Der Handelsverband HDE verteidigt das Urteil gegen die Kassiererin "Emmely". Die Entlastung zweier Bäcker zeige, dass die Gerichte mit Augenmaß vorgehen.

"Die nach dem Urteil im Fall der Supermarkt-Kassiererin 'Emmely' heftig kritisierte Arbeitsrechtsprechung wird zu Unrecht gescholten", sagt Heribert Jöris, Geschäftsführer und arbeitsrechtlicher Experte des Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Das würden die aktuellen Entscheidungen des Arbeitsgerichts Dortmund über die zurückgenommene Kündigung von zwei Bäckergesellen beweisen.

Die zwei Bäcker hatten gegen ihre Kündigung geklagt, nachdem sie wegen angeblich gestohlenen Brotaufstrichs fristlos entlassen worden waren. Beide hatten mit ihrer Klage Erfolg.

HDE lobt Augenmaß

"Sowohl im Fall 'Emmely' als auch in denjenigen der Bäckergesellen haben die Arbeitsgerichte mit Augenmaß entschieden", sagte Jöris. "Der Arbeitgeber kann trotz des für ihn verlorenen gegangenen Kündigungsschutzprozesses darauf vertrauen, dass seinen Mitarbeitern der Vorfall eine Lehre sein wird und ähnliches nicht wieder passiert", interpretiert der HDE-Experte die Entscheidung.

Die Kassiererin 'E.' habe jedoch "immer wieder andere Ausflüchte vorgebracht, die letztendlich alle vom Gericht widerlegt wurden, dabei Kollegen zu Unrecht beschuldigt und die strafbare Unterschlagung als Bagatelle dargestellt".

Kündigung wegen 1,30 Euro

Deshalb hätte das Arbeitsgericht im Fall 'Emmely' auch vor dem Hintergrund der langen Betriebszugehörigkeit keine Basis mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Kassiererin gesehen, die tagtäglich mit großen und kleinen Geldbeträgen umgeht. Brotaufstrich sei eben kein Pfandbon, so der HDE.

Ende Februar hatte der Fall der langjährigen Supermarkt-Kassiererin aus Berlin für Aufsehen gesorgt, die wegen Unterschlagung von 1,30 Euro aus Pfandbons gekündigt worden war. Das Landgericht hatte die Kündigung nach 31-jähriger Tätigkeit im Unternehmen für rechtens erklärt.