In London haben die Gespräche zur Zukunft der Warenhauskette Hertie begonnen. Der Insolvenzberater präsentierte heute einen interessierten Schweizer Investor.

An dem Treffen in einer Wirtschaftskanzlei nehmen Vertreter des Haupteigentümers des niederländischen Hertie-Besitzers Mercatoria Acquisitions BV (MABV) sowie Herties vorläufiger Insolvenzverwalter Biner Bähr teil.

Bei den Gesprächen geht es um 58 Immobilien von 73 Filialen, die MABV besitzt und an Hertie verpachtet. Die übrigen 15 Immobilien sind im Besitz anderer Investoren.

Gekündigte Pachtverträge - und nun?

Die Pachtverträge für die 58 Häuser hat MABV am 19. Januar gekündigt, weil Hertie seit Insolvenzbeginn im vergangenen Juli keine Mieten gezahlt hat. Bähr beruft sich zur Begründung auf gesetzliche Vorgaben des deutschen Insolvenzrechtes: Mit einer Mietzahlung würde eine bestimmte Gläubigergruppe gegenüber anderen bevorzugt.

Bähr akzeptierte die meisten Kündigungen. Nach deutschem Recht dürften Mieter im vorläufigen Insolvenzverfahren aber noch längere Zeit in gekündigten Immobilien bleiben. Dieser Punkt ist anscheinend zwischen den Parteien umstritten - unter anderem, weil nicht klar ist, ob deutsches oder britisches Recht gilt.

Der Insolvenzverwalter hat bereits bekanntgegeben, 19 Filialen auf jeden Fall zu schließen. Die Schließungen sind aber noch nicht vollzogen. Die übrigen Hertie- Filialen hätten nur eine Zukunft, wenn der Eigentümer seine Mietforderungen deutlich senke, hatte Bähr erklärt.

Schweizer Investor bekundet Interesse

Ein Investor aus der Schweiz hat nach Angaben des Hertie-Haupteigentümers Interesse bekundet, mit einem Teil der Läden der insolventen Warenhauskette das Geschäft weiterzuführen. Allerdings wolle der Investor nur einsteigen, wenn sich die Einnahmen in den Läden erhöhen ließen und er Unterstützung aus Steuermitteln bekomme, sagte ein Vertreter des Haupteigentümers des Hertie-Besitzers am Freitag  in London.

Die MABV- Vertreter hatten sich zuvor zu Sondierungsgesprächen mit Herties vorläufigem Insolvenzverwalter Biner Bähr getroffen. Dieser habe den Schweizer Investor ins Gespräch gebracht, ohne ihn beim Namen zu nennen.

Vorwürfe des Haupteigentümers

Der Haupteigentümer der seit vergangenem Juli insolventen Warenhauskette Hertie hatte zuvor  Vorwürfe gegen Herties vorläufigen Insolvenzverwalter erhoben:  „Biner Bähr hat sich geweigert, mit uns direkt zu reden, seitdem Hertie insolvent ist", sagte ein Sprecher von Mercatoria Acquisitions in einem Gespräch mit dpa in London.

Bei Hertie arbeiten 3.400 Beschäftigte. Nach Bährs Angaben müsste Ende Februar die gesamte Warenhauskette geschlossen werden, falls mit dem Haupteigentümer und Verpächter keine Einigung erzielt wird.

Der MABV-Sprecher bestritt die Darstellung des vorläufigen Insolvenzverwalters, dass die Vermietung an Hertie zu überhöhten Konditionen erfolgt sei.

Betroffen sind auch Hunderte weitere Einzelhändler wie Essanelle, Apollo-Optik, dm-Drogeriemarkt, Rewe und Karstadt. Sie müssen mit ihren Angestellten umziehen oder neue Pachtverträge mit MABV abschließen. MABV will laut einem Sprecher künftig selbst die Mieten von Untermietern wie Apollo-Optik und dem dm-Drogeriemarkt einnehmen. Bisher fließe das Geld an Hertie.