Das diesjährige Weihnachtsgeschäft dürfte für gute Stimmung im Einzelhandel sorgen. Der HDE hat eine erhöhte Ausgabebereitschaft bei den Konsumenten ermittelt. Freilich profitieren davon nicht alle Geschäfte gleichermaßen.

Die ersten Prognosen für das Weihnachtsgeschäft waren bereits vielversprechend für den Einzelhandel. An diesem Mittwoch legte der Handelsverband Deutschland (HDE) nach - und die Aussichten sind ebenfalls gut. So erwartet der HDE in den letzten zwei Monaten dieses Jahres eine Umsatzsteigerung auf 86,7 Milliarden Euro, das sind 2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinner wird der Onlinehandel sein, für den ein Umsatzsprung von 12 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro prognostiziert wird. 

Diese Zahlen spiegeln die gute Konsumstimmung wider, in der sich die Verbraucher seit Monaten befinden. So wollen 23 Prozent der Konsumenten ihre Ausgaben für Geschenke steigern, hat der HDE in einer Umfrage ermittelt, 60 Prozent planen immerhin noch konstante Investitionen im Vergleich zu 2014.

460 Euro für Geschenke

Jeder Deutsche will demnach im Schnitt für 460 Euro Weihnachtsgeschenke kaufen. "Damit steigt diese Summe das fünfte Jahr in Folge an", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser in Berlin bei der Verkündung der Zahlen. Zum Vergleich: 2012 etwa waren es noch rund 363 Euro.

Geschenkgutscheine, Bücher, Schreibwaren sowie Kosmetikprodukte stehen in diesem Jahr auf den Einkaufslisten ganz oben. Gekauft wird laut Sanktjohanser vor allem in den Städten, dort besonders in Einkaufszentren, Fachgeschäften und Warenhäusern. Derzeit kaum gekauft wird allerdings Winterkleidung, dafür ist es schlichtweg noch viel zu warm.

Ein solch gutes Weihnachtsgeschäft rundet das insgesamt gute Jahr für den Handel ab. Demnach erzielte die Branche laut HDE in den ersten neun Monaten einen Gesamtumsatz (ohne Umsatzsteuer) von rund 344 Milliarden Euro, das sind 3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Umsatz von 471 Milliarden Euro, das ist ein Anstieg von nominal 2,7 Prozent. Real, also preisbereinigt, liegt das Plus bei 2,5 Prozent.

Größere Geschäfte profitieren mehr von der Kauflaune

Allerdings darf sich nicht jeder in der Branche über die ordentliche Geschäftslage freuen. "Größere Unternehmen schätzen die Entwicklung besser ein als kleinere", sagte Sanktjohanser und begründet diese Umsatzverschiebung mit der größeren Sortimentsbreite und Preisflexibilität größerer Handelsunternehmen. Hier drückt sich offenbar auch der Strukturwandel im Einzelhandel aus, von dem vor allem die Kleinen der Branche betroffen sind. Das Institut für Handelsforschung hatte unlängst prognostiziert, dass in den nächsten 5 Jahren rund 45.000 kleine Geschäfte vom Markt verschwinden könnten, nicht zuletzt wegen des rasant wachsenden Onlinehandels.

Trotzdem steht die Branche relativ gut da, wenngleich das Wachstum im Handel "überschaubar bleibt", wie Sanktjohanser zugab. Er wird das gewiss nächsten Donnerstag auch Angela Merkel sagen, wenn die Bundeskanzlerin beim Handelskongress in Berlin erscheint. Merkel bekommt dann eine Wunschliste des Handels präsentiert; was genau dort draufstehen wird, wollte Sanktjohanser noch nicht verraten, kündigte aber an, "die Forderungen so zu stellen, dass diese nicht bagatellisiert werden". Das gilt gewiss auch für Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der einen Tag vorher den Kongress besucht.

Gewährleistung? "Es gibt andere Probleme."

Eine Bemerkung ließ jedoch erkennen, wo auch die Handelsbranche von der Regierung größere Tatkraft wünscht: "Wir brauchen mehr Wirtschaftsimpulse", sagte Sanktjohanser. Damit meint er nicht mehr Regulierung. Wenn etwa darüber nachgedacht wird, die Gewährleistungsfrist im Handel von zwei auf drei Jahre zu verlängern, dann ist das für den HDE-Präsidenten eine überflüssige Überlegung. "Es gibt andere Probleme." Das Allensbach-Institut hat für den Handelsverband per Umfrage ermittelt, dass 90 Prozent der Verbraucher mit den Rückgabemöglichkeiten und der Abwicklung in den Geschäften zufrieden oder gar sehr zufrieden sind. "Die Kulanzbereitschaft im Handel ist sehr hoch", betonte Sanktjohanser.

So gut das Jahr 2015 für die Handelsbranche verlief - 2016 dürfte ebenfalls nicht schlecht laufen. Denn bei der Umsatzentwicklung im kommenden Jahr schätzt Sanktjohanser, "dass wieder eine 2 vor dem Komma stehen dürfte". Hierbei kalkuliert der Verband die vielen Flüchtlinge mit ein, die die Einwohnerzahl Deutschlands vergrößern werden. Grundsätzlich steht der HDE diesen Menschen offen gegenüber. "Wir machen alles möglich, die Integration dieser Menschen aktiv zu begleiten", unterstrich Sanktjohanser. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth verwies in diesem Zusammenhang auf Sprachkurse durch die Bildungszentren des Handels. Der Handel stellt sich offenbar gut auf die Flüchtlinge ein. Die Branche profitiert ja auch von ihnen.

Steffen Gerth, Berlin