Ford bekennt sich deutlich zur Abkehr von bisherigen Branchenidealen und setzt auf Nachhaltigkeit.

Die Automobilindustrie ist endgültig von der „grünen Welle" erfasst. Nicht nur, dass auf den jüngsten Branchengipfeln in Frankfurt am Main und Tokio Elektromobilität zum vorherrschenden Thema wurde. Auch in den Folgewochen überschlugen sich die Manager mit Ankündigungen und Absichtserklärungen zur „sauberen" Fahrt in die Zukunft.

Ungewöhnliche BMW-Kampagne

Der angestrebte Imagewandel treibt täglich neue Blüten. Das geht nun sogar soweit, dass ausgerechnet BMW, einst Synonym für sportlich-dynamische Fortbewegung (Motto: „Freude am Fahren"), im aktuellen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" ganzseitig mit dem Versprechen wirbt, nicht nur 96 sondern künftig sogar 100 Prozent des Mülls aus der Produktion wiederzuverwerten.

"Veraltetes Geschäftsmodell"

So deutlich, wie jetzt bei einem Ford-Workshop zum Thema Nachhaltigkeit, war allerdings noch nie zu vernehmen, dass die PS-Szene vor einem gewaltigen Umbruch steht: „Unsere Industrie ist noch mit einem veralteten Geschäftsmodell unterwegs. Wir haben das Auto viel zu lange als Statussymbol aufgebaut und es hat auch bei uns im Hause lange gedauert, bis wir eingesehen haben, dass der grünen Mobilität die Zukunft gehört", gibt Wolfgang Schneider, Vizepräsident von Ford Europa, unumwunden zu.

Eine Milliarde Dollar Quartalsgewinn

Ford setze, im Gegensatz zu den amerikanischen Widersachern General Motors und Chrysler, schon seit einiger Zeit auf kleinere Fahrzeuge. Dass der US-Konzern soeben für das dritte Quartal 2009 einen Gewinn von fast einer Milliarde Dollar ausgewiesen habe, sei ein erster Beleg für die erfolgreichen Restrukturierungsmaßnahmen und den Kurswechsel. Hybridantriebe als Brückentechnologie zum Elektroauto oder zum Brennstoffzellenantrieb „haben alle mit Ausnahme eines asiatischen Herstellers schlicht verpennt", gestand Schneider im Rückblick selbstkritisch. Mittlerweile habe Ford in den USA 125.000 Hybrid-Autos verkaufen können.

Flottenkunden erwarten CO-2-Fußabdruck

Für Europa setze Ford auf umweltverträgliche und zugleich bezahlbare Fahrzeuge. „Wir müssen lernen, auch mit kleinen, innovativen Wagen Geld zu verdienen und grün zum Statussymbol zu machen", fordert Schneider.
Vor allem Flottenkunden erwarten zunehmend einen CO-2-Fußabdruck über die gesamte Herstellungskette eines Autos. Dem komme der Hersteller mit einem Katalog nachhaltiger Maßnahmen wie dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe, der Verringerung der Geräusch-Emmissionen im Fahrbetrieb oder der effizienten Raumausnutzung nach. Bis 2020 soll die CO-2-Emmission der Flotte gegenüber dem Ausgangswert aus dem Jahre 2006 um 30 Prozent reduziert werden.

Elektro-Feldversuch in Köln

Selbstkritische Worte: Wolfgang Schneider, Vize-Präsident Ford Europa. (Foto: Ford)
Selbstkritische Worte: Wolfgang Schneider, Vize-Präsident Ford Europa. (Foto: Ford)
Wann allerdings mit dem serienmäßigen Einsatz elektrisch betriebener Ford-Fahrzeuge in Europa zu rechnen ist, vermochte auch der Vize-Chef nicht verbindlich zu sagen und vertröstete die Zuhörer im Aachener Ford-Forschungszentrum auf "den Beginn der nächsten Dekade". Immerhin: Demnächst startet ein Feldversuch mit einem Elektro-Focus in Köln. Ergebnis: offen.

Bewusstseinsänderung nötig

Bis es soweit ist, sollen in praktisch allen Baureihen verbrauchsoptimierte Diesel-Motoren („Econetic"), Erd-, Flüssiggas- und Bio-Ethanol-Varianten das grüne Image schärfen. „Wir brauchen auch eine Bewusstseinsänderung bei unseren Kunden", erhofft sich Wolfgang Selle, im Ford-Konzern zuständig für Nachhaltigkeit und neue Technologien, eine größere Akzeptanz alternativer Antriebe.

Bernd Nusser