Greenpeace sieht Nachhaltigkeits-Defizite bei der Fischbeschaffung im deutschen Lebensmittelhandel. Vor allem Aldi, Tengelmann und Metro sollten die Einkaufsrichtlinien verbessern. Es gibt aber auch vorbildliche Händler.

Deutsche Supermärkte und Discounter sollen ihre Einkaufsrichtlinien für Fischprodukte überarbeiten und konsequent umsetzen, wenn diese künftig nachhaltig sein sollen, fordert Greenpeace als Ergebnis des vierten Rankings zur Fisch-Einkaufspraxis im Handel. Die Umweltschützer hatten elf Handelsketten untersucht und prüften unter anderem Einkaufskriterien, die Kennzeichnung der Produkte und ob Kunden zurückverfolgen können, wo ein Fisch gefangen wurde.

Kaufland führt demnach erneut den Vergleich der "guten" Einkaufspraxis an, gefolgt von Bünting, Norma und der Rewe Group. Lidl, Netto (Stavenhagen), Edeka und Aldi Süd ließen ebenfalls gute Ansätze erkennen, müssten aber die Inhalte ihrer Einkaufsrichtlinien, wie die Kriterien für eine nachhaltige Sortimentsgestaltung, genauer formulieren.

Kriterien verschärft

Aldi Nord und Kaiser's Tengelmann schneiden hingegen schlechter ab. Die Metro Gruppe landet gar auf dem letzten Platz des Vergleichs, da für den gesamten Konzern die Einkaufspraxis nicht schriftlich geregelt sei. Bei der diesjährigen Untersuchung wurde die Bewertung der Einkaufspolitik für Fisch und Meeresfrüchte und deren Umsetzung im Vergleich zu den Vorjahren verschärft.

"Nach vier Jahren haben die Handelsketten die Grundlagen für einen nachhaltigen Fischeinkauf gelegt, indem sie Richtlinien für ihre Einkaufspraxis festgelegt haben", sagt Iris Menn, Meeresexpertin von Greenpeace. "Nun dürfen sie aber bei dieser Grundlage nicht stehen bleiben. Unsere diesjährige Bewertung, bei der wir die Latte höher gelegt haben, zeigt ganz deutlich, wo die offenen Baustellen sind: Speziell die Verbesserung der Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung der Produkte, aber auch nach wie vor die nachhaltige Sortimentsgestaltung oder das Einhalten von Sozialstandards müssen überarbeitet werden."

Fischindustrie sieht Ranking kritisch

Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie, stellt das Greenpeace-Rating unterdessen infrage. Man solle nicht das Ende der Wertschöpfungskette im Supermarktregal untersuchen. Stattdessen müsse man die Fischereipolitik einem kritischen Blick unterziehen, "damit der Fisch gar nicht erst aus dem Wasser kommt". Zudem würden zu viele fachspezifische Informationen die Kunden nur verwirren. Greenpeace arbeitet seiner Meinung nach mit eigenen Maßstäben, die nicht unbedingt mit wissenschaftlichen Bewertungen übereinstimmten.

Greenpeace-Aktivisten hatten am Montag dieser Woche aus Protest gegen die Überfischung der europäischen Meere eine 25 Meter lange Schiffsattrappe vor dem EU-Ratsgebäude in Brüssel verschrottet. Dort wurden die Fangquoten durch die Fischereiminister vergeben. Dabei seien "wissenschaftliche Empfehlungen ignoriert und die langfristige Erholung der Fischbestände aufs Spiel gesetzt" worden.