Die Marktforscher der GfK erwarten in 2010 eine Stagnation beim privaten Konsum. Eine schwere Jobkrise sei nicht zu befürchten, meinen die Chefvolkswirte deutscher Großbanken.

Der private Konsum wird nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im kommenden Jahr stagnieren. "Wir gehen davon aus, dass es keinen Zuwachs geben wird", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur dpa in Nürnberg.

"Für das Konsumklima wird 2010 ein schwierigeres Jahr werden als 2009." Dies liege vor allem daran, dass die Arbeitslosigkeit deutlich zunehmen werde. "Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist eine wichtige Größe für die Verbraucherstimmung."

Robustes Konsumklima trotz Krise

Im laufenden Jahr weist der private Konsum nach Bürkls Angaben dagegen noch ein leichtes Plus auf und zeigt sich damit als wesentliche Stütze der Konjunktur. Trotz der schwersten Rezession seit Jahrzehnten habe sich das Konsumklima 2009 stabil entwickelt und sogar leicht steigende Tendenz gezeigt.

"Das Niveau war im langjährigen Vergleich zwar nicht berauschend", schränkte der Konsumforscher ein. Aber angesichts der Wirtschaftskrise wäre eher ein Rückgang zu erwarten gewesen. Stabilisierend hätten sich die geringe Inflation und der noch robuste Arbeitsmarkt ausgewirkt. Im November kühlte sich die von der GfK regelmäßig erhobene Verbraucherstimmung allerdings leicht ab.

Positiv bewertete Bürkl in diesem Zusammenhang das Vorhaben der Bundesregierung, das Kurzarbeitergeld zu verlängern. "Das ist psychologisch ein gutes Signal", sagte er. Allerdings könnten die Unternehmen bei mangelnder Auslastung nicht endlos Kurzarbeit fahren.

Volkswirte der deutschen Großbanken sehen keine Jobkrise

Laut einer Umfrage der dpa-Agentur unter den Chefvolkswirten deutscher Großbanken droht Deutschland nach neusten Prognosen 2010 allerdings keine schwere Jobkrise. Zwar werde die Arbeitslosigkeit in der ersten Jahreshälfte teils kräftig ansteigen. Der nach dem Ausbruch der Finanzkrise befürchtete massive Einbruch auf dem Stellenmarkt werde aber wohl nicht eintreten, so die Ökonomen. Sie korrigierten damit ihre früheren, weitaus pessimistischeren Prognosen.

Zur Begründung wiesen die Volkswirte auf die Beschäftigungspläne und die gute Auftragslage vieler Unternehmen hin. Die meisten Firmenchefs scheuten vor Entlassungen zurück, weil sie beim Wiederanspringen der Konjunktur einen Fachkräftemangel befürchteten. Auch habe die ausgeweitete Kurzarbeiterregelung vielen Unternehmen ermöglicht, Auftragsflauten ohne Entlassungen zu überbrücken.

Keine dramatische Lage auf dem Arbeitsmarkt

Entsprechend undramatisch stellt sich die Arbeitsmarktlage rund ein Jahr nach dem Beginn der Finanzkrise dar. Nach Berechnungen der Experten ist die Zahl der Erwerbslosen im November nur um knapp 10.000 auf rund 3,33 Millionen gestiegen; dies entspricht etwa der Vorjahresentwicklung. Dies wären rund 230.000 mehr Jobsucher als vor einem Jahr. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit
(BA) am kommenden Dienstag (1. Dezember) bekanntgeben.

Niedriges Zinsniveau beflügelt Weihnachtsgeschäft

Für das Weihnachtsgeschäft ist der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl  "vorsichtig optimistisch". Die Konsumlaune sei stabil, und die meisten Unternehmen zahlten das Weihnachtsgeld ohne Kürzungen aus. Hinzu komme, dass das Sparen derzeit wegen der niedrigen Zinsen auch nicht besonders attraktiv sei.

"Viele Anleger vertrauen außerdem dem Finanzmarkt noch nicht wieder", fügte Bürkl hinzu. Deshalb sei es durchaus wahrscheinlich, dass vorhandenes Geld für Anschaffungen hergenommen werde. Im Weihnachtsgeschäft werden nach Bürkls Einschätzung besonders Branchen wie Unterhaltungselektronik und Spielwaren davon profitieren.

Die von der Bundesregierung angekündigten Steuerentlastungen werden nach Ansicht des GfK-Experten die Konsumstimmung 2010 zunächst etwas beflügeln. "Das ist ein gutes Zeichen gerade für Familien", sagte er. Langfristig werde sich eine überbordende Verschuldung aber nachteilig auf die Konsumenten auswirken. "Hohe Zinsen und nachlassende Investitionen wirken sich auf den Arbeitsmarkt aus und schlagen zurück auf die Beschäftigten."