Der Börsengang des Rabatt-Portals Groupon ist nach vielen Pannen und Zweifeln doch besser gelaufen als gedacht. Am Ende bekam die junge Internet-Firma sogar mehr als zuletzt erwartet.

Dank hoher Anleger-Nachfrage setzte Groupon den Aktienpreis am Ende bei 20 Dollar an und erlöst rund 700 Millionen Dollar, teilte die Börsenaufsicht SEC mit. Der Börsenwert wurde somit mit 12,6 Milliarden Dollar angesetzt.

Groupon hatte zuvor beim Aktienpreis mit einer Spanne zwischen 16 und 18 Dollar kalkuliert, was einer Bewertung von bis zu 11,4 Milliarden Dollar entsprochen hätte.

Der Rabattcoupon-Dienst galt noch vor einem halben Jahr als zukünftiger Börsenstar mit einer Bewertung von 20 oder sogar 30 Milliarden Dollar. Doch die Abkühlung der Märkte, Fehler des Unternehmens und Zweifel am Geschäftsmodell sorgten dafür, dass sich der Börsengang immer weiter verzögerte und jetzt deutlich kleiner als erwartet ausfiel.

Groupon platzierte am Markt nur etwa fünf Prozent seiner Aktien, was dem Preis am Ende half.

Verluste ein Schock für Investoren

Das Unternehmen hat nach jüngsten Angaben insgesamt rund 142,9 Millionen registrierte Kunden - von denen nach eigenen Angaben mindestens 29,5 Millionen schon mindestens einmal bei einer Groupon-Rabattaktion mitgemacht haben.

Als Groupon bei der Vorbereitung seines Börsengangs erstmals die Geschäftszahlen offenlegte, waren viele Investoren über die konstant hohen Verluste schockiert, die mit steigenden Umsätzen auch noch immer größer wurden.

Groupon unterhält ein Heer von Außenmitarbeitern, die Firmen für Rabattaktionen gewinnen. Und das verschlang bisher viel Geld. Doch aktuelle Zahlen zeigten, dass Groupon die Verluste massiv eingedampft hat.

Wachstum gebremst

Dafür wächst das Geschäft auch deutlich langsamer als zuvor. So rückte der Umsatz im dritten Vierteljahr im Vergleich zum Vorquartal nur noch um knapp zehn Prozent auf 430 Millionen Dollar vor. Früher hatten sich die Erlöse oft von Quartal zu Quartal verdoppelt.

Nachdem Groupon bei den oft kritisierten hohen Ausgaben für die Kundengewinnung die Bremse anzogen hatte, fielen im abgelaufenen Quartal noch rote Zahlen von 10,6 Millionen Dollar an - nach einem Minus von 101,2 Millionen Dollar in den drei Monaten zuvor.

Einem Bericht des US-Blogs „Business Insider" zufolge haben deutsche Investoren dem zuvor chaotischen Groupon-Vertrieb Zügel angelegt. Die Internet-Unternehmer Marc, Oliver und Alexander Samwer leiteten faktisch den Vertrieb über den britischen Manager Chris Muhr „mit eiserner Faust", hieß es dort unter Berufung auf Insider.

Pannen vor dem Börsengang

Die Vorbereitung des Börsengangs wurde von vielen Pannen begleitet. Zuletzt musste Groupon wegen Bedenken der Börsenkontrolleure die Umsatz-Angaben praktisch halbieren - jetzt kommt nur noch die Kommission in die Bücher, und nicht der gesamte Coupon-Wert.

Schon zuvor tilgte Groupon auf Druck der Börsenaufsicht SEC eine Kennziffer, bei der das Ergebnis ohne die hohen Marketing-Kosten berechnet wurde und dadurch deutlich freundlicher aussah.

Hinzu kam weiterer Ärger mit der SEC, weil unter anderem Gründer Andrew Mason das Groupon-Geschäftsmodell in der sogenannten „stillen Periode" vor dem Börsengang verteidigte.