Noch geben die Deutschen ihr Geld lieber aus, als es zu sparen. Doch die große Kauflust herrscht nicht mehr. Immerhin wird der Einzelhandel eine lukrative Weihnachtssaison erleben, sagt die GfK.

Gute Nachrichten für den Einzelhandel. Denn die GfK sagt ein ordentliches Weihnachtsgeschäft vorher. "Es wird um einiges besser werden", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl der Nachrichtenagentur dpa. Der lockere Griff zum Portemonnaie beruhe auf zwei Effekten: "Die wesentlichen Gründe sind ganz klar der stabile Arbeitsmarkt, die gute Einkommensentwicklung, eine niedrige Sparneigung (...) und niedrige Zinsen, die die Geldanlage nicht sehr attraktiv machen." Hinzu komme eine "Flucht in Sachwert".

Allerdings prognostizieren die Konsumforscher für den Gesamtindikator für privaten Konsum im Dezember einen Wert von 5,9 Punkten nach revidiert 6,1 Zählern im November. Das deutet auf sinkende Kauflaune bei den Verbrauchern hin.

Was wird gekauft? Bücher, Krawatten, Schmuck

Doch Konsumforscher Bürkl betont, dass wegen der dauerhaft niedrigen Zinsen und der Furcht vor einem Stabilitätsverlust des Euro würden viele Menschen ihr Geld seit längerem lieber in werthaltige Anschaffungen investieren als zur Bank zu tragen.

Dies werde sich auch deutlich im Weihnachtsgeschäft zeigen: Nach einer GfK-Studie wollen die Deutschen in diesem Jahr nicht nur Klassiker wie Bücher, Krawatten und CDs verschenken, sondern auch auffällig viele Uhren und Schmuck. "Statt Goldbarren kauft man sich Goldschmuck, den man auch noch nutzen kann", sagte Bürkl. Auch bei Möbeln und Küchen seien in den kommenden Wochen Zuwächse zu erwarten.

Für das kommende Jahr prognostizierte Bürkl: "Wenn wir keine Katastrophen und Einbrüche auf dem Arbeitsmarkt erleben, sind die Chancen sehr gut, dass sich das Konsumklima auch im weiteren stabil entwickeln kann."

"Kein großer Konsumrausch"

Allgemein werde erwartet, dass der Arbeitsmarkt gut durch den Winter kommt, der Boom der vergangenen Jahre nun aber zu Ende ist. "Ich gehe deshalb eher von einer stabilen Seitwärtsbewegung aus, möglicherweise mit ein bisschen Potenzial nach oben - aber ich glaube nicht, dass wir einen großen Konsumrausch erleben werden", betonte Bürkl.

Sollten allerdings mehrere größere Unternehmen laut über Entlassungen nachdenken oder ihre Belegschaft tatsächlich reduzieren, könne die Stimmung der Verbraucher schnell kippen, warnte Bürkl. "Es gibt diesen psychologischen Effekt, dass dann die Angst vor Arbeitslosigkeit auch bei den Beschäftigten wieder zu steigen beginnt. Und das ist erfahrungsgemäß immer eine Konsumbremse."

Keine Angst vor Rezession

Insgesamt haben die Verbraucher haben trotz ungünstiger Vorzeichen optimistische Konjunkturerwartungen, hat die GfK in ihrer Konsumklimastudie für November ermittelt. Der entsprechende Indikator verbessert sich demnach sogar zum dritten Mal in Folge leicht. Aktuell steht ein Plus von 1,2 Punkten zu Buche, so dass der Indikator nun  minus 14,6 Zähler aufweist.

Die Deutschen haben auch keine Angst mehr vor einer Rezession - obwohl die Signale aus der Wirtschaft nicht ermutigend sind. Nach den ersten Angaben des Statistischen Bundesamtes hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal dieses Jahres nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zugenommen. Und die weiteren Aussichten für die beiden folgenden Quartale sind nach Einschätzung der Experten nicht viel besser. Das BIP wird stagnieren oder sogar leicht zurückgehen.

Einkommenserwartung sinkt

Dieser Trend wird auch bei den Verbrauchern mit Sorge wahrgenommen. Nachdem der Indikator für Einkommenserwartung im Oktober angestiegen war, ging er im November laut GfK zurück. Mit einem Minus von 12,1 Punkten fallen die Verluste doppelt so hoch aus wie die Zuwächse aus dem Vormonat. Aktuell weist der Indikator 17,8 Zähler auf. Damit hat sich der Abwärtstrend wieder etwas verstärkt. Allerdings liegt die Einkommensstimmung noch immer klar über dem langjährigen Durchschnittswert von 0 Punkten.

Im Gegensatz zur schwächelnden Einkommenserwartung ist die Konsumneigung hingegen weiterhin sehr hoch. Der Indikator für die Anschaffungsneigung muss freilich im November, wohl auch als Folge der deutlichen Verluste der Einkommensaussichten, Verluste in Höhe von 4,5 Punkten hinnehmen.

Dennoch bleibt das Niveau des Indikators mit 29,4 Zählern nach wie vor sehr hoch und bewegt sich seit mehr als zwei Jahren konstant in einem Korridor zwischen etwa 30 und 40 Punkten.

Keine Lust auf Sparen

Nach wie vor geben die Verbraucher ihr Geld lieber für Konsum aus, als zu sparen. Das sehr niedrige Zinsniveau sowie die Verunsicherung durch die europäische Schuldenkrise seien keine guten Voraussetzungen, Spareinlagen zu bilden, begründet die GfK dieses konsumfreudige Verhalten.