Neue Beteiligung, frisches Geld, neue Unternehmensstruktur: Mit dem Einstieg von Afinum ändert sich bei Görtz viel. Die Schuhkette setzt auf Multichannel, will 2014 beim Umsatz zulegen und künftig einen Familienfremden den Verwaltungsrat führen lassen.

Dass die Geschicke von Görtz jemals von einem Investor mitbestimmt werden, hätte sich vor einigen Jahren niemand ausmalen können. Aber auch für den Hamburger Schuhhandelsfilialisten sind die Zeiten härter geworden, es ging zuletzt mehr zurück als nach vorn.

Mittlerweile hält die Münchner Beteiligungsgesellschaft Afinum 40 Prozent des Traditionsunternehmens, aber Ludwig Görtz, Vorsitzender des Verwaltungsrats hat damit überhaupt kein Problem. "Der Einstieg von Afinum bedeutet für unser Unternehmen eine erhebliche Finanzspritze und steht für die Vorwärtsstrategie, mit der wir Görtz nach der Sanierungsphase jetzt wieder voranbringen wollen", sagte der 79 Jahre alte Unternehmensinhaber dem "Hamburger Abendblatt". Afinum habe sich keineswegs eine Stimmenmehrheit im Verwaltungsrat gesichert, betonte Ludwig Görtz, sondern stelle zwei der sechs Mitglieder dieses Gremiums.

Kein Konkurrent zu Amazon und Zalando

Die Hamburger Schuhkette versteht sich nicht als Konkurrent zu den Online-Größen Amazon und Zalando. "Die Basis unseres Geschäftsmodells ist unser nationales Filialnetz, das wir noch enger mit unsere erfolgreichen Onlinekanal verzahnen wollen", sagte Geschäftsführer Christian Moritz ebenfalls dem "Hamburger Abendblatt".

Für die Modernisierung des Unternehmens würden mehrere Millionen Euro benötigt, etwa um die IT-Infrastruktur zu verbessern oder für modernen Ladenbau. Die Hälfte der rund 75 Filialen der modischen Linie Görtz 17 soll laut Moritz noch mehr auf modische, hochwertige Ware ausgerichtet werden. "Die andere Hälfte wird in Geschäfte mit normalem Görtz-Sortiment umgewandelt."

Noch zwei, drei kleine Filialen stehen vor dem Aus

Nachdem das deutsche Filialnetz bereinigt und die Schweizer Tochter Pasito-Fricker verkauft wurde, sind von einst 240 Standorten nur noch 170 geblieben. Laut Moritz können in diesem Jahr noch zwei, drei kleine Filialen geschlossen werden. "Aber dann sind wir mit diesen Maßnahmen durch." Die jüngst eröffneten Häuser in Lübeck und Würzburg würden sich gut entwickeln, betonte der Geschäftsführer.

Wirtschaftlich sieht Moritz das Traditionsunternehmen im Aufwind. "Operativ sind wir schon im vergangenen Jahr wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Es geht wieder aufwärts. 2014 wollen wir dies auch beim Gesamtergebnis des Unternehmens schaffen." In den ersten 17 Wochen dieses Jahres habe Görtz auf vergleichbarer Fläche im zweistelligen Prozentbereich zugelegt. "Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem Umsatzplus von fünf Prozent", lautet Moritz' Kalkulation.

In absoluten Zahlen habe Görtz im vergangenen Jahr einen Umsatz von 365 Millionen Euro erzielt, abzüglich der Erlöse aus der Schweiz, waren es etwa 320 Millionen Euro. "Im Vergleich zu dieser Summe werden wir etwa um fünf Prozent zulegen", betonte Moritz.

Ausstieg aus dem Tarifsystem

Ludwig Görtz wies zurück, dass bei der Sanierung des Unternehmens die Mitarbeiter durch Gehaltsverzicht einen Gesamtbeitrag in Höhe von 12 Millionen Euro geleistet hätten. "Diese Summe kann ich nicht nachvollziehen." Freilich verteidigte der Verwaltungsratsvorsitzende die Entscheidung, bestimmte erfolgabhänige Tantiemen an Mitarbeiter nicht ausgezahlt, sowie Lohnerhöhungen im Einzelhandel nicht in vollem Umfang an die Beschäftigten weitergegeben zu haben.

Den Austritt aus der Tarifgemeinschaft des Hamburger Einzelhandelsverbands begründete Ludwig Görtz nicht mit Sparmaßnahmen, sondern damit, dass kaum noch Unternehmen der Hansestadt tarifgebunden seien. "Wir hielten es für sinnvoller, einen eigenen Haustarifvertrag auszuhandeln", sagte der Verwaltungsratschef, der offenbar nicht mehr lange diesen Posten innehaben will.  "Ich klebe nicht an meinem Stuhl", betonte der 79 Jahre alte Urenkel des Unternehmensgründers Johann Ludwig Görtz. Seinen Job soll aber keineswegs ein Familienmitglied übernehmen, "stattdessen ein familienfremder, aber erfahrener Manager".