Was bietet die Linke dem Mittelstand im Superwahljahr 2009? Einen Hinweis darauf gab Gregor Gysi auf der Mitgliederversammlung des Verbandes ZGV - mit überraschender Resonanz.

Ein linker Politiker bekommt auf einem Unternehmertreff mehr Applaus als ein Vertreter der FDP - bei der Mitgliederversammlung des Zentralverbandes Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) in Berlin traf dieses unwahrscheinliche Szenario ein. Dort erzählte Gregor Gysi (Die Linke) den Anwesenden, wie seine Partei dem Mittelstand unter die Arme greifen möchte - und erntete überraschend positive Resonanz.

Gysi war der zweite Gastredner der ZGV-Veranstaltung nach dem FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Die gelbe Partei werde sicher „von den meisten Anwesenden hier favorisiert", räumte Verbandspräsident Wilfried Hollmann freimütig ein. Doch der liberale Politiker hatte wenig Überraschendes im Gepäck. „Ohne Steuerstrukturreform kein Koalitionsvertrag mit der CDU", versprach Niebel immerhin, was die Zuhörer aus den  mittelständisch geprägten Kooperationen gerne hörten.

Senkung der Mehrwertsteuer gefordert

Gysi dagegen sorgte für manche Überraschungsmomente - etwa, wenn er verkündete, die Linke wolle die degressive Abschreibung auf Investitionsgüter auf 50 Prozent im ersten Jahr erhöhen. „Das wussten wir nicht, das begrüßen wir aber natürlich", kommentierte ZGV-Präsident Hollmann den Vorstoß.

Auch weitere Vorschläge wie die Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent für Arzneimittel, haushaltsnahe Handwerkerleistungen sowie Kinderbekleidung wurden von den Mittelständlern goutiert. Gegen eine Absenkung der Beiträge zur Krankenversicherung für Freiberufler und Selbstständige hatte sie ebenfalls nichts einzuwenden. Und als Gysi eine Stärkung der Kaufkraft forderte, nickten viele eifrig.

Mindestlohn als strittiges Thema

So viel Einmütigkeit überraschte. Doch es gab auch strittige Punkte, etwa beim Thema Mindestlohn, den der ZGV entschieden ablehnt. Gysi dagegen pries das Instrument als „Abwehrmechanismus gegen Dumpinglöhne durch osteuropäische Leiharbeiter". Auch die geforderte Bankenverstaatlichung, die laut Gysi das Kreditgeschäft wieder auf Trab bringen würde, gefiel dem Auditorium nicht.

Insgesamt kam der linke Politiker aber gut an - und wurde zwischendurch gar mit spontanem Applaus belohnt. „Sie müssen mich gar nicht davon überzeugen, dass Staatsbetriebe unproduktiv sind, das habe ich ja in der DDR erlebt", betonte Gysi.

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung wurde ZGV-Chef Hollmann wegen dieser Einladung von einzelnen Mitgliedern kritisiert. Doch nach dem Auftritt Gysis stand fest: Die Linke hat für einige der anwesenden Unternehmen an Schreckenspotenzial eingebüßt.