Die EEG-Umlage macht den Einzelhändlern zu schaffen. Angesichts steigender Kosten fürchtet der Handelsverband einen Stellenabbau, insgesamt ist die Stimmung bei den Unternehmern verhalten.

Die steigenden Strompreise bedrohen nach Einschätzung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) zahlreiche Arbeitsplätze im deutschen Einzelhandel. Jeder fünfte Händler sehe durch die steigenden Belastungen aus der Ökostromförderung inzwischen Jobs in Gefahr, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Dienstag in Düsseldorf unter Verweis auf eine aktuelle Umfrage des Verbandes unter 1.200 Unternehmen.

Die Einzelhändler sehen sich durch den Anstieg der EEG-Umlage zur Förderung von Wind- und Sonnenenergie gleich doppelt belastet. Einerseits bleibt den Konsumenten dadurch weniger Geld für Einkäufe im Portemonnaie, andererseits muss die Branche selbst mehr für den Strom zahlen. Die Einzelhändler benötigen laut HDE im Jahr rund 35 Terawattstunden Strom, um ihre Geschäfte zu beleuchten oder Lebensmittel zu kühlen.

Ein durchschnittlicher Supermarkt müsse in diesem Jahr rund 26.500 Euro an EEG-Umlage zahlen, rechnete Genth vor. Im nächsten Jahr drohe ein Anstieg auf 32.500 Euro. Vor allem kleinere Händler fühlten sich dadurch bedroht.

"Gewinnsituation hat sich verschlechtert"

"Die Gewinnsituation hat sich bei einer Vielzahl der Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf verschlechtert", sagte Genth. Vor allem die höheren Preise für Energie belasteten die Unternehmen. Denn angesichts des harten Wettbewerbs könnten sie die gestiegenen Kosten häufig nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergeben. "Die Energiewende braucht einen Neuanfang", verlangte Genth.

Schon beim Peak-Symposium im Mai, dem traditionellen Treffen von Verbundgruppenführungskräften, war deutliche Kritik an der EEG-Umlage laut geworden. In einer Videobotschaft versicherte damals Bundesumweltminister Peter Altmaier: "Die Lasten der Energiewende muss gerecht auf mehrere Schultern verteilt werden." Und Jörg Semmler, Leiter seines Leitungsstabes, versicherte, dass der Minister ein "Verbündeter des Mittelstandes" sei. Die Kosten der Energiewende müssten vertretbar bleiben, der Dialog mit kleinen und mittelständischen Unternehmen solle verbessert werden.

Euro-Krise und Vermögenssteuer sind stimmungssenkend

Der HDE bekräftigte gleichzeitig seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Danach rechnet die Branche 2013 mit einem nominalen Umsatzplus von einem Prozent. Preisbereinigt würde dies allerdings einem Minus von 0,5 Prozent entsprechen.

"Es zeichnet sich ab, dass der Einzelhandel 2013 das vierte Jahr in Folge ein nominales Umsatzplus erreichen wird. Das ist eine bemerkenswerte Serie, die die stabilisierende Wirkung der Branche für die deutsche Volkswirtschaft deutlich macht", betonte Genth. Dabei sieht es in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich aus: Gut lief es in diesem Jahr bisher besonders im Lebensmittel- und im Onlinehandel. Der Textilhandel litt dagegen unter dem verregneten Sommer.

Insgesamt sei die Stimmung im Einzelhandel eher verhalten, sagte Genth. 54 Prozent der befragten Betriebe erwarten eine stabile oder bessere Entwicklung. Dagegen gehen 46 Prozent der Unternehmen für die nächsten Monate von einer Verschlechterung ihrer Lage aus. "Neben dem Chaos bei der Energiewende hat die Debatte um die Kosten der Euro-Krise und die Einführung einer Vermögensteuer die Stimmung eingetrübt", klagte der Hauptgeschäftsführer.