Die weihnachtliche Geschenkverpackung ist im Handel selbstverständlicher Service - und für die Mitarbeiter mitunter Knochenarbeit. Manche belegen sogar Kurse, um den Kundenansprüchen zu genügen.

Falten, schneiden, kleben und wieder von vorn: "Es ist der alljährliche Wahnsinn", sagt eine Mitarbeiterin bei Douglas in der Kölner Schildergasse. Dabei ist es noch nicht mal Samstagnachmittag oder verkaufsoffener Sonntag.

Es ist Mittagszeit an einem Werktag, und dementsprechend wenig los. Dennoch sind auf drei Etagen jeweils vier Mitarbeiterinnen mit Einpacken beschäftigt. Es gibt sogar Spezialkräfte, die den ganzen Tag nichts anderes machen.

Geschenke einpacken ist der Job zum Fest. Ein Job, für den man viel Stehvermögen braucht, auch im Umgang mit den Kunden. Denn die können recht anspruchsvoll sein und haben am Ergebnis schnell etwas auszusetzen - auch wenn es sich beim Inhalt nur um ein Fläschchen Nagellack für 2,95 Euro handelt und das Verpackungsmaterial am Ende teurer ist als das gekaufte Produkt.

Geschenke verpacken statt Haare schneiden

Die Käufer teurer Cremes und Düfte haben noch höhere Ansprüche. Ihre Geschenke werden mit Schleifen, Bändern, Aufklebern und Flitterkram verziert. Und das will gelernt sein, weiß Maria Centonze (37). Normalerweise arbeitet sie als Friseuse, aber in den Wochen vor Weihnachten wechselt sie hinter die Ladentheke und packt bei Douglas bis zu acht Stunden hintereinander Geschenke ein.

Wobei einpacken nicht bedeutet, einen Artikel rasch in Papier einzuschlagen. Es beginnt schon mit dem Preis-Abknibbeln. Dabei kann man sich schnell die Fingernägel abbrechen. Die Menge des benötigten Papiers will exakt eingeschätzt sein. Dann muss man es abschneiden, ohne dass Fransen entstehen, und anschließend sorgfältig falten. Kante auf Kante, Linie an Linie. Knoten festziehen, Klebestellen minimieren.

Eine Einpackerin, die etwas auf sich hält, benutzt für kleine Pakete nicht mehr als zwei oder drei kleine Tesa-Stückchen. Alles andere sieht behelfsmäßig aus. Runde Artikel sind am schwierigsten zu verpacken, weil man da nicht auf Ecke falten kann.

Douglas ist bekannt für seine Schleifen: groß wie eine Kinderhand und zusammengesetzt aus vielen kleinen Schleifchen. Um die binden zu können, muss man einen Kurs belegen. Douglas-Schleifen sollen überall gleich aussehen, schließlich sind sie ein Markenzeichen. Aber geübte Einpackerinnen können dennoch unterscheiden, wer welche gebunden hat. Jede Kollegin hat ihre eigene Handschrift.

"Wie Meditation"

"Eigentlich ist es eine Arbeit für künstlerisch begabte Menschen", sagt Maria Centonze. "Man muss kreativ sein und kann seine persönliche Note einbringen." Aber Schleifenbinden dauert. Das Verpacken eines einzigen Geschenkgutscheins kann fünf Minuten in Anspruch nehmen. Bei allem, was darüber geht, wird es kritisch. Die Kunden schauen dann demonstrativ auf die Uhr, atmen schwer oder suchen Blickkontakt. Manche fragen auch ganz direkt: "Geht das nicht schneller?"

Maria Centonze hat ein Mittel gefunden, um auch in der größten Hektik noch die Ruhe zu bewahren: Sie kann sich so auf das Einpacken konzentrieren, dass sie die Außenwelt kaum noch wahrnimmt, sagt sie. "Das ist wie Meditation."

Sie hört dann nicht mehr die Weihnachtsmusik, die ohne Unterbrechung aus den Lautsprechern klingt, das Klack-Klack der Stöckelschuhe auf dem Fliesenboden, das Knistern der Folie, das Rascheln der Bänder. Sie riecht nicht mehr die parfümgeschwängerte Luft und hat keine Augen mehr für die lange Reihe von wartenden Kunden.

52 Päckchen pro Stunde

Bei Douglas in der Schildergasse hält gerade eine Kundin den Betrieb auf, weil sie sich nicht für ein Geschenkpapier entscheiden kann. Die Schlange hinter ihr wird länger, die Blicke unfreundlicher. Die Kunden sind gestresst.

Wie viele Geschenke die Einpackerin an einem Tag schafft? "Darüber habe ich noch nie nachgedacht." Aber Aylin, die 14-jährige Schülerpraktikantin, hat mal eine Stunde lang mitgezählt: 52 waren es da. Eigentlich wollte Aylin in der Parfümerie beim Schminken zugucken, aber nun hat sie einen festen Platz beim Verpackungsservice und schon Farbstippen vom Geschenkpapier an den Fingerkuppen.

Männer sind die dankbareren Kunden

Praktikanten werden im Einzelhandel gerne zum Geschenke einpacken verpflichtet. Bei Karstadt in Hanau hatte man in diesem Jahr eine andere Idee. Dort helfen derzeit 20 junge Kraftsportler des städtischen Jugendbildungswerks beim vorweihnachtlichen Packservice.

Karstadt Sport hatte die Sportler 2011 mit Team-Fleecejacken ausgestattet. Im Gegenzug wickeln die jungen Männer nun die Einkäufe der Kunden in blaues Papier und weißes Geschenkband.  

Männer sind für die Einpacker übrigens die angenehmeren Kunden. Sie sind unkomplizierter - auch beim Geschenkekauf. "Die Verpackung ist den Männern meist ziemlich egal", sagt eine Douglas-Mitarbeiterin.

Dennoch ernüchtert die Kundenresonanz das Verpackungspersonal bisweilen. Alle sagen "danke", aber kaum einer sagt "schön". Auf Nachfrage behaupten erstaunlich viele, sie könnten es im Grunde genauso gut, wenn nicht besser.