Giesecke & Devrient und Wincor Nixdorf wollen gemeinsam den Bargeldverkehr sicherer und effizienter machen. Den Einzelhändlern winken finanzielle Vorteile.

Der Banknotendrucker Giesecke & Devrient (G&D) und der Geldautomaten- und Kassenhersteller Wincor Nixdorf wollen die Sicherheitstechnologien zur Prüfung und Verarbeitung von Banknoten weiterentwickeln und vermarkten.

Dazu bündeln beide Unternehmen bis Ende März 2011 ihre Aktivitäten in dem Joint Venture "CI Tech Components AG" - wobei CI für "Cash Intelligence" steht. Das neue Unternehmen wird seinen Sitz in Burgdorf in der Schweiz haben und mit zunächst rund 160 Mitarbeiter in Burgdorf und in München starten.

Erstes Projekt des Joint Ventures ist die Weiterentwicklung der "intelligenten Geldkassette". Basis ist die von Wincor Nixdorf für Banken und Handel entwickelte Systemgeneration mit dem Namen Cineo, die G&D in ein Bearbeitungssystem für so genannte Cash Center integriert hat. Damit soll aufwändiges und häufiges Zählen der Geldbestände vermieden werden.

"Erstmals müssen Geldkassetten aus Banken oder Handelsunternehmen nicht mehr von Mitarbeitern geöffnet werden", erläuterte Eckard Heidloff, Vorstandsvorsitzender der Wincor Nixdorf AG, bei der Vorstellung des Joint Ventures in Frankfurt. "Das darin enthaltene Bargeld muss dann auch nicht mehr manuell gezählt und umsortiert werden. Denn das nimmt immer sehr viel Zeit der Mitarbeiter in Anspruch."

Die Kassette wird idealerweise bereits am Kassenplatz im Handel mit Scheinen gefüllt, prüft die Noten sofort auf Echtheit und meldet den Geldbestand an ein zentrales IT-System. Auf Wunsch kann ihre Position per Funkchip erfasst werden.

Kosten sparen

Die beiden Unternehmen werben damit, dass Banken und Handelsunternehmen durch die effizientere und revisionssichere Banknotenbearbeitung allerhand sparen können.

"Allein in Deutschland werden 12 Milliarden Euro jährlich für die Bargeldbearbeitung ausgegeben, zwei Drittel davon tragen die Händler", argumentierte Heidloff. "Zudem geben die Zentralbanken die Aufgaben zur Bargeldbearbeitung verstärkt an Banken, Werttransportunternehmen und Handelsunternehmen ab."

Darauf angesprochen, was ein Händler konkret mit den neuen Technologien rund um die intelligente Kassette sparen kann, antwortete Heidloff: "Wenn wir ihm nicht mindestens 20 Prozent versprechen können, brechen wir das Gespräch ab."

Schnellere Gutschriften

Als weiteren Vorteil für den Händler führte Heidloff an, dass das Bargeld in den Kassetten dem Händler viel schneller als bislang gutgeschrieben werden kann, weil die Bank genau weiß, wie viel Bargeld der Händler tatsächlich hat.

"Wenn die Geldkassetten bei den Tankstellen von Shell in den Tresor gelegt werden, werden sie zum Eigentum der Postbank", nennt er als Beispiel für zügige Gutschriften der Bargeldbestände im Rahmen des Mitte vergangenen Jahres deutschlandweit eingeführten "Integrated Cash Management Systems".

Dabei können Kunden der Postbank und anderer der Cash Group angeschlossenen Kreditinstitute an den rund 1.200 Shell Tankstellen an "bedienten" Geldautomaten, also an der Kasse, Bargeld abheben.

Der Möbel-Discounter Poco-Domäne, der schon als Pilotanwender von Wincor Nixdorf das Bargeld-Handling automatisiert und den Bargeld-Kreislauf geschlossen hat, wird einer der ersten deutschen Händler sein, der die technischen Neuerungen aus dem neuen Joint Venture testet.

Offene Standards

Die Sensoren und Module von CI Tech Components sollen darüber hinaus auch an anderen Anbietern von Selbstbedienungssystemen wie zum Beispiel Banken, Handels- oder Postunternehmen sowie Ticketautomaten für Bahnunternehmen vermarktet werden – also auch der Konkurrenz zur Verfügung stehen.

"Alle Lösungen und die einzelnen Hard- und Software-Komponenten werden wir nach offenen Standards entwickeln", sagte Ralf Wintergerst, Leitung Division Banknotenbearbeitung bei Giesecke & Devrient. "Zur Weiterentwicklung der Technologieplattform und der weltweiten Vermarktung wollen wir auch weitere starke Marktteilnehmer gewinnen."

Nicht zuletzt auf diese Weise will das junge Unternehmen seinen Marktanteil von derzeit gemeinsam etwa 10 Prozent im wachsenden Markt der Banknotenprüf-Sensorik und -module in den kommenden Jahren deutlich ausweiten.

"Wir stellen uns vor, hier kräftig Marktanteile zu gewinnen", so Wincor-Nixdorf-Chef Heidloff. Eine Verdreifachung des Umsatzes in den nächsten Jahren bei "vernünftigen" Margen sei möglich.Dabei würden auch neue Arbeitsplätze entstehen.

Nach Schätzung der beiden Unternehmen wird der Markt von jetzt 650 Millionen US-Dollar (gut 480 Millionen Euro) bis zum Jahr 2015 auf rund eine Milliarde US-Dollar ansteigen.

Giesecke & Devrient

Giesecke & Devrient (G&D) ist ein Technologiekonzern mit Hauptsitz in München. Das 1852 gegründete Unternehmen erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009 mit über 10.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. Der Konzern stellt Banknoten für rund 60 Länder her und bietet Chipkarten-basierte Lösungen und Dienstleistungen unter anderem für den elektronischen Zahlungsverkehr an.

Wincor Nixdorf

Wincor Nixdorf bietet IT-Lösungen und -Services für Banken und Handelsunternehmen. Insgesamt arbeiten mehr als 9.000 Mitarbeiter im Konzern. Bei programmierbaren elektronischen Kassensystemen (EPOS) ist Wincor Nixdorf eigenen Angaben zufolge in Europa die Nummer Eins und weltweit die Nummer Drei, bei Geldautomaten die Nummer Zwei in Europa und der Welt.