Spielen gegen die Wirtschaftskrise lautet das Motto der 61. Spielwarenmesse. Die Branche schreibt gute Zahlen, wie auch die Bilanz der Verbundgruppe Vedes dokumentiert.

Er kam spät, sprach kurz und hatte doch den kraftvollsten Aufritt an diesem Abend: Auch wegen solcher kurzen Momente wundert es nicht, dass die SPD seit langer Zeit versucht, Thomas Maly auf die bundespolitische Bühne zu locken. Doch Maly bleibt Nürnbergs populärer Oberbürgermeister - und damit auch Schirmherr der 61. Spielwarenmesse.

Dieses Ehrenamt genoss der Sozialdemokrat am Mittwochabend sichtlich. Er sagte auf der Eröffnungsveranstaltung der Messe Sätze, die bei einer solchen Gelegenheit und in einer Wirtschaftskrise gebraucht werden: "Die Konsumbranche schaut auf Nürnberg", rief Maly aus. Und: "Die Spielwarenmesse ist die erste große Optimismusveranstaltung des Jahres 2010."

Klicken Sie hier für eine Bildergalerie mit Messe-Fotos!

Spielen gegen die Krise

Fast noch mehr als im Vorjahr wurde das Spielen regelrecht romantisiert - sozusagen als Insel der Glückseligkeit inmitten wirtschaftlicher Turbulenzen. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil schmetterte in den großen Messesaal, "dass uns die Wirtschaftskrise vom Spielen nicht abhalten wird". Und angesichts der guten Umsätze im Jahr 2009 lobte Zeil die Spielwarenbranche als einen "Wirtschaftszweig der guten Laune".

Die Bilanzen des Einzelhandels entsprechen bislang diesen Lobeshymnen. Vorige Woche berichtete die Verbundgruppe Idee+Spiel über den besten Umsatz in der fast 33jährigen Unternehmensgeschichte.

Am Donnerstag zog der Hauptkonkurrent Vedes AG nach und gab für das vergangene Jahr ein Anstieg des Thekenumsatzes um 2,5 Prozent auf 450 Millionen Euro bekannt. Europaweit gab es gar ein Plus von 3,5 Prozent auf 526 Millionen Euro.

"Der Spielwarenmarkt ist stabil", betonte Vedes-Vorstandschef Thomas Märtz. Laut einer Untersuchung der Marktforscher von Eurotoys betrug das Marktvolumen im traditionellen Spielwarenhandel im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Euro - das ist eine Verbesserung um fünf Prozent im Vergleich zu 2008.

Veränderungen auf dem Markt

Beim traditionellen Spielwarenmarkt reklamiert die Verbundgruppe aus Nürnberg 19 Prozent Marktanteil, beim Fachhandel gar 47 Prozent. Europaweit sind rund 1.100 Fachhändler der Kooperation angeschlossen. Die etwas vorsichtige eigene Umsatzprognose für dieses Jahr dürfte auch der einsetzenden Konsumflaute in Deutschland geschuldet sein: Märtz gibt 1,5 Prozent Umsatzplus als Ziel für den nationalen wie europäischen Markt an.

Laut Vedes-Vorstandsmitglied Wolfgang Groß befindet sich der deutsche Spielwarenmarkt inmitten einiger Veränderungen. So würden 60 Prozent der Umsätze mit Neuheiten erzielt, die traditionellen Spielwaren seien stark im Plus, und Multimedia könne das hohe Niveau nicht mehr halten. Im traditionellen Spielzeug finde sich nach und nach mehr Elektronik, "und es gibt eine Renaissance der Modelleisenbahn".

Diese verblüffende Erkenntnis begründet Groß mit der immer älter werdenden Gesellschaft. Die oft als "Silver Ager" bezeichneten Kunden würden als Rentner Hobbies suchen und sich dabei an das Spielzeug ihrer Jugend erinnern. "Diese Zielgruppe hat zudem Geld", betonte Groß.

Die Modelleisenbahn kommt

Doch nicht nur die Modellbahnen sind wieder im Kommen. Groß hat ein verstärktes Verbraucherinteresse nach Spielwaren aus deutscher oder EU-Herstellung ausgemacht. Offenbar misstraut der Verbraucher den Billigprodukten aus Fernost. Einigen davon, meist von Discountern hierzulande angeboten, wurden im aktuellen Test der Zeitschrift "Öko-Test" verheerende Sicherheitsmängel nachgewiesen.

Spielwaren in "Kleinpreislagen", wie es Groß formulierte, werden wichtiger. Andererseits habe der Konsument beim Spielwarenkauf auch immer mehr ökologische Aspekte im Blick. Nachwachsende Rohstoffe wie Holz seien begehrt.

Dazu passt, dass am Mittwochabend Bauklötze aus Bambusholz einen der acht "Toy Awards" gewonnen haben, mit dem die Spielwarenbranche jährlich die besten Neuheiten prämiert. Die schlichten Bauklötze der Firma HaPe International, bemalt im Hundertwasser-Stil, siegten in der Kategorie "Kreativität und Design".

Mehr Emotionen gewünscht

Vedes hat zudem beim Verbraucher ein stärkeres Verlangen nach Emotionen im Geschäft ausgemacht. Entsprechend bietet die Verbundgruppe ihren Händlern ein Ladenbau- und Warenpräsentationskonzept an. Im März soll zudem ein Vedes-Webshop für Multimedia-Spiele eröffnet werden.

Die neuentflammte Liebe zur Modelleisenbahn wird übrigens auch von Minister Zeil geteilt. Und damit unterscheidet sich der FDP-Politiker nicht von seinem Ministerpräsidenten und Koalitionspartner Horst Seehofer (CSU).