Trotz Wirtschaftskrise - die Verbraucher sind weiterhin in Kauflaune. Das könnte sich aber ändern, wenn die Arbeitslosigkeit steigt, fürchtet die GfK Marktforschung.

Die Stimmung der Verbraucher sei nach leichten Einbußen im Vormonat auch im April stabil geblieben, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK heute in Nürnberg mit. Die Kauflaune sei weiterhin überdurchschnittlich gut. Neben der niedrigen Inflation regten auch Anreize wie die Abwrackprämie die Verbraucher zum Konsum an. Der Gesamtindikator für das Konsumklima liegt für April und bei bei 2,5 Punkten. Im Februar lag er noch bei 2,3 Punkten.

"Die Konsumenten trotzen nach wie vor den negativen Meldungen über Einbrüche bei Auftragseingängen und Produktion", schreibt die GfK. Jedoch werde die Binnennachfrage die drastischen Rückgänge bei Export und Investitionen allenfalls etwas abfedern - aber bei weitem nicht kompensieren können.

Konstante Kaufneigung

Die größte Gefahr droht dem Konsumklima nach Ansicht der GfK vom Arbeitsmarkt. Wenn die Kurzarbeit ausgereizt sei, ehe es zu einer konjunkturellen Trendwende komme, werde es weitere Entlassungen geben. Dies würde das Konsumklima schwer belasten.

Derzeit profitiert die Konsumlaune nach GfK-Angaben vor allem von der niedrigen Inflationsrate, die in erster Linie auf sinkende Preise bei Energie und einigen Nahrungsmitteln zurückzuführen sei. "Dies stärkt die Kaufkraft der Konsumenten", hieß es. Auch die Rentenerhöhung habe stabilisierende Wirkung. Neben der moderaten Preisentwicklung sorgten zudem die finanziellen Anreize aus dem zweiten Konjunkturpaket für eine konstante Kaufneigung. "Die Krise ist bei den Verbrauchern noch nicht angekommen", hatte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst bereits im Februar gesagt.

"Unternehmen brauchen steuerliche Entlastungen

Heute mahnt Wübbenhorst die Politiker, das zweite Konjunkturpaket schneller umzusetzen. "Das Geld muss schnellstmöglich in den Wirtschaftskreislauf kommen und für Investitionen in Bildung oder Infrastruktur verwendet werden", sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es dürfe nicht sein, "dass monatelang die Mühlen der Bürokratie mahlen".


Die zügige Umsetzung sei wichtiger als eine Diskussion über ein drittes Konjunkturpaket. Wübbenhorst mahnte zugleich weitere politische Maßnahmen an. "Die Unternehmen brauchen steuerliche Entlastungen", sagte er. Die Zinsschranke etwa koste die Firmen Geld und könne auf diese Weise indirekt Arbeitsplätze gefährden.

Die Zinsschranke beschränkt die Abziehbarkeit von Zinsaufwendungen und soll damit verhindern, dass über konzerninterne Finanzkonstrukte Gewinne künstlich ins steuergünstigere Ausland verlagert werden. Wübbenhorst sprach sich auch für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags aus. "Der Soli gehört weg", sagte der GfK-Chef.

Angenehmes Preisklima

Die Nürnberger Forscher haben festgestellt, dass die Anschaffungsneigung der Verbraucher bislang nahezu ungebrochen geblieben sei. Zwar verzeichnet der entsprechende Indikator ein Minus von 1,5 Punkten. Mit dem aktuellen Wert von 12,4 Zählern liegt er jedoch gut 17 Punkte höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Die GfK lobt die das angenehme Preisklima in der Bundesrepublik. So betrug die Inflationsrate im März dieses Jahres nur noch 0,5 Prozent, was in erster Linie auf rückläufige Preise bei Energie und einigen Nahrungsmitteln zurückzuführen ist.

Verbraucher vor der Belastungsprobe

Allerdings dürften die Prognosen im aktuellen Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute, die unter anderem mit einer Schrumpfung der deutschen Wirtschaft um sechs Prozent im Jahr 2009 rechnen, in den kommenden Monaten zu einer Belastungsprobe für die Verbraucherstimmung führen, vermutet die GfK.

Die Nürnberger Daten wurden vor den jüngsten Prognosen der  Wirtschaftsforschungsinstitute ermittelt, die einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um sechs Prozent vorhersagen.