Wer Verbundgruppen in die digitale Zukunft führen muss, dürfte häufiger einmal an Xavier Naidoo denken: "Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer". Im Interview mit etailment verrät ANWR-Vorstandschef Günter Althaus, wo er noch Nachholbedarf sieht und welche Aufgaben im vernetzten Handel zur Pflicht werden.

Plattformen entwickeln eine immer größere Magnetwirkung. Auch im E-Commerce.  Müssen sich andere Händler einvernehmen lassen oder wo können sie beim Kunden noch eigene Akzente setzen?

Günter Althaus: Händler sollten beides tun. Die Plattformen sind zunehmend der Garant für Traffic, insbesondere wenn dieser zu echten Online-Umsätzen führen soll. Zum Zwecke der Positionierung ist jedoch der individuelle Auftritt eines Händlers unverzichtbar. Letztlich geht es um unterschiedliche Ziele und Instrumente.

Wie wird die zunehmend vernetzte Technologie das Verhalten der Kunden ändern?

Günter Althaus: Gerade in Bezug auf Zielkäufe wird der Kunde die Verfügbarkeit nicht mehr dem Zufall überlassen. Das heißt: die stationäre Verfügbarkeit online zu präsentieren, in Echtzeit, wird unabdingbar. Auch die Bereitstellung sämtlicher Lieferwege wird für den stationären Handel Pflicht. Schließlich erhöht sich der Anspruch an Kommunikation und Werbung: Sie muss individuell und authentisch den Empfänger treffen.

"Die stationäre Verfügbarkeit online zu präsentieren, in Echtzeit, wird unabdingbar."

Wo sehen Sie für ihre Branche den größten Nachholbedarf bei Innovationen?

Günter Althaus: Unserer Branche fehlt das Gefühl für den Nutzen und die Kraft der Daten. Daher werden diese weder systematisch erfasst noch ausgewertet. Ein großes Zukunftsrisiko, da ohne diese Informationen weder die Sortimentspolitik noch die Kundenansprache erfolgreich sein kann.

Welcher Trend im digitalen Handel wird am meisten unterschätzt?


Günter Althaus:
Curated Shopping.

Welcher Trend wird am meisten überschätzt?

Günter Althaus: Same Day Delivery

Eine Fee schickt Sie als Vertretung für einen Tag an den Schreibtisch eines Handels-CEO ihrer Wahl. Wo würden Sie sich gerne hinzaubern lassen?

Günter Althaus: (schmunzelt) An dem Schreibtisch des Handels CEO sitze ich andauernd. Kein Grund auf einen Zauber zu warten.