Die zum Daimler-Konzern gehörende Lastwagenmarke Fuso hat den kompakten Lkw Canter modernisiert und hofft auf steigende Verkaufszahlen in Deutschland.

Fuso. Nie gehört? Seit 1994 ist die japanische Lkw-Marke Bestandteil der Daimler-Nutzfahrzeugsparte. Die Schwaben halten 89 Prozent an dem asiatischen Anbieter. Der Rest entfällt auf Mitsubishi Motors. Und mit exakt 172.658 verkauften Einheiten in 2013 gehört das Unternehmen, das historisch bedingt die drei Diamanten von Mitsubishi im Firmenlogo trägt, sogar zu den ganz großen der Zunft. Lkw und Busse werden in 200 Länder der Erde ausgeliefert. "Der Fuso Canter ist dabei das meistgebaute Modell unter den Daimler-Trucks", erklärt Marketingleiter Pius Dettling zur Verblüffung der Nicht-Insider.
 
Die Popularität gilt allerdings nicht für Deutschland. Während sich hierzulande im schwäbischen Sternenreich alles um den Sprinter dreht, hoffen die Fuso-Verantwortlichen für dieses Jahr in aller Bescheidenheit, die Absatzzahlen wenigstens von 1.200 auf 1.500 Einheiten steigern zu können. Zieht man davon das Engagement bei den Autovermietern ab, kristallisiert sich eine handverlesene Kundschaft heraus.

Hohe Nutzlast, kleiner Wendekreis

Die überschaubaren Verkaufszahlen liegen in erster Linie an der mangelnden Markenbekanntheit, aber auch an der spitzen Zielgruppe für den immerhin seit 1963 in diversen Evolutionsstufen gebauten Canter, der für den europäischen Raum im portugiesischen Tramagal montiert wird. Mit seiner hohen Nutzlast bei kompakten Abmessungen und erstaunlich kleinem Wendekreis eignet sich der Bonsai-Laster vor allem für Landschaftsgestalter und Steinmetze.

Jetzt will Fuso das Einsatzgebiet erweitern - und auch Händler mit großen Transportaufgaben in engen Innenstädten könnten nach den jüngsten Modernisierungsmaßnahmen einen Blick auf die asiatische Alternative werfen.

ESP und Start/Stopp-Funktion in Serie

Die drei angebotenen 3,0-Liter-Dieselmotoren mit 96 kW/130 PS, 110 kW/150 PS und 129 kW/175 PS erfüllen ab sofort die Abgasnormen Euro 5b+ (bis 6,0 Tonnen Gesamtgewicht) und Euro VI. ESP und Start/Stopp-Funktion sind serienmäßig mit an Bord.

Es gibt als Option ein Doppelkupplungsgetriebe, drei Fahrerhausvarianten sowie unterschiedliche Radstände und Tonnage von 3,5 bis neuerdings 8,55 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. "Mit unserem neuen Top-Modell können wir mehr als sechs Tonnen Nutzlast befördern und Dank des günstigen Leergewichts mit Fahrzeugen im Zehn-Tonnen-Bereich konkurrieren", streicht Produktmanager Erk Rönnefarth die Vorzüge heraus.

Basis für mobile Verkaufsfahrzeuge

Zwar bietet Fuso werkseitig (noch) keinen Kofferaufbau an, kooperiert aber mit zahlreichen Aufbauspezialisten. Zudem ist der Canter auch eine solide Basis für mobile Verkaufsfahrzeuge, die im Lebensmittelhandel verstärkt zum Einsatz kommen, um ländliche Regionen ohne leicht erreichbare stationäre Supermärkte zu versorgen. Bislang bauten die rollenden Einkaufsmärkte zumeist auf dem Mercedes-Benz Vario auf, doch dieses Modell wurde nach 17 Jahren Bauzeit im vergangenen Herbst ersatzlos eingestellt.

Schließlich wirft Fuso noch zwei technische Finessen in die Waagschale: Der Laster kann mit einem leistungsfähigen, zuschaltbaren Allradantrieb geordert werden und auch eine Hybrid-Version steht zur Wahl. Der 40-kW-Elektromotor unterstützt den Verbrenner vor allem beim Anfahren und hilft so beim Kraftstoffsparen. "Die zusätzliche Investition von 8.500 Euro amortisiert sich für unsere Kunden nach vier Jahren", hat Pius Dettling errechnet. Mit dem vor Jahresfrist eingeführten Hybrid genießen die Asiaten im Nutzfahrzeuggeschäft nicht nur unter dem Daimler-Dach ein Alleinstellungsmerkmal.

Cockpit mit dem Charme der 1980er-Jahre

Schade nur, dass es bei der technischen Renovierung nicht auch zu einem neuen Innenraumambiente gereicht hat. Das Cockpit versprüht weiterhin den Charme der 1980er-Jahre und dürfte zumindest hierzulande so manchen Interessenten vom Kauf abhalten.

Vertrieben wird der Canter übrigens über die Mercedes-Benz-Nutzfahrzeug- und über die Mitsubishi-Händler. Auch das ist ein Unikat im Konzern.

Bernd Nusser