Laut Medienberichten skizziert ein vertrauliches Papier aus der Berggruen Holding Schritte für die Zeit nach einer Fusion von Karstadt mit Kaufhof. Danach drohen Standortschließungen und ein personeller Kahlschlag.

Das als "private and confidential" klassifizierte Strategiepapier, über das die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, passt so gar nicht zum Wohltäter und Karstadt-Retter-Image, das Nicolas Berggruen bislang zu pflegen bemüht ist.

Schon die Titulierung des eigenen Unternehmen mit dem Namen des Kriegsgottes "Mars" in dem Papier, in dem Kaufhof die Rolle der "Venus" zugedacht wird, lässt auf nicht allzu friedliche Absichten des Karstadt-Eigentümers schließen.

Zwar spielt ein Sprecher der Berggruen Holding gegenüber der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" die Bedeutung der Gedankenspiele als "Überlegungen einiger Unternehmensberater" herunter. Doch aus dem Material zum "Geheimprojekt Zeus", das der SZ zugespielt wurde, wird deutlich, wohin die Reise nach einer Fusion der beiden deutschen Warenhauskonzerne gehen könnte.

20 Häuser schließen, 6.000 Stellen streichen

Die Zahl der Standorte soll von 227 auf 180 reduziert werden. Mindestens 20 defizitäre Kaufhäuser - vor allem Kaufhof-Häuser - sollen demnach geschlossen werden. Auch die Kölner Zentrale der Metro-Tochter soll geopfert werden. 6.000 Arbeitsplätze, so das Papier, könnten wegfallen, davon 1.200 in der Hauptverwaltung und 1.200 weitere in der Logistik.

Für die "Premium Group" - also die Weltstadthäuser KaDeWe, Oberpollinger und Alsterhaus - soll ein Käufer gefunden werden, ebenso wie für "Karstadt Sport".

Der Geheimplan geht von Restrukturierungskosten zwischen 200 und 300 Millionen Euro aus. Als Exit-Strategie sieht er einen Börsengang des sanierten Kaufhauskonzerns im Jahr 2016 vor und hofft auf einen Faktor zwischen vier bis sechs des Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) als Erlös.

Lapidar bemmerkt die Süddeutsche Zeitung, dass die Überlegungen des Projekts "Zeus" in einem diametralen Gegensatz zu Berggruens jüngst im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geäußerten Pläne stehen.

hb

Bildergalerie: Die 130jährige Geschichte von Kaufhof