Globetrotter Ausrüstung eröffnet in Frankfurt am Main seine achte Filiale. Mit aufwändigem Ladenbau zeigt der Outdoor-Spezialist abermals, wie man Kunde heute in den Laden lockt, verzichtet aber auf spektakulären Klamauk.

Unmittelbar gegenüber der Großbaustelle, an der im Frankfurter Osten derzeit der neue Sitz der Europäische Zentralbank an der Stelle der ehemaligen Großmarkthalle entsteht, eröffnet der Outdoor-Spezialist Globetrotter am heutigen Samstag seine achte Filiale.

"Wir wollen hier die Oase im Großstadtdschungel sein", sagt Thomas Lipke, Geschäftsführender Gesellschafter von Globetrotter Ausrüstung, in Anspielung auf den großzügigen Lichthof in der Mitte des fünfgeschossigen Gebäudes, der mit Bäumen ausgeschmückt wurde, die eigens aus Südafrika angeliefert wurde.

München, Dresden, Frankfurt a.M. - Globetrotter auf Expansionskurs

Vor exakt einem Jahr eröffnete das Hamburger Unternehmen in München ein neues Geschäft, im Herbst vergangenen Jahres ging eine neue Filiale in Dresden an den Start. Der Multichannel-Händler ist auf Expansionskurs und zeigt mir edlen Materialien und anspruchsvoller Architektur, wie stationärer Verkauf der virtuellen Konkurrenz die Stirn bieten kann.

In Frankfurt gehören eine Kältekammer, ein 40 Meter lange Schuhwand, eine Kletterwand, eine Reisearztpraxis und ein begehbarer Glasboden zu diesen Highlights. Und in der Goldwaschanlage, in der Kinder zum Zeitvertreib nach Edelmetall schürfen dürfen, wird vielleicht auch mal der ein oder andere Mitarbeiter der bald benachbarten Zentralbank gesichtet. Eine große Freifläche im Erdgeschoss steht für Events und Abendveranstaltungen zur Verfügung.

Die großen Highlights, wie man sie aus den Filialen in München, Köln oder Dresden von Globetrotter kennt, sucht man in Frankfurt allerdings vergeblich. Für eine Gegenstromanlage für den Kanutest oder eine riesige Kletterwand fehlt auf den 4.150 Quadratmetern Verkaufsfläche der Platz.

Insgesamt 25.000 Artikel von rund 700 Herstellern präsentiert Globetrotter auf den fünf Etagen. Eine 160 Quadratmeter große Sonderfläche im Erdgeschoss ist dem schwedischen Markehersteller Fjällräven gewidmet - ungewöhnlich für die Hamburger, die Markenshops ansonsten keinen Raum bieten, sondern die Warenpräsentationen streng nach Sortimenten und Einsatzgebiet strukturieren.

"Die Luft wird dünner im Outdoor-Markt"

Im Geschäftsjahr 2011/12 (Stichtag: 29.2.) erlöste der Outdoor-Ausstatter 250 Millionen Euro, nach 200 Millionen Euro im Vorjahr. "Die Luft wird dünner, wie man in der Bergsteigersprache sagt", räumt Lipke allerdings ein und zitiert damit die Titelzeile eines Branchenportraits, das jüngst in der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" erschien. Im mittlerweile hart umkämpften Outdoor- und Sportartikelmarkt müsse man immer mehr Aufwand für kleine Umsatzzugewinne betreiben, bestätigt der Globetrotter-Chef, die Kernaussage des Artikels.

Von einer Kannibalisierung der Umsätze zwischen dem Katalog-, Internet- und stationären Geschäft bei Globetrotter will der Geschäftsführende Gesellschafter, der auch Präsident im Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) ist, allerdings nicht sprechen. "Wir haben auf allen Verkaufskanälen die gleichen Sortimente und Preise. Unsere Verkäufer arbeiten nicht auf Provisionsbasis", erläutert Lipke. "Wenn der Kunde nach fünf aufgebauten Zelten sagt, ich bestelle das im Internet, gibt es bei uns keine Tränen auf der Fläche".

Kaum 800 Meter vom neuen Standort entfernt befindet sich die alte Filiale von Globetrotter in der ehemaligen Polizeireithalle der Bankmetropole. Hier soll demnächst in einem Outlet-Store "schwer vermittelbare Ware eine zweite Chance erhalten", wie Lipke mit einem hanseatischen Schmunzeln formuliert. Retouren aus dem Internet- und Kataloggeschäft sowie Produkte, die wie Blei in den Regalen liegen, wird man hier künftig auf 1.400 Quadratmetern VK-Fläche finden.

Das Frankfurter-Ostend gilt aufgrund des EZB-Neubaus als ein Viertel mit Perspektive. Unweit der neuen Globetrotter-Filiale ist auf dem Honsell-Dreieck ein Shoppingcenter geplant und zahlreiche weitere Entwicklungsprojekte stehen noch an. Ungeachtet dieser Zukunftsaussichten zählt Globetrotter aber auch in anderen Städten zu einem Handelsunternehmen, das sich seine Lage selber macht.

Hanno Bender

Eine Bildergalerie zur neunen Globetrotter-Filiale im Frankfurter-Ostend finden Sie hier.

Lesen Sie in der kommenden März-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel wie der Multichannel-Spezialist Globetrotter über die aktuellen Herausforderungen in der Handelsbranche denkt. Thomas Lipke diskutierte im Round-Table-Gespräch von Der Handel mit Dr. Jörg Ehmer (Electronic Partner EP), Thomas Storck (Galeria Kaufhof), Stefan Genth (HDE), Dr. Klaus Behrenbeck (McKinsey & Company) über die Zukunft des Handels. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.