Die Bundesregierung sieht sich angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen gezwungen, Reformen anzugehen. Neue Technologien und der Wegfall gesetzlicher Schranken könnten Kosten senken und die Qualität von Dienstleistungen steigern.

E-Health scheint in den Fokus der Verantwortlichen im Gesundheitswesen zu rücken. Am Mittwoch haben sich 31 Ersatz- und Betriebskrankenkassen zu der "Initiative für den Arzneimittelversandhandel" zusammengeschlossen, um dem Online-Vertrieb von Medikamenten den Weg ebnen (CYbiz berichtete am 8.11.2001). Die Bundesregierung sieht sich angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen gezwungen, Reformen anzugehen.

Ersten Prognosen zufolge floriert E-Business im Medizinbereich schon heute: Bis 2004 sollen nach Experteneinschätzung 8% des Branchenumsatzes online erwirtschaftet werden. Der Marktdurchbruch von E-Health in Deutschland wird in drei bis fünf Jahren erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Mummert + Partner Unternehmensberatung und der Zukunftsforscher von Z_punkt.

Das Marktpotenzial von E-Health wird in der Studie als hoch eingeschätzt: Für fast alle Deutschen - 87% laut Umfragen - hat Gesundheit einen sehr hohen Stellenwert. Somit werden Neuerungen auf dem Markt gute Chancen gegeben. Als Beispiel hierfür wird die diagnostische Fernüberwachung genannt: Via Handy wird bei kritischen EKG-Werten automatisch der Arzt gerufen.

Auch die Verwaltung wird sich laut Studie die neuen Technologien zu eigen machen: Bei 90% der Krankenhäuser steht die elektronische Krankenakte - eine multimediale Patientendokumentation - auf der Bedarfsliste für die nächsten zehn Jahre. Mummert + Partner und Z_punkt gehen davon aus, dass die Investitionen hierfür bis 2002 auf 190 Mio. DM ansteigen und am Ende des Jahrzehnts die Milliardengrenze erreichen werden.

E-Health soll zur Kostensenkung beitragen und die Qualität der Leistungen für Patienten fördern. Krankenhäuser könnten ihren Bedarf bei Online-Anbietern bis zu 40% günstiger decken als auf normalen Vertriebswegen. Das eingesparte Geld wiederum könnte in das Dienstleistungsangebot der Krankenhäuser investiert werden. Viele der neuen Dienstleistungen richten sich an aktive Patienten, die sich per Online-Service schon vorab im Internet auf den Arztbesuch vorbereiten. Pillen per Online-Kurier und keine Schlangen im Wartezimmer mehr - so illustriert die Studie das Gesundheitswesen der Zukunft. Laut Studie birgt der Handel zwischen Unternehmen (B2B) die größten Einsparmöglichkeiten.

Als Bremse für die elektronische Gesundheit stuft die Studie das Fehlen eindeutiger rechtlicher Regulierungen ein. Der Internethandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten ist in Deutschland verboten. Trotzdem belieferten Anbieter aus Nachbarländern, wie die niederländische Web-Apotheke "0800DocMorris", auch die Bundesrepublik mit günstigen Medikamenten. Deutsche Gerichte blockieren diesen Versandhandel inzwischen. Doch die Umstellung im Gesundheitswesen hat begonnen: Ende September hat sich das Bundesgesundheitsministerium dafür ausgesprochen, den Versandhandel mit Medikamenten freizugeben. (ST)


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