Die Genossenschaftsbanken haben das Filialnetz im vergangenen Jahr deutlich reduziert – das dürfte in diesem Jahr so weitergehen. Auf die Kunden könnten höhere Gebühren zukommen.

Der Dachverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) übte harsche Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. „Der Eindruck drängt sich auf, EZB-Präsident Mario Draghi betreibe Geldpolitik mit der Brechstange“, sagte Uwe Fröhlich, Präsident des BVR, im Rahmen der Bilanzpressekonferenz des Dachverbandes. Die Instrumente der EZB hätten sich nahezu abgenutzt, die Ankündigung von noch mehr Liquidität werde die Stimmung an den Finanzmärkten nicht mehr lange bewegen.

Kunden drohen höhere Gebühren

Die „zerstörerische Geldpolitik“ der EZB zeige „zunehmend hässliche Nebenwirkungen, die die Realwirtschaft in immer stärkerem Maße zu spüren bekommt“, zitierte die Nachrichtenagentur dpa-AFX den BVR-Präsidenten.

Für das Geschäft der BVR-Mitglieder bedeute das Zinstief weitere Zusammenschlüsse. Fröhlich gehe davon aus, dass es Fusionen in der Größenordnung von 40 bis 50 geben wird, berichtete die Agentur weiter. Im vergangenen Jahr hatten die Genossen das Filialnetz, Selbstbedienungsstellen nicht mitgerechnet, um 510 auf 12.260 geschrumpft. Höhere Gebühren für Kunden würden ebenfalls wahrscheinlich.

Etwas weniger Gewinn als im Vorjahr

Die anhaltend niedrigen Zinsen sorgen für sinkende Zinsüberschüsse der im BVR zusammengeschlossenen Banken. Dies konnten die 1.021 Institute jedoch durch ein reges Kundengeschäft ausgleichen: Das Kreditgeschäft legte um 4,8 Prozent auf 505 Milliarden zu, die Kundeneinlagen kletterten um 3,8 Prozent auf 818 Milliarden Euro. Insgesamt meldeten die Genossenschaftsbanken für das vergangene Geschäftsjahr einen vorläufigen Jahresüberschuss nach Steuern von 2,1 Milliarden Euro, mit minus 0,8 Prozent ein etwas schlechteres Ergebnis im Vergleich zu 2014.