Osiander lässt in sechs Städten Bücher per Fahrradkurier zu den Kunden bringen. Das ist schnell, umweltfreundlich, persönlich - und hat pädagogischen Mehrwert.

Die Osiandersche Buchhandlung hat 34 Filialen, 6 Millionen lieferbare Titel und liefert online bestellte Bücher portofrei am nächsten Werktag aus. Das ist heute nichts Besonderes. In sechs Städten bietet der Buchhandelsfilialist mit Sitz in Tübingen die schnelle Lieferung mit dem Fahrradkurier an, zum Teil auf Wunsch auch am gleichen Tag. Das ist inzwischen auch nicht mehr außergewöhnlich. Aber dass diese "Greenbooks-Bücherlieferungen" zu 100 Prozent klimaneutral sind, ist in Zeiten, in denen sich Politiker auf der Klimakonferenz für bloße Absichtserklärungen feiern lassen, schon beachtenswert.

"Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, Treibhausgase zu reduzieren und nachhaltig unsere Umwelt zu schützen", erläutert Osiander-Geschäftsführer Christian Riethmüller. "Deshalb werden die Bestellungen zum Großteil innerhalb von 24 Stunden in bislang sechs Städten umweltfreundlich mit dem Fahrrad ausgeliefert."

Rund 100 Buchpakete am Tag in Tübingen

Während die Buchhändler in Reutlingen, Frankfurt und Stuttgart Fahrradkuriere für die taggleiche Lieferung beauftragt haben und in Heilbronn und Speyer die Mitarbeiter die Bücher vorbeibringen, hat Osiander in Tübingen Schüler für die schnelle und umweltfreundliche Auslieferung engagiert. Gemeinsam mit dem Uhland-Gymnasium startete 2008 das Projekt Greenbooks.

Die Schüler holen in der großen Pause mit einem E-Bike samt Anhänger die im Schnitt täglich hundert gepackten Buchpakete in der Osiander-Zentrale ab, bringen diese in die Schule und verteilen sie dort auf die Boten, die die Bestellungen dann in ihren Wohngebieten oder Gebieten ihrer Wahl austragen oder mit dem Rad ausfahren.

Effizienz lernen

"Dadurch arbeiten sie sehr effizient. Denn die Schüler, die nach Paketen bezahlt werden, können aufgrund der kürzeren Wege mehr Pakete austragen und somit mehr Geld verdienen", berichtet Riethmüller. "Wir wiederum bieten den Schülern einen kleinen Nebenverdienst und investieren gleichzeitig in ökologische Nachhaltigkeit." Durch die kurzen Wege und die klimafreundlichen Transportmittel ist die Auslieferung emissionsfrei. "Außerdem wird durch den Gebrauch des Fahrrads den Schülern die umweltfreundliche und gesunde Art der Fortbewegung nähergebracht", nennt der Buchhändler einen pädagogischen Nebeneffekt. Darüber hinaus kämen die Schüler bei Greenbooks früh mit dem Thema Wirtschaft in Kontakt und lernten unternehmerisches Handeln, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Nachwuchssorgen hat das Schulprojekt nicht, ab der Mittelstufe kann sich jeder Schüler an dem Kurierdienst beteiligen und Teil des Unternehmens werden. Trotz aller Geschäftstüchtigkeit sieht sich das Projekt nicht als Konkurrenz zu etablierten Logistik-Unternehmen, sondern vielmehr als ein Modell für die immer mehr an Bedeutung gewinnende Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen.

Kuriere gehören fast zur Familie

Neben den ökologischen Aspekten der klimaneutralen Lieferungen ist dem Geschäftsführer auch der "persönliche Anstrich" bei der Übergabe der Bestellungen wichtig: "Wir sind ebenso wie andere Händler natürlich um eine hohe Kundenzufriedenheit bemüht", so Riethmüller. "Das erreichen wir auch durch die freundlichen und zuverlässigen Boten." Dafür nehme er auch in Kauf, dass ein Paket per Fahrradkurier mehr koste als die Lieferung über DHL und "wir draufzahlen", wie Riethmüller einräumt.

Zur Verdeutlichung, warum sich der persönliche Kundenservice trotzdem rechnet, erzählt er eine Anekdote aus Speyer, wo die Angestellten die Bücher ausliefern: "Eine Mitarbeiterin bekam letztens an der Haustür kurzerhand ein Baby in den Arm gedrückt, weil die Kundin ihr Portemonnaie holen wollte. Einen besseren Vertrauensbeweis gibt es ja kaum. Wir gehören offenbar fast schon zur Familie", freut sich der Buchhändler.

Sybille Wilhelm

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