Der Modehersteller Gerry Weber will in Deutschland sein Filialnetz stark ausbauen. Der Konzern möchte dieses Jahr 45 eigene Geschäfte neu eröffnen - auch die Zahl der Franchisepartner soll sich erhöhen.

"Wir wollen expandieren", sagte Gerry Weber-Finanzvorstand Hans-Dieter Kley in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es sei beabsichtigt, im laufenden Jahr hauptsächlich im Inland ungefähr neue Häuser zu eröffnen. 45 davon als eigene Geschäfte, 35 mit Franchise-Partnern. Derzeit hat das Unternehmen rund 150 eigene Läden.

Finanziell gefestigte Kundinnen

Dieser Wachstumswill dokumentiert, dass dem Modehersteller und -händler die Wirtschaftskrise nichts anhaben kann. Umsatzrückgänge in Spanien, Großbritannien und Osteuropa seien durch einen stärkeren Absatz in Deutschland kompensiert worden, sagte Kley.

Als Unternehmensvorteil vermutet der Finanzvorstand das Gerry Weber-Konzept, Kundinnen zwischen 30 und 64 Jahren anzusprechen, die finanziell gefestigter seien.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen seinen Umsatz um 4,2 Prozent auf 594,1 Millionen Euro, das operative Ergebnis (Ebit) um 13,6 Prozent auf 62,7 Millionen Euro gesteigert. Das gelang insbesondere über einen strikten Sparkurs. Dass der Textilhändler die angestrebten 600 Millionen Euro Umsatz nicht erreicht hat, liegt laut Kley daran, dass bei Gerry Weber "Ertrag vor Umsatz geht".

Keine Produktion in Deutschland

Den Ertragssprung begründete Kley mit niedrigen Herstellungskosten. "Wir produzieren in kostengünstigen Gebieten wie Osteuropa und Fernost, zudem verlagern wir die Produktion ständig aus teuren Regionen in günstigere, zum Beispiel von Hongkong in das Landesinnere Chinas", sagte Kley. Das Unternehmen produziere zu 100 Prozent im Ausland, 70 Prozent in Fernost, 15 Prozent in Osteuropa und 15 Prozent in der Türkei.
 
Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf 615 bis 620 Millionen Euro steigen, die Ebit-Marge von 12 auf 13 Prozent.