Das Kauf-und Leseverhalten der Deutschen hat sich seit 2008 nicht allzu sehr geändert. Das sind angesichts der massiven Medienkonkurrenz gute Nachrichten, freut sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Totgesagte leben bekanntlich länger. Zum Beispiel das Buch: Die Käufer- und Leserzahlen sind stabil, und der stationäre Buchhandel ist der wichtigste Ort, um auf Bücher aufmerksam zu werden. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie "Buchkäufer und -leser 2015", die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf der Buchmesse in Frankfurt vorgestellt hat.

Demnach gehören 59 Prozent der deutschen Bevölkerung aktuell zu den Buchkäufern, 83 Prozent zu den Buchlesern. Vor sieben Jahren hatten die Marktforscher von GfK bereits schon einmal die Lese- und Kaufgewohnheiten abgefragt. Damals gehörten 57 Prozent der Bevölkerung zu den Buchkäufern und 90 Prozent zu den Buchlesern. Der durchschnittliche Preis pro Buch beträgt inzwischen 10,61 Euro; 2008 waren dies 9,96 Euro. Die Pro-Kopf-Ausgabe stieg von 117,81 Euro pro Jahr 2008 auf nunmehr 119,53 Euro.

Frauen kaufen mehr Bücher als Männer

Einen kleinen Unterschied gibt es demnach auch beim Lesen: 54 Prozent der Männer, aber knapp zwei Drittel der Frauen (63 Prozent) haben 2014 mindestens ein Buch gekauft. Auch die Vielkäufer, also die Personen, die mehr als 14 Bücher pro Jahr kaufen, sind in der Mehrzahl weiblich (61 Prozent). Frauen kaufen im Durchschnitt 12 Bücher im Jahr – und damit statistisch gesehen 1,7 mehr als Männer. Die Hälfte ihrer Ausgaben am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) entfällt dabei auf die Belletristik, bei Männern sind es 47 Prozent. Leser geben mit 17 Prozent anteilig mehr für Sachbücher aus als Leserinnen mit 12 Prozent.

Der Aussage "Ohne Bücher wollte ich nicht leben" stimmt aktuell jeder Zweite zu, hier gab es keine nennenswerte Veränderung zum Jahr 2008. Acht von zehn Befragte lesen vor allem zur Unterhaltung und aus Vergnügen. Wichtig für Buchleser ist zudem das Thema Information: 66 Prozent der Befragten setzten in der Befragung hier einen Haken, 58 Prozent lesen Bücher, um etwas für ihre Allgemeinbildung zu tun.

Online schadet vor allem Warenhäusern

Der Anteil der Käufer-Ausgaben am reinen Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) im Onlinebuchhandel stieg demnach von 2008 zu heute von 19 auf 32 Prozent. Nur ein kleiner Teil geht dabei zu Lasten des stationären Buchhandels, betroffen sind vor allem sonstige Verkaufsstätten wie Kaufhäuser oder der Versandbuchhandel.

Im stationären Handel geben vor allem die über 60-Jährigen und die Jüngsten bis 19 Jahre Geld für Bücher aus. 20- bis 39-Jährige kaufen Bücher überproportional oft online. Ein Viertel (24 Prozent) der Befragten entdeckt gelegentlich Bücher im Internet und kauft sie dann im stationären Geschäft. Umgekehrt kommt dies seltener vor: "Nur" 17 Prozent der Befragten sehen schon mal ein Buch im Buchgeschäft und bestellen es online.

Der stationäre Handel ist für Buchkäufer zudem weiterhin der wichtigste Ort, um auf Bücher aufmerksam zu werden: 64 Prozent kaufen ihre Bücher beim Stöbern im Laden. Auf dem zweiten Platz landen Tipps von Freunden und Kollegen: 43 Prozent kaufen Bücher nach deren Empfehlung. Bei der Buchauswahl geht demnach nichts über Klappentexte von Büchern – 68 Prozent der Käufergruppe orientieren sich daran. Knapp dahinter liegen die Thementische im Geschäft. 63 Prozent fühlen sich davon inspiriert, und 59 Prozent empfinden die Beratung und Empfehlung der Buchhändler als hilfreich.

Buch in Gesellschaft verankert

"Die Zahlen belegen: Das Buch ist als Medium in der Gesellschaft tief verankert", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, bei der Vorstellung der Studie auf der Frankfurter Buchmesse. Obwohl seit der Vergleichsstudie aus dem Jahr 2008 bis heute eine Phase beleuchte werde, in der die Medienkonkurrenz massiv angewachsen ist, und sich die Mediennutzung revolutioniert hat, dokumentierten die Ergebnisse große Stabilität bei den Buchkäufer- und -leserzahlen: "Zwar sind die Leserzahlen gesunken, es ist aber bemerkenswert, wie ausgeprägt die Lesefrequenz der Deutschen ist. Ein Drittel aller Leser lesen mehr als 18 Bücher im Jahr."

Laut Buchhändler Philipp Seehausen bestätigt die Studie seine Beobachtungen im Alltag: "Der stationäre Buchhandel ist für Leser die zentrale Anlaufstelle, um auf Bücher aufmerksam zu werden. Die Leser lassen sich gerne vor Ort zu neuen Büchern inspirieren und kaufen sie am liebsten sofort", berichtete der Inhaber von "Unsere Buchhandlung" am Paulusplatz in Bonn. "Unterstreichen kann ich das erfreuliche Ergebnis, dass ein Viertel der Buchkäufer gelegentlich auch Bücher im Internet entdeckt, sie dann aber im stationären Geschäft kauft." Die Kunden nutzten gerne die neuen Medien, wüssten aber offensichtlich ihren Buchladen vor Ort zu schätzen. "Eine sehr schöne Entwicklung", fasste Seehausen die Ergebnisse der Studie zusammen.