Mit dem zunehmenden E-Commerce wandeln sich auch die Produkte und Dienstleistungen der Automobilhersteller. Mercedes-Benz zeigt schon mal, wie die Zukunft auf der "letzten Liefermeile" aussehen könnte.

Die Pakete rollen auf einem selbstfahrenden Regal in den Frachtraum des Transporters. Der sortiert das Ladegut eigenständig nach der zuvor vom Computer ermittelten Auslieferungsroute und reicht dem Fahrer an jeder Station die entsprechende Sendung durch die Ladeluke. Und damit die tagesgleiche oder gar unmittelbare Erledigung einer Onlinebestellung auch tatsächlich klappt, stehen dem fahrenden Personal an zentralen Knotenpunkten der Tour auch noch Lieferroboter und Drohnen zur Seite, während die Kunden via Smartphone längst über die sekundengenaue Anlieferung ihrer Order informiert wurden.

Zukunftsmusik?

Mercedes-Benz, einer der weltgrößten und erfolgreichsten Lkw- und Lieferwagenhersteller, stellt sich und seine Produkte gerade auf den prosperierenden E-Commerce ein. Schon bis 2020 werde sich das Unternehmen grundlegend verändert haben, versichert Volker Mornhinweg, der Chef der Vansparte im Stuttgarter Konzern: „Wir werden vom Anbieter von Transportern zum Anbieter von Transportlösungen – intelligent, sauber und immer online.“

Halbe Milliarde Euro - als Startinvestition

Und weil es die Schwaben mit der Zukunftsgestaltung ganz offensichtlich ernst meinen, ist es mit der sprichwörtlichen Sparsamkeit nicht mehr weit her. Eine halbe Milliarde Euro investiert allein die Transporter-Division in die Digitalisierung. „Und das ist erst der Anfang“, verkündet Mornhinweg. In Berlin, Stuttgart und im Silicon Valley seien bereits Denkzentren entstanden. Mehr als 200 kreative Kräfte arbeiten, ausgestattet mit den Freiheiten von Start-ups, vor allem an den Lösungen für die „letzte Meile“ auf dem Lieferweg.

Mercedes Benz 2



All die bisher gesammelten Ideen hat der Fahrzeughersteller nun in seinem rein batterieelektrisch betriebenen „Visionvan“ zusammengefasst. Zwar beschreibt Mercedes-Manager Mornhinweg das windschlüpfrig gezeichnete Elektrogefährt, das noch bis einschließlich Donnerstag auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) für Nutzfahrzeuge in Hannover für Furore sorgt, selbst als „Transporter für übermorgen“, doch etliche Logistikhilfestellungen sind schon ganz konkret und die Entwickler und Kooperationspartner sprechen auf die Frage nach einem möglichen Zeitpunkt für die Serienreife eher von Monaten als von Jahren.

Transporter fungiert als "Logistikzentrum"

So wie der Einsatz von Lieferrobotern, die im Wohngebiet mit Schrittgeschwindigkeit ausschwärmen und jeweils bis zu zehn Kilogramm schwere Pakete an die Haustüre bringen können. Mit neun Kameras versehen, navigieren die rollenden Kisten zwischen Passanten hindurch und schlagen bei einem Diebstahlversuch sogar laut Alarm. Ein herkömmlicher Mercedes-Benz Sprinter fungiert dabei dank Vernetzung quasi als „Logistikzentrum“.

Mercedes Van Roboter



Auch Apps und cloudbasierte Lösungen zur Materialüberwachung und -disposition im Fahrzeug oder zur optimalen Nutzung des Frachtraums seien bereits ready to go. Zudem will sich das süddeutsche Unternehmen, nach dem Vorbild der Carsharing-Stationen im Pkw-Bereich, künftig auch auf diesem Gebiet engagieren und Transporter für den Bedarfsfall zur Verfügung stellen.

Die Zukunft gehört dem Elektroantrieb

„Elektrisch betriebene Fahrzeuge sind ein Teil der Zukunft“, ist man bei Mercedes-Benz sicher und so kündigt Mornhinweg für 2018 den Serienproduktionsstart für einen E-Transporter mit neu entwickeltem Antriebsstrang an. Das hat nicht nur Umweltschutzgründe: Angesichts des immer dichter werdenden Verkehrs in den Ballungsräumen erleichtern die leisen Laster aufgrund der deutlich geringeren Geräuschemissionen auch die nächtliche Lieferung in Wohngebiete. Zudem stehe durch die veränderte Anordnung der Antriebseinheit rund zehn Prozent mehr Laderaum zur Verfügung als bei herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Logistik & Fulfilment

Roboter setzen in Zukunft die Standards in der Logistik

Roboter faszinieren die Menschen. Bereits im Kindergarten werden eifrig mechanisches Gesellen aus Lego oder Pappmache gebaut, in der Kunst stehen Filme wie Metropolis oder der Song "Wir sind die Roboter" von Kraftwerk für die Sehnsucht der Menschen, Arbeit von Maschinen erledigen zu lassen. Nach einer Studie von DHL liegt hier auch die Zukunft der Logistik. Mehr lesen

Logistik

Besteller finden Drohnen gut

Drohnen für den Transport von Waren oder Medikamenten haben großes Potenzial. Viele Konsumenten fänden die Zustellung aus der Luft auch recht bequem, meldet Bitkom.  Mehr lesen

Logistik

Handel zeigt Interesse an Lieferrobotern

Plötzlich rollt ein kniehoher Roboter auf dem Gehweg an einem vorbei - noch ist das in Deutschland schwierig. Die Metro Group testet aber bereits Alternativen zu den Lieferdrohnen von Amazon, Google oder DHL. Mehr lesen


Bereits im ersten Halbjahr 2017 will der traditionsreiche Hersteller auch als Mobilitätsdienstleister neue Wege gehen und unter www.mercedes.pro eine digitale Plattform anbieten, die für Gewerbekunden Konnektivitäts- und Flottenlösungen bereit hält, die über den klassischen Transportbedarf hinausgehen.