Der Rückzug von Gilde Handwerk ist für Karstadt nur das halbe Glück. Weil ein zweiter Gläubiger seine Beschwerde gegen den Insolvenzplan aufrecht hält, fürchtet Insolvenzverwalter Görg, dass sich das Verfahren "wochenlang hinzieht".

Die an diesem Freitag geplante Übergabe der insolventen Warenhauskette Karstadt an den Investor Nicolas Berggruen ist weiter in Gefahr. Nach der Rücknahme der Beschwerde des Bocholter Geschenkartikelherstellers Gilde Handwerk gegen den Insolvenzplan bleibt der Widerspruch des britischen Unternehmens Dawnay Day weiterbestehen.

"Damit Karstadt Ende dieser Woche vollständig aus der Insolvenz entlassen werden kann, müssten jedoch die beiden Gläubiger ihre Beschwerden zurücknehmen", schrieb Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Mittwoch in einem Brief an die 25.000 Warenhaus-Mitarbeiter, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Dawnay Day ist der schwerere Fall

Die Widersprüche der Karstadt-Gläubiger waren zuvor beim Essener Amtsgericht ohne Erfolg geblieben. Der Fall wurde jedoch dem Landgericht vorgelegt. Danach könnte ein Beschwerdeführer noch den Bundesgerichtshof anrufen. Der Rechtsweg könne sich "wochenlang hinziehen", so Görg.

Die Gespräche mit dem zweiten Beschwerdeführer Dawnay Day seien aufwendiger, betont der Insolvenzverwalter. Mit Vertretern des Unternehmens sei in der Nacht zum Mittwoch verhandelt worden, ohne dass ein Ergebnis erzielt worden wäre, berichtete der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz. Nur wenn beide Unternehmen ihre Widersprüche gegen den Insolvenzplan zurückziehen, könnte die Warenhauskette wie geplant am kommenden Freitag (1. Oktober) an den Investor Berggruen übergeben werden.

Falls auch nur einer der Gläubiger weiter die Gerichte beschäftigt, könnte die geplante Übergabe auf unbestimmte Zeit blockiert sein. Görg hatte den Beschwerden in dieser Woche in einem Brief an die rund 25.000 Karstadt-Mitarbeiter "keinerlei Aussicht auf Erfolg" bescheinigt. Leider könne aber niemand den beiden Gläubigern das juristische Vorgehen untersagen, so Görg.

Brief an Berggruen angeblich nie angekommen

Der Geschäftsführer von Gilde aus dem Münsterland, Hamid Yazdtschi, hat am Dienstagabend mit Investor Berggruen in San Francisco telefoniert. Dabei habe Yazdtschi auf Missstände in der Insolvenzabwicklung hingewiesen, berichtet ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Berggruen habe sich anschließend für die "konstruktiven Hinweise" auch im Namen der Karstadt-Mitarbeiter bedankt, hieß es. Gilde hatte bereits am Dienstagnachmittag, Stunden vor dem Gespräch mit Berggruen, beschlossen, die Beschwerde zurückzuziehen. Der öffentliche Druck sei zu groß geworden, hieß es.

Gilde Handwerk hatte bereits im April, im August und im September das Essener Amtsgericht auf vermeintliche Unstimmigkeiten im Karstadt-Insolvenzvertrag hingewiesen. Entsprechende Schreiben liegen derhandel.de vor. Auch an Berggruen habe Gilde einen Brief mit den Kritikpunkten geschickt, versichert Wilhelm Seggewiß, kaufmännischer Leiter des Unternehmens. Bei der Telefonkonferenz am Dienstagabend sei herausgekommen, dass der Investor diesen Brief nie erhalten habe.