Möbelhäuser, Onlinehandel, Treueprämien: Fachhändler mit Glas-, Porzellan- und Keramik-Sortiment leiden darunter, dass den Herstellern heute  viele Vertriebswege offenstehen.

Die Fachhändler für Tisch- und Küchenausstattung blicken auf ein gutes Jahr 2014 zurück: Während die gesamte Branche ein leichtes Umsatzplus von 0,3 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro verzeichnete, freuten sich die Händler über einen Umsatzzuwachs von 1,8 Prozent, meldete der "Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur" (GPK) anlässlich der Konsumgütermesse Ambiente, die noch bis zum 17. Februar in Frankfurt stattfindet. Der Facheinzelhandel steht demnach in dem Bundesverband für rund ein Drittel des Umsatzes der Mitgliedsunternehmen.

Was die Vertriebswege angeht, zeigen sich inzwischen auch rund um die schönen Dinge im Haushalt geänderte Kaufpräferenzen: Das Institut für Handelsforschung (IFH) weise für die Segmente Glas und Geschirr ein klares Wachstum aus, während die Fachgeschäfte einen Rückgang von 3,9 Prozent bei Glas und 6,4 Prozent bei Geschirr verzeichnen.

Das zeige, dass eine Reihe von Herstellern verstärkt andere Vertriebswege bedient: "Im Volumengeschäft dürften es Möbelhäuser sein, im Markengeschäft der Onlinehandel inklusive der Shoppingclubs", sagte der Präsident des Bundesverbandes Gerald Funk heute in Frankfurt. Dass die Warengruppe der Töpfe und Pfannen im Fachhandel nur um 0,4 Prozent schrumpfte, sei angesichts der "ausufernden Treueprämienangebote des Lebensmittelhandels und der SB-Warenhäuser" verwunderlich.

Zusatzsortimente laufen gut

Doch die Fachhändler sind erfinderisch, was Zusatzsortimente angeht. So legten Artikel aus dem Bereich Papier, Büro, Schreibwaren (PBS) sowie Karten und Bücher um 52 Prozent und Garten/Outdoor um 31,9 Prozent zu. Allerdings haben die beiden Sortimentsergänzungen einen eher geringen Anteil am Gesamtumsatz, wie Funk einräumte. Aber: "Die Mitgliedsunternehmen unseres Bundesverbandes lassen keine Chance aus, ihre Sortimente den sich verändernden Kundenwünschen anzupassen."

Häuser mit mehr als 1,5 Millionen Euro Umsatz konnten dem Verband zufolge 2014 um 2,6 Prozent wachsen, die kleineren Unternehmen um 1,4 Prozent. Branchenspezifische Zahlen für den Möbelhandel, über deren Fachabteilungen 13 Prozent des Absatzes laufen, liegen dem Bundesverband nicht vor. Warenhäuser - sowohl konzerngebundene wie Kaufhof und Karstadt, aber auch beispielsweise in der Verbundgruppe EK/servicegroup organisierte inhabergeführte -, kommen demzufolge auf einen Marktanteil von knapp 10 Prozent.

Den Marktanteil der SB-Warenhäuser/Verbrauchermärkte beziffert GPK auf 12 Prozent, den des Lebensmittelhandels inklusive Discountern auf 9 Prozent. Den Anteil des Versandhandels schätzt der Verband auf 11 Prozent. In dieser Gruppe dominieren wenig überraschend Onlinehändler, während der katalogbasierte Versandhandel nur noch eine untergeordnete Rolle spiele.

Schwierigkeiten in Klein- und Mittelstädten

In Klein- und Mittelstädten schwindet unterdessen die Umsatzbasis für den Fachhandel, warnt der Verband. Das lieg zum einen an umsatzstarken Herstellern, die immer stärker auf den Onlinehandel, den eigenen Webshop und Treueprämienaktionen setzten. Zum anderen an dem Frequenzrückgang in vielen Stadtzentren bei oft sogar noch steigenden Mieten.

"Dies stellt eine große Herausforderung für die Kommunalpolitik und die Handelsverbände dar: Der stationäre Handel muss sich vernetzen, er muss zugleich online präsent sein, den gemeinsamen Kunden ein Informations- und Servicepaket bieten", ist Funk überzeugt. "In einzelnen Städten wie auch über Initiativen wie 'Buy Local' erlebt dieser Aspekt bereits hohe Aufmerksamkeit."

Optimistisch in die Zukunft

Grundsätzlich blickt die Branche jedoch optimistisch in die Zukunft: Die Beschäftigungsquote und die Kaufkraft steigen, und wegen der aktuell niedrigen Zinsen sei die Konsumbereitschaft höher als in den Vorjahren. Für viele Konsumenten habe zudem das Wohnen und die Gestaltung der eigenen vier Wände in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert, Kochen, Backen und Grillen sind populäre Freizeitbeschäftigungen. Zudem steige die Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau wie auch der Haushalte: Von 1991 bis heute sei die Zahl der Haushalte um 4,7 Millionen auf aktuell rund 40 Millionen gestiegen.

Im Schnitt gibt jeder deutsche Haushalt 143 Euro pro Jahr für Tisch- und Küchenausstattung aus, wie das Institut für Handelsforschung im Auftrag der Messe Frankfurt ermittelt hat.