Mitsubishi bringt das weltweit erste Elektroauto auf den Markt, das in Großserie produziert wird. Das i-MiEV soll ab Ende 2010 auch nach Deutschland kommen.

Die automobile Zukunft - ohne CO2-Emissionen und angetrieben von erneuerbarer Energie - hat begonnen: In Japan läuft gerade das weltweit erste, in Großserie produzierte Elektroauto vom Band, das Mitsubishi i-MiEV (Mitsubishi innovative Electric Vehicle).

Vorerst noch ausschließlich Flottenbetreibern und Behörden vorbehalten, soll der knapp 3,40 Meter lange Kleinwagen ab April 2010 auch an Privatkunden ausgeliefert und Ende kommenden Jahres dann auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern angeboten werden. Das anvisierte Verkaufsziel der Japaner: Ein weltweiter Absatz ab 2013 von jährlich 30.000 Einheiten, Tendenz steigend.

Auf die Batterieleistung kommt es an

Bis dahin ist allerdings noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Auch wenn die Fakten auf Dauer für den i-MiEV zu sprechen scheinen, vor allem die von der Leistung der am Fahrzeugboden untergebrachten Lithium-Ionen-Batterien abhängige Frage der Reichweite ist nach wie vor nicht zufriedenstellend beantwortet. Das machten jetzt erste Testfahrten mit drei Prototypen im rheinhessischen Wörrstadt deutlich.

Auch wenn sich der 1.100 Kilo leichte Viertürer in aufgeladenem Zustand wie jeder Benziner fahren lässt und lediglich dadurch auffällt, dass er praktisch weder zu hören noch zu riechen ist - spätestens nach knapp 150 Kilometern ist der Spaß vorbei. Und das auch nur dann, wenn der Spar-Modus "Eco" eingelegt und die ursprüngliche Leistungskapazität von 47 kW/64 PS - mit der der kleine Cityflitzer eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h erreicht - auf weniger als die Hälfte (18 kW/27 PS) heruntergefahren ist.

100 Kilometer reichweite bei Vollgas

"Selbst bei Vollgas kommt man immer noch rund 100 Kilometer weit", beteuert zwar Helmut Bauer, Pressechef der Mitsubishi Motors Deutschland GmbH. Er räumt allerdings gleichzeitig ein, dass "bei laufender Klimaanlage und eingeschaltetem Radio die Reichweite nochmals um rund ein Drittel sinkt". Dafür sei der  i-MiEV  (Bauer: "Der erste Mief, der nicht stinkt") bei Fahrtantritt dann aber auch stets aufgeladen.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der "Kleine" zwischendurch mal eben für sieben Stunden an der haushaltsüblichen 220-Volt-Steckdose hing. Zwar kann dieser Ladevorgang mittels Drehstromanschluss auf 30 Minuten reduziert werden, dafür fehlt es hierzulande bislang jedoch noch an flächendeckenden Schnellladestationen, wie sie derzeit in Japan "wie Pilze aus dem Boden schießen" (Bauer).

Geringe Folgekosten

Unbestritten ist unterdessen nicht nur die umweltschonende Technologie des i-MiEV, sondern auch dessen Folgekosten-Ersparnis. Zum Vergleich: Schlagen 100 gefahrene Kilometer bei einem Verbrauch von sechs Litern Benzin heute noch mit rund acht Euro zu Buche, fallen bei konventionellem Strom gerade mal 3,30 Euro an. Bei günstigem Windstrom belaufen sich die Kosten gar nur auf 1,38 Euro.

Um auf diese Weise den hohen Anschafftungspreis wieder wettzumachen, bedarf es allerdings mehr als der täglichen Fahrt zur Arbeit. In Japan kostet der Großstadt-Bonsai zur Markteinführung umgerechnet rund 34.000 Euro, wovon rund ein Drittel vom Staat subventioniert wird.

Deutsche Preise stehen noch nicht fest

Eine Prognose, was der i-MiEV einmal auf dem deutschen Markt kosten könnte, will Bauer derzeit noch nicht abgeben - und setzt in erster Linie auf "Überzeugungstäter". "Es gibt hierzulande allein rund 10.000 Firmen, die im weitesten Sinne mit moderner Energie-Technologie zu tun haben", sagt der Mitsubishi-Pressechef: Hinzu kommen städtische Stromversorger, von denen viele  ebenfalls bereits großes Interesse bekundet hätten.

Bauers Rechnung: "Mit zunehmenden Zulassungszahlen sinken auch die Produktionskosten, womit Elektroautos auf Dauer auch für Privatkunden interessant und bezahlbar werden".

Solarstrom in den Tank

Eines der führenden Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien ist Juwi in Wörrstadt. "Wir wollen dazu beitragen, die Bedürfnisse heutiger Generationen zu erfüllen, ohne die Handlungsmöglichkeiten künftiger Generationen einzuschränken", lautet eine der Devisen von Vorstand und Firmengründer Matthias Willenbacher, der davon überzeugt ist, "dass schon in 20 Jahren alle nur noch elektrisch fahren."

Laut seiner Rechnung reichen 160 Windräder aus, um - bei einer Laufleistung von jährlich 15 000 Kilometern - genügend Strom für eine Million Autos zu erzeugen. Und selbst für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass mit dem Sinken der Kraftstoffsteuer-Einnahmen eines Tages die Strompreise entsprechend steigen würden, hat Willenbacher die Lösung parat: "Mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ist jeder sein eigener Solarstrom-Erzeuger und damit auf Dauer unabhängig von Fremdanbietern."

Meik Benjamin