Zweistelliges Wachstum, mehr Personal, Fokus auf das digitale Geschäft: Die Werbeagentur Grey geht optimistisch ins Jahr 2011. Unter den Handelskunden tun sich Schlecker und Karstadt besonders hervor.

Vor genau zwölf Monaten war es Uli Veigel anzumerken, dass die Finanzkrise auch der Werbebranche zu schaffen machte. Der Deutschlandchef der Grey G2 Group sprach damals von einem Jahr, "wie ich es noch nicht erlebt habe".

Als Veigel an diesem Dienstag für Deutschlands zweitgrößte Werbeagentur die Bilanz für das 2010 zog, präsentierte er sich so kraftvoll wie lange nicht mehr. Es sei ein Jahr der guten Nachrichten gewesen, sagte Veigel. Dass zeitgleich auch der DAX erstmals über der 7.000-Punkte-Marke lag, wollte der Werber als Bestätigung seiner Analyse verstanden wissen.

Auch die Düsseldorfer Agentur hat von der rasanten wirtschaftlichen Erholung in Deutschland profitiert: Das Honorar-Umsatzwachstum im zweiten Halbjahr 2010 betrug plus 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr rechnet Veigel mit stabilem Umsatz sowie einem zweistelligen Ergebnisanstieg.

Zusammenarbeit mit Karstadt "läuft wie eine Maschine"

Im zurückliegenden Jahr hat die Grey-Holding 28 neue Kunden gewonnen. 14 Bestandskunden haben ihr Geschäft mit dem Werber ausgebaut - dazu zählen unter andererem die Rewe Gruppe, Deichmann und DocMorris.

Auch Karstadt ist trotz zurückliegendem Kampf gegen Insolvenz und nach Übernahme durch Nicolas Berggruen Kunde geblieben - die Zusammenarbeit mit dem Warenhauskonzern "läuft wie eine Maschine", wie es Veigel formulierte.

Freilich habe es auch "intensive Diskussionen" mit dem Interimschef Thomas Fox über die Art und Weise der Fortführung der Zusammenarbeit gegeben. Grey entwirft für Karstadt vornehmlich Broschüren.

Schlecker trifft schnelle Entscheidungen

17 Prozent der Grey-Kunden sind Einzelhandelsunternehmen. Das ist die zweitstärkste Gruppe hinter dem Segment der sogenannten Fast Moving Consumer Goods, der schnelldrehenden Konsumgüter also, die 40 Prozent des Auftragsvolumen der Düsseldorfer Werber ausmachen.

Spektakulärster Neukunde ist zweifellos Schlecker. Für den Drogeriediscounter erarbeitet Grey seit wenigen Wochen erstmals eine Werbekampagne, über die bisher noch wenig bekannt ist.

Dafür staunen die Düsseldorfer Werber über das Tempo, das der lange so verschlossene Drogeriehändler vorlegt. So benötigte Schlecker gerade einmal 24 Stunden, um sich für das neue Logo zu entscheiden, das neuerdings nicht mehr in klotziger Versalschrift, sondern etwas dezenter daherkommt.

Schlecker-Kinder: Menschlich und nett

Noch vor Weihnachten wollen Grey und Schlecker weitere Eckpunkte für die Kommunikation verabreden. Veigel bezeichnete die Zusammenarbeit mit Meike und Lars Schlecker, die Kinder der Unternehmensgründer Christa und Anton, als "menschlich und nett". Meike und Lars Schlecker stehen für eine grundlegende Erneuerung des Discounters, der in schweren wirtschaftlichen Nöten steckt.

Auch bei Grey hat es personelle Veränderungen gegeben. Der bisherige Kreativ-Chef Frank Dopheide hat sich Ende November nach sieben Jahren mit der eigenen Agentur "Deutsche Markenarbeit" an der Düsseldorder Königsallee selbstständig gemacht.

Künftig will Dopheide nicht mehr für Produkte werben, sondern Führungskräften ein besseres Image verpassen. Sein Erbe bei Grey teilen sich nun Sacha Reeb und Andreas Henke als neue Doppelspitze.

Der Personalstamm von Grey Deutschland sank in diesem Jahr von 650 auf 620 Mitarbeiter, nachdem sich die Gruppe von einigen unrentablen Agenturen getrennt hat. Bisher gehörten zur gesamten Holding 16, jetzt nur noch 8 Agenturen. "Damit ist unsere Portfoliobereinigung abgeschlossen", betonte Veigel. Die gesamte Grey G2 Holding, die aus drei Bereichen besteht, beschäftigt rund 1.400 Menschen.

Einzelhandel als Treiber für den Werbemarkt

Für 2011 ist eine Aufstockung des Personals vorgesehen - 5 Prozent mehr Mitarbeiter will der Werber im kommenden Jahr einstellen. Und dabei geht die Agentur einen ungewöhnlichen Weg: Weil Grey in Zukunft stark auf Werbung in der virtuellen Welt setzt, wird vor allem Personal mit hoher digitaler Afinität gesucht.

Das Unternehmen lobt 1.000 Euro Prämie für die erfolgreiche Vermittlung einer Fachkraft aus - gesucht werden unter anderem Flash-und-Webprogrammierer sowie digitale Kreative mit Kompetenzen in Social Media und POS). Im kommenden Jahr will Grey den Umsatzanteil des digitalen Werbegeschäfts in der Gruppe von 20 auf 22 Prozent steigern.

Insgesamt geht Veigel für 2011 von einem wachsenden Werbemarkt in Deutschland aus. Das Umsatzplus der Branche werde bei 5 Prozent liegen, "wir wollen allerdings doppelt so stark wachsen", sagte der Grey-Chef.

Ein Treiber für Werbung sieht er im Einzelhandel. "Diese Branche wird schneller und marketingaktiver denn je", schwärmte Veigel. Dies betreffe besonders die Eigenmarken, die immer professioneller ins rechte Licht gesetzt würden.

Bedürfnisse von Handelskunden besser kennenlernen

Um noch mehr Klarheit über Kundenbedürfnisse im Handel zu erfahren, erarbeitet Grey derzeit eine Studie über das Einkaufsverhalten der Deutschen.

"Früher hieß es ja, dass 70 Prozent der Kaufentscheidungen am POS gefällt werden", sagte Veigel. Heute werde indes davon gesprochen, dass 80 Prozent der Kunden sich beim Surfen im Internet entscheiden und die Ware im Laden nur noch abholen. "Wir wollen wissen, wo die Wahrheit ist."