Automatisierungsgrad denkbar. Dies erscheint zumindest für bestimmte Teilmengen sinnvoll. Es ist nicht zu erwarten, dass zukünftig der autonom fahrende Roboter an der Haustür klingeln wird. Der menschliche Zusteller wird auch in Zukunft von überragender Bedeutung sein.

Autonome Mini-Transporter für den Bürgersteig werden bereits getestet
© DPD
Autonome Mini-Transporter für den Bürgersteig werden bereits getestet

Szenarien für die letzte Meile

Die Experten zeigen verschiedene Szenarien auf, wie autonomes Fahren von spezifischer Bedeutung für Paketdienste werden kann. Der Zeithorizont reicht dabei von heute schon technisch verfügbaren Anwendungen bis hin zu vollständig autonomen Lösungen, für die erst noch, vor allem juristisch, passende Voraussetzungen geschaffen werden müssen:

1. Autonom ins Zustellgebiet: Bereits teilautonome Systeme können die Produktivzeit der Zusteller deutlich erhöhen. Für die Zustellung in Großstädten ist es zudem möglich, dass der Zusteller erst in der Nähe seines Zustellgebiets in sein Zustellfahrzeug einsteigt, das zuvor bereits im Paketzentrum beladen wurde und fahrerlos zu einem stadtnahen Treffpunkt geführt wurde.

2. Autonomes Parken in der City: Mit autonomen Technologien und Assistenzsystemen lässt sich der Zeitaufwand für die nötigen Fahrzeugbewegungen deutlich reduzieren. Gerade in der Innenstadt verbliebe damit mehr Zeit für die eigentliche Zustellung, während das Fahrzeug Parkvorgänge und kürzere Wegstrecken selbständig bewältigt.

Die autonome Fahrt auf kürzeren Strecken mit anschließendem autonomen Einparken wird bis 2020 erwartet
© DPD
Die autonome Fahrt auf kürzeren Strecken mit anschließendem autonomen Einparken wird bis 2020 erwartet

3. Autonome Mini-Transporter in der Innenstadt: Die wachsende Zahl von Gebieten mit Zufahrts- und Zeitbeschränkungen bei der herkömmlichen Paketzustellung stellt Paketdienste vor große Herausforderungen. Autonome Mini-Transporter, wie sie derzeit beispielsweise Media-Markt zusammen mit dem Hersteller Starship testet, könnten den Zustellern in Schrittgeschwindigkeit folgen und somit in besonders effiziente Weise eine ganztägige Zustellung selbst in der Fußgängerzone sicherstellen.

How does Starship robotic delivery work?

4. Mobile Abholstationen: Die Kombination von vollständig autonomen Fahrzeugen und automatisierten Paketschließfächern ermöglicht neue Zustellmodi: Bedarfsgesteuert könnten Pakete in diesen Transportern zur Abholung bereitstehen – und zwar zeitlich und räumlich sehr viel flexibler als in fest installierten Stationen. Die Standorte dieser mobilen Abholstationen ließen sich je nach Bedarf gezielt steuern, auch die Erweiterung um eine Retourenabgabe ist möglich.

5. Empfänger steuern ihr Paketmobil: Denkbar ist sogar, dass Empfänger den Lieferort und die Lieferzeit eines autonomen, fahrerlosen Pakettransporters per App vollständig frei bestimmen. So könnten Empfänger ihr Paket je nach Bedarf früh morgens zu Hause, mittags am Arbeitsplatz, abends im Park oder auch nachts bei einer Party entgegennehmen.

Lutz Eckstein, Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge, bleibt aber Realist: „Auch angesichts der juristischen Rahmenbedingungen wird es in diesem Branchensegment allerdings noch viele Jahre dauern, bis in Deutschland fahrerlose Fahrzeuge in größerem Stil gewerblich genutzt werden können.“


Das gilt schließlich auch für die Hardware selbst. Zwar hat Mercedes-Benz gerade erst seinen „Visionvan“ präsentiert, doch für autonomes Fahren ist selbst die Stuttgarter Studie noch nicht ausgelegt. Geschweige denn die aktuellen Standardmodelle. Das modernste Modell kommt aktuell aus Hannover: Volkswagen steht unmittelbar vor der Markteinführung des neuen Crafter. Stolz verweisen die Niedersachsen auf allerlei technische Errungenschaften – ein Autopilot ist nicht dabei. Und üblicherweise beträgt der Lebenszyklus einen Transporters mindestens zehn Jahre.

Es kann also bis zur Umstellung hier und da noch etwas dauern. Aber vielleicht kommt die Lieferung bis dahin ohnehin schon per Drohne.

DPD Drohne


Fuhrpark & Logistik

Visionen mit Drohnen

Mit dem zunehmenden E-Commerce wandeln sich auch die Produkte und Dienstleistungen der Automobilhersteller. Mercedes-Benz zeigt schon mal, wie die Zukunft auf der "letzten Liefermeile" aussehen könnte. Mehr lesen

Studien

Trendreport: Wie alltagstauglich sind die Zukunftsvisionen für den E-Commerce?

Über 12.000 Produkte im ersten richtigen Virtual-Reality-Kaufhaus; ein Vertriebs-Bot, der E-Mails analysiert und bearbeitet sowie intelligente Einkaufstaschen, die am Ladenausgang ein automatisches Check-Out ermöglichen – drei Beispiele für weltweit innovative E-Commerce-Trends. Wie alltagstauglich die Lösungen aus den Bereichen Virtual Reality, Artificial Intelligence und Internet of Things sind, untersucht ein Trendreport von eBay und Trendone. Mehr lesen

Zukunft der modernen Liefertechnik

Roboter auf den Bürgersteigen, Drohnen in der Luft

Immer mehr zählt im Onlinehandel die Liefergeschwindigkeit. Unter den Unternehmen tobt ein Wettbewerb, wer die beste Technik hat. Hermes beteiligt sich nun auch daran. Ob das aber alles auch alltagstauglich ist, steht auf einem anderen Blatt. Mehr lesen