Lidl arbeitet am Image, dass billige Lebensmittel den Genuss nicht ausschließen müssen. Dafür geben drei deutsche Spitzenköche ihre guten Namen als Botschafter her und werben für ihr Handwerk.

Es ist Dieter Müller anzumerken, dass er mit sich schwer ringen musste, um diese Offerte anzunehmen. Mit seiner Frau und Freunden habe er sich lange besprochen, sagt er. "Man macht sich schon seine Gedanken." So, wie damals, als er sich dazu breitschlagen ließ, um mit seinen Kindern zu McDonalds zu gehen. "Und das war grausam."

Nun hat sich Müller ausgerechnet mit Lidl eingelassen - für einen Koch, der mittlerweile drei Michelin-Sterne besitzt, ist das eine ungewöhnliche Liason. Gourmetküche und Lebensmitteldiscounter, wie will das zusammenpassen?

Ein Stück vom Ruhm abhaben

Doch es muss gehen - weil diese Werbe-Partnerschaft dem in der Branche hochangesehen Müller viel Geld einbringt. Und weil er offenbar das Gefühl hatte, dass er nach Jahren stillen Werkelns am Herd des Spitzen-Restaurants "Dieter Müller" in Bergisch-Gladbach auch etwas von dem Ruhm seiner hochklassigen Spitzenkochkollegen abhaben wollte.

Schließlich ist Kochen als TV-Spaß in Deutschland angesagt. Mattscheiben-Dauerbrenner wie Lafer, Mälzer oder Wiener werden längst nicht mehr als Suppenkasper belächelt.

Frische, kein Convenience

"Lidl. Genuss mit Stern" heißt eine neue Kundenkampagne des Discounters, der beweisen möchte, dass man mit billigen Lebensmitteln gut kochen kann. Dafür wurden drei Küchenmeister als Botschafter verpflichtet.

Neben Müller sind das die Sterneköche Mario Kotaska (Berlin) und Kolja Kleeberg (Köln), letztere bereits durch diverse TV-Auftritte einer breiten Öffentlichkeit bekannt. "Wir wollen dem Lidl-Kunden zeigen, wie kochen geht", beschreibt Kleeberg den Anspruch des Trios.

Es geht dabei um das Kochen mit frischen Produkten aus dem Sortiment des Discounters. Mit Fertig- oder Convenience-Produkten wollen die Meister nicht in Verbindung gebracht werden. "Wir machen auch keine Werbung für Analogkäse", betont Kleeberg.

Rezepteheftchen in den Läden

Demnächst liegen in den Lidl-Märkten monatlich neue Heftchen mit Rezepten der drei Spitzenköche aus - alle basierend auf Lidl-Produkten. Die erste Ausgabe erscheint am 13. Juli. Diese Speisekarten und noch mehr Informationen lassen sich auch im Internet nachlesen.

Diese Kampagne sei keineswegs gestartet, um das nach dem Skandal um bespitzelte Mitarbeiter ramponierte Image des Discounters zu reparieren, betont Thorsten Sauter. "Wir haben seitdem keinen Kunden verloren", versichert das Mitglied der Lidl-Geschäftsleitung. Vielmehr wolle man die Qualität der eigenen Produkte herausstellen.

Einsatz in TV-Spots denkbar

Das kann man fast nicht glauben, denn seit dem Überwachungsskandal ist der Discounter auffällig rührig in Sachen PR - inklusive eigenem Datenschutzbeauftragtem. Die smarten TV-Spots sind da nur ein Bestandteil. Dass Müller, Kleeberg und Kotaska hier bald auch auftreten werden, sollte nicht überraschen. Sauter tat sich zumindest schwer, eine entsprechende Frage zu dementieren.

Zunächst ist die Zusammenarbeit mit den drei Spitzenköchen für ein Jahr fixiert. Profitieren davon sollen auch die Lidl-Beschäftigten. In einem Mitarbeiterwettbewerb wird das beste Rezept gesucht. Ein nettes Bonbon in einem Unternehmen, in dem Betriebsräte ungern gesehen sind.

Mission Kochen

Mit solchen Problemen scheinen sich die drei Küchengroßmeister nicht weiter zu beschäftigen. Sie reduzieren den Verkauf ihrer guten Namen auf eine Mission: Kochen. Freilich ist auch etwas Eigenwerbung dabei.

Müller beispielsweise, der nicht nur das Spitzenrestaurant "Dieter Müller" in Bergisch-Gladbach betreibt, verspricht sich durch die Öffentlichkeitswirkung via Lidl mehr Anhänger für seine Kochschule. Dass er aber auch für sein Alltagsgeschäft neuerdings im Discounter Lebensmittel beschaffen wird, ist unwahrscheinlich: "Für Sterneküche muss man anders einkaufen."