Auch Deutschlands zweitgrößte Werbeagentur hat die Wirtschaftskrise in diesem Jahr zu spüren bekommen. Grey verlor einige Großkunden - aber Karstadt ist geblieben.

Seit 1992 arbeitet Uli Veigel als Führungskraft in Werbeagenturen, "aber so ein Jahr wie dieses habe ich noch nicht erlebt", bilanziert der Deutschland-Chef von Grey auf der Jahrespressekonferenz am heutigen Dienstag in Düsseldorf. Auch für Grey, hinter Jung von Matt Deutschlands zweitgrößte Agentur, war 2009 ein schwieriges Jahr, "aber wird sind einigermaßen gut durchgekommen", sagt Veigel.

Die Wirtschaftskrise hat die Werbbranche heftig getroffen. Veigel prognostiziert, dass viele Unternehmen vom Markt verschwinden werden. Einer Studie zufolge wird der deutsche Werbemarkt 2009 um etwa zehn Prozent schrumpfen.

"Es ist alles drin"

Auch Grey hat auf die Krise reagiert - mit Entlassungen. Die Zahl der Mitarbeiter wurde im Vergleich zu 2008 um rund zehn Prozent auf 725 Beschäftigte verringert. Wie hoch der Umsatz in diesem Jahr ausfallen wird, erwähnte Veigel nicht. Eine Steigerung gegenüber 2008 wäre aber eine große Überraschung.

Was die Werbebranche für 2010 zu erwarten hat, vermochte Veigel nicht vorherzusagen. "Von minus 5 Prozent bis plus 5 Prozent ist alles drin."

Fünf große Kunden hat Grey in diesem Jahr verloren: Handelsblatt, Porsche Design, Deutsche Bank und Payback. Demgegenüber stehen 43 sogenannte Etatgewinne und Neukunden, wie es die Agentur etwas schwammig formuliert. Denn wie viele Neukunden das Unternehmen wirklich gewonnen hat, ist unklar. Auf jeden Fall sind das die Handelsbetriebe Metro Cash&Carry, Otto Group und Apollo Optik.

Weiter mit Karstadt

Grey bleibt auch 2010 die Werbeagentur von Karstadt. "Wir haben dafür intensive Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geführt", sagte Veigel. Seine Agentur muss bei dieser Zusammenarbeit trotzdem kleinere Brötchen backen. Denn das insolvente Warenhaus hat seinen Webetat für das kommende Jahr zurückgeschraubt, bekannte der Agenturchef.

Künftig wird Grey unter dem Namen Grey G2 Group firmieren, der die drei Geschäftsfelder der Agentur dokumentieren soll: Advertising & Marketing Services, Media und Unternehmensberatung.

Feminisierung der Marken

Während Veigel wegen der Wirtschaftskrise ein großes Markensterben voraussagte, kündigte Frank Dopheide, Geschäftsführer und Kreativchef von Grey, eine Emotionalisierung und Feminisierung von Marken an. "So einen gewaltigen Trend hat es in den vergangenen 150 Jahren nicht gegeben."

Marken, egal ob sie Produkte oder Unternehmen beschreiben, müssten demnach vier Anforderungen erfüllen: Liebe zum Detail, einen höheren Sinn, Geschichten erzählen sowie alle Sinne berühren.