Alle reden von der Wirtschaftskrise - nur die GfK nicht. Für das erste Halbjahr 2009 erwarten die Marktforscher ein Wachstum beim privaten Konsum, erst im kommenden Jahr geht es bergab.

"Die Krise ist beim Verbraucher noch nicht angekommen", sagte GfK-Chef Professor Dr. Klaus Wübbenhorst an diesem Montag auf einer Pressekonferenz des Marktforschungsunternehmens in Nürnberg. "Das Thema Arbeitslosigkeit wird den Verbraucher und damit den Konsum voraussichtlich erst Ende des Jahres 2009 erreichen."

Die Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) prognostiziert für den privaten Konsum in diesem Jahr daher ein Wachstum von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Die Binnenkonjunktur wird in diesem Jahr ein Stützpfeiler der deutschen Wirtschaft", so Wübbenhorst. Für den Einzelhandel erwartet die GfK ein realen Umsatzzuwachs "zwischen "0,5 und 0,6 Prozent".

Sinkende Preise, gute Tarifabschlüsse, niedrige Arbeitslosenzahlen

Ursache für die positive Entwicklung seien vor allem die gesunkenen Energie- und Lebensmittelpreise, die günstigen Tarifabschlüsse des Jahres 2008 und die Tatsache, dass die Krise sich noch nicht vollends auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen habe. "Spätestens im Jahr 2010, wenn der Abschwung den Arbeitsmarkt erfasst hat, werden auch Kaufkraft und Konsumverhalten deutlichere Einbußen hinnehmen", so der Marktforscher.

Ein Rückblick auf die vergangene Rezessionsphase in den Jahren 2002/03 zeige deutlich, dass sich die Polarisierung von Gesellschaft und Konsum in der Krise beschleunige. "Es gibt nicht das eine Konsumverhalten", sagt GfK-Experte Rolf Bürkl. "Bevölkerungsschichten, Branchen und selbst Warengruppen sind ganz unterschiedlich von der Krise betroffen".

Genrell ließen sich jedoch aus den Jahren 2002/2003 einige Schlüssel auf das Konsumverhalten der Verbraucher in schwierigen konjunkturellen Zeiten ziehen. "Wenn schon kein neuer Kühlschrank, dann soll der alte wenigstens voll sein", bringt Wolfgang Twardawa, Division Manager bei der GfK Panel Consumer Deutschland die Stimmung der verunischerten Konsumenten auf den Punkt. Der Non-Food-Sektor sei in Krisen deutlich mehr von der sinkenden Nachfrage betroffen, als der Lebensmittelhandel. Rund 10 Prozent habe dieser Branchensektor in der vergangenen Rezession an Umsatz eingebüßt.

Gewinner: Lebensmittel - Verlierer: Non-Food

Für den Lebensmittelhandel prognostiziert Twardawa demgegenüber ein überdurchschnittliches Wachstum von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Non-Food-Handel müsse in 2009 voraussichtlich ein Minus von zwei Prozent verkraften. "Der stationäre Handel - etwa die Warenhäuser - wird davon noch härter betroffen, da der Online-Handel weiter zulegen wird und sich von dem kleiner werdenden Kuchen ein größeres Stück herausschneidet."

Um den Lebensstandard auch in Krisenzeiten aufrecht zu erhalten, reagiere der Verbraucher mit den immer gleichen  Ausweichstrategien wie Verzicht, Aufschub von Anschaffungen oder Umschichtungen innerhalb von Warengruppen, Sortimenten, Marken, Einkaufs- und Verzehrstätten.

Cocooning-Trend: Edeka statt Ibiza

Die GfK-Experten erwarten einen "Cocooning"-Trend, der zur Verlagerung von Aktivitäten in die eigenen vier Wände führe und von dem der Lebensmittelhandel, die Möbel- und Spielwarenbranche und auch die deutschen Tourismusziele profitieren könnten. "Es heißt für die Verbraucher künftig Edeka statt Ibiza", fasst Twardawa zusammen. "Der Urlaub wird wieder im Inland gebucht, die teure Auslandsreise ist gestrichen."

46 Prozent der Haushalte sind "krisenresident"

Grundsätzlich sind nach Auffassung der GfK beim Konsumverhalten rund 8,2 Millionen Haushalte (21 Prozent) in Deutschland "krisengefährdet", da sie von Arbeitslosigkeit oder Hartz IV betroffen seien. Beim Konsum dieser Gruppe regiere allein der Geldbeutel.

Weitere 12,9 Millionen (33 Prozent) leben in "finanziell angespannter Situation mit relativ sicherem Arbeitsplatz ", diese Konsumenten behalte ihr Einkaufsverhalten grundsätzlich bei, versuche aber "clever" einzukaufen. "Handelsmarken und Discounter profitieren von diesem Verhalten", erläutert GfK-Forscher Twardawa.

Immerhin gut 18 Millionen Haushalte (46 Prozent) seien aufgrund gesicherter Einkommensverhältnisse "krisenresident". Diese Gruppe setzt sich zusammen aus Beziehern höherer Einkommen mit sicherem Arbeitsplatz, gut situierten Rentnern oder Beamten und ändere ihr Einkaufsverhalten generell nicht. "Auch in der letzten Rezession 2002/03 blieben daher die Umsätze mit Premiummarken stabil", so Twardawa.

Preisschlacht der Discounter erwartet

Um die Binnennachfrage zu stärken forderte GfK-Vorstandsvorsitzender Wübbenhorst erneut die Abschaffung des Solidarzuschlags sowie ein "Überdenken der kalten Progression, damit die Verbraucher mehr Netto vom Butto erhalten."

In den kommenden Monaten erwartet Wübbenhorst im deutschen Lebensmittelhandel eine weitere Verschärfung der aktuellen Preisschlachten: "Die Industrie fährt in der Krise die Werbung zurück, die Discounter stellen dagegen ihre Preise heraus und werden die Werbung noch weiter forcieren". Insbesondere da die Edeka-Gruppe in den nächsten Monaten die Plus-Märkte zu Netto-Discountern umwandeln wird, sei mit einer weiteren Marketingkampagnen in der Branche zu rechnen.