Das Branchenverzeichnis Gelbe Seiten setzt massiv auf die Digitalisierung. Dazu gehören Themenwelten im Web, aber auch die App soll mehr Nähe zwischen Kunden und Dienstleistern schaffen. Dazu startet das Branchenverzeichnis demnächst ein spannendes Experiment. Stephan Theiß, Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft, erklärt, warum die Plattform gerade für lokale Unternehmen ein digitales Rückgrat bilden kann.

. Stephan Theiß, Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft
. Stephan Theiß, Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft

 

Branchenverzeichnis allein war gestern. Mit Content-Plattformen wie dem Ausbildungsnavigator und Lokales Marketing  sowie mit den Bereichen Gesünder leben und Haus & Garten sprechen Sie inzwischen zusätzlich unterschiedliche Zielgruppen an. Was versprechen Sie sich von den Projekten?

Stephan Theiß: Eine besondere Stärke eines Unternehmensverbandes wie Gelbe Seiten ist es, beispielsweise den Handwerker vor Ort beraten zu können, welche Angebote zu ihnen passen. Dabei geht es mit Blick auf die Digitalisierung sicherlich um Frage der Kundenakquise aber auch um Aspekte wie Zeitmanagement. Mit der Themenwelt "Lokales Marketing" können wir beispielsweise KMU bei ihrer Web-Strategie praxisnah begleiten, geben Marketingtipps und beim digitalen Wandel unterstützen.

Mit einem Themen-Bereich wie „Haus und Garten“ unterstützen wir alle Heimwerker und Handwerker dabei, ihr Haus oder ihren Garten zu renovieren oder zu modernisieren. Das ist aber auch ein Service für den Kunden, der schon bei der Planung seines Projekts Hilfe oder Inspiration benötigt und nach Lösungen sucht. Wir sind damit eine Plattform, auf der mittelständische Unternehmer und Nutzer passgenau zusammenfinden.

Was unterscheidet denn Ihren Content von der Masse anderer Anbieter?

Stephan Theiß: Inhaltlich zunächst einmal nicht viel. Aber es ist eine logische Verlängerung des Branchenverzeichnisses. Wir bauen so unsere führende Rolle bei der Suche nach Handwerkern, Ärzten und Co und unsere Bedeutung als Marktplatz auf dem man sich präsentieren kann, weiter aus und bieten auch unseren Inserenten weitere Möglichkeiten der Präsentation. Nutzer können beispielsweise im Themen-Bereich Haus & Garten zum jedem Beitrag den passenden Experten vor Ort  finden. Wir werten also die reine Branchensuche auf und erhöhen die Zufriedenheit der Nutzer.

Ist der Content auch ein Gegengift gegen Google, das auch in der lokalen Suche immer stärker wird?

Stephan Theiß: Weil Google oftmals nur Dienste aggregiert, ist die Gefahr sehr groß, dass Google und andere Suchmaschinen in immer mehr Branchen auch jenseits von Freizeit und Reisen eine tiefe Wertschöpfung erreichen. Deshalb müssen wir uns natürlich breiter aufstellen, mehr Inspiration bieten und gleichzeitig die Anbahnungen von Transaktionen erleichtern. So bieten wir beispielsweise auf den Detailseiten immer mehr Funktionalitäten für Transaktionen, Hotelreservierungen, Tischreservierungen oder Terminvereinbarungen an. Außerdem sind wir im Bereich Social Media stark aufgestellt und generieren darüber immer mehr Traffic.

Auf der Themen-Seite „Lokales Marketing“ gibt es dann auch Tipps zu Content Marketing oder SEO. Damit stärken Sie dann aber auch Wettbewerber wie Google. Warum?

Stephan Theiß: Wir als Unternehmensverband und unsere Verlage beraten natürlich auch unsere Kunden vor Ort in Sachen Marketing. Was wir dabei leisten können, ist, dass wir den Kunden bei der Auswahl einer passenden Agentur, zum Beispiel wenn es um SEO geht, vertrauensvoll unterstützen. Natürlich ist es auch wichtig, die Produkte und Dienste von Gelbe Seiten zu vermitteln. Aber Gelbe Seiten geht hier bewusst einen Schritt weiter und weiß, dass man im Interesse seines Kunden neben einer Präsenz in Gelbe Seiten und den Detailseiten für die Unternehmen auch Google-Werbung, E-Mail-Marketing und Webseiten-Optimierung anbieten muss.

"Als Plattform für die hyperlokale Suche machen wir den Gewerbetreibenden natürlich auch den Weg ins mobile Internet leichter"


Außerdem ist Google ja ein wichtiger Kanal, worüber auch die Nutzer zu uns kommen. Aufgrund unserer sehr guten Sichtbarkeit in Google, verschaffen wir unseren Kunden ebenfalls eine gute Sichtbarkeit. Da wir beim Nutzer außerdem sehr hohes Vertrauen genießen, ist die Kontaktwahrscheinlichkeit bei Besuchern der Plattform sehr hoch. 54 Prozent der Suchen auf Gelbe Seiten führen zu einer Kontaktaufnahme. Das ist ein deutlich höherer Wert als bei der gewerblichen Suche über Google. Knapp 20 Millionen Nutzer nehmen laut einer repräsentativen Studie der GfK nach einer Suche Kontakt mit einem oder mehreren Anbietern auf. 87 Prozent davon kaufen nach einer erfolgreichen Kontaktaufnahme bei einem oder mehreren Anbietern ein. Letztlich sind wir also ein Hub, auf dem die Nutzer sich dann entscheiden können.

Gelbe Seiten ist in vielen Köpfen womöglich immer noch das dicke gelbe Buch. Wie viel Glaubwürdigkeit hat Gelbe Seiten denn als Begleiter in die digitale Welt, beispielsweise wenn es um neue Themen wie Location-based Services geht?

Stephan Theiß: Bei Location-based Services dreht sich der Weg der Kommunikation ja um. Statt aktiv suchen zu müssen, werden dem Nutzer lokal relevante Angebote präsentiert. Das passt also sehr gut zu uns, weil wir ein hyperlokales Portfolio bieten. Lokales Marketing ist schließlich der Kern von Gelbe Seiten. Gerade bei solchen innovativen Formaten wie Location-based Services hilft dann auch der vertrauenswürdige Absender Gelbe Seiten. Da ist der Nutzer eher bereit, Push-Nachrichten zu akzeptieren. 

Auch mobil wird die lokale Suche immer wichtiger. Aber gerade mittelständische Unternehmen sind in Sachen Mobile oft weit vom heutigen Status Quo entfernt. Wie können Sie in Sachen mobiler Präsenz weiterhelfen?

Stephan Theiß: Zunächst einmal muss sich jedes Unternehmen klar darüber sein, dass jeder mobile Nutzer ein anderes Beschaffungsverhalten hat. Da sucht der Kunden eher ad hoc nach Informationen oder Angeboten in seiner Umgebung. Aber als Plattform für die hyperlokale Suche machen wir den Gewerbetreibenden natürlich auch den Weg ins mobile Internet leichter. Er braucht keine eigene mobile Website. Wenn er auf Gelbe Seiten präsent ist, ist er das zugleich im Desktop-Umfeld, in der App, mobil sowie über Google und Co auffindbar.


Als Aggregator können wir zudem eher eine gute Position bei den Suchergebnissen erreichen, als ein einzelner kleiner Handwerker. Rund 40 Prozent des Traffic kommt inzwischen von mobilen Geräten. Auch unsere App bietet ja eine Fülle an Optionen und Funktionalitäten bis hin zu Reservierungsfunktionen, die der Nutzer vom klassischen Auftritt gewohnt ist, plus wichtiger Funktionen, die für den mobilen Nutzer sinnvoll sind. Wir bieten also in allen Bereichen ein integriertes Such- als auch Nutzungserlebnis und bilden die digitale Brücke zum Kunden.

Mittelständler neigen in Sachen Innovationen gerne zu Skepsis. Wie wollen Sie die überzeugen, dass auch für den kleinen Dienstleister oder Ladeninhaber Elemente wie Location-based Services Bedeutung haben?

Stephan Theiß: Jeder Gewerbetreibende hat lokal ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Manch einer benötigt eher breit angelegtes Dialog-Marketing, ein anderer eher Services, die er in seinem direkten Umfeld ausspielen kann. Da gilt es aus der Fülle an Location-based Services die individuell passenden Lösungen für die letzte Meile zum Kunden herauszufinden, um den Kunden gezielt anzusprechen.

Wie kann das aussehen?

Stephan Theiß: Es kann sich beispielsweise um eine allgemeine Information handeln, wenn jemand am Hauptbahnhof in einer fremden Stadt ankommt, worüber er lokale Umgebungstipps erhält. Die Information kann aber auch von einem Händler aus der zweiten Reihe kommen, dessen Ladengeschäft nicht sofort von Kunden gesehen wird, mit einem Hinweis auf ein besonderes Angebot, das nur über diese Push-Nachricht zugänglich ist.

Wie funktioniert die Umsetzung?

Stephan Theiß: Ganz wichtig: Es geht immer um Mehrwerte! Wir beraten die Unternehmen dabei von Beginn an. Die ersten Fragen, die beantwortet werden müssen, sind, was man mit einer Maßnahme erreichen möchte. Daraus ergeben sich dann die praktischen Fragen: mit welchem Angebot, mit welcher Botschaft und ob die Push-Nachricht in einem bestimmten Radius ausgesteuert werden soll oder nur an einem bestimmten Ort, zu welcher Zeit, an welchen Tagen. Die nötige Technologie ist dabei zweitrangig. Je nach Kampagnen-Set-up kommen Beacons, GPS, Geo-Fencing und Co. zum Einsatz. Die Ortung selbst ist nicht das Problem. Es ist vielmehr notwendig, passende Informationen zu POIs bereit zu stellen. Denn nur ein echter Mehrwert wird dazu führen, dass sich der Kunde eine Push-Nachricht zusenden lässt.