Noch sind die Deutschen in Kauflaune, es winkt ein gutes Jahr 2015. Doch die GfK sieht bei den Konsumenten allmählich sinkende Ausgabebereitschaft.

Nun gerät auch der Handel im Internet unter Druck. Der harte Kampf um Marktanteile zwingt die lange erfolgsverwöhnten Onlinehändler zum Umdenken. Längst geht es vielen Kunden nach Einschätzung von Experten um mehr als nur um den schnellen und gezielten Einkauf.

Stichworte sind Impulskäufe und ein Trend zu mehr Beratung. Händler versuchen zunehmend, den Onlinehandel mit den Stärken des stationären Handels zu verbinden. "Die Welten werden sich vermischen", kündigte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Donnerstag in Düsseldorf an.

Immer mehr Impulskäufe im Netz

Handelsforscher sehen die Zukunft des Onlinehandels längst nicht mehr nur in geplanten Käufen zur Deckung eines konkreten Bedarfs. Immer mehr Händler setzen dabei künftig auf eine Art "Schaufensterbummel" im Internet. "Heute ist schon fast jede sechste Online-Bestellung ein Impulskauf", heißt es dazu in einer aktuellen Studie des Kölner Forschungsinstituts ECC zu Trends beim Online-Shopping. Besonders ausgeprägt sei diese Entwicklung bei jungen Kunden unter 30 Jahren.

Shopping im Internet sei für viele Verbraucher zunehmend zur Freizeitbeschäftigung geworden, heißt es dort. Dabei sehen die Forscher deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen stöberten lieber und bestellten doppelt so häufig aus Langeweile im Internet, stellt die Studie fest. Deutlich öfter als der männliche Internet-Shopper hätten Frauen bei einer Befragung unter mehr als 1.000 Kunden angegeben, sich durch den Kauf "belohnen" oder "aufheitern" zu wollen.

HDE sieht gute Zeiten für lokale Internetmarktplätze

Zunehmend gefragt sei im Internet auch die Beratung und der persönliche Kontakt mit dem Anbieter. Auf dem Vormarsch sieht der HDE auch lokale Marktplätze im Internet, auf denen Händler aus der Region ihre Waren präsentieren. Bestellte Ware kann so bei den Händlern vor Ort gleich anprobiert oder von den lokalen Läden noch am selben Tag geliefert werden. Bekanntestes Beispiel ist hier das Projekt Online-City Wuppertal.

Für viele Innenstädte geht es bei der zunehmenden Verzahnung mit dem Internet ums Ganze. "Der Handel braucht die Stadt nicht, aber die Stadt braucht den Handel", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Genth. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der von dem Verband in diesem Sommer befragten rund 900 Händler hatte über eine "sinkende" oder "deutlich sinkende" Kundenfrequenz an seinem Standort geklagt. Gefragt seien nun Investitionen zur Aufwertung der Innenstädte, sagt Genth.

Optimistische Prognose fürs das laufende Jahr

In den kommenden fünf Jahren rechnet der Handelsverband mit mehr als einer Verdoppelung des Online-Anteils am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels von derzeit rund neun Prozent auf etwa 20 Prozent bis zum Jahr 2020. Auch künftig werde der stationäre Handel jedoch seinen Platz behalten, glaubt Genth.

Im laufenden Jahr kann der deutsche Einzelhandel insgesamt nach einer Prognose des HDE auf einen Umsatzanstieg um zwei Prozent auf den Rekordwert von 469,1 Milliarden Euro hoffen. Das wäre eine Verbesserung der bisherigen Prognose von 1,5 Prozent. Für den Handel im Internet rechnet der Branchenverband sogar mit einem Umsatzplus von 12 Prozent auf 41,7 Milliarden Euro.

Doch die Experten sind sich nicht ganz einig. Angesichts von Flüchtlingskrise und zunehmender Konjunktursorgen hat die Nürnberger GfK bereits vor einer erneuten Eintrübung des Konsumklimas gewarnt. Die aktuellen Zahlen bestätigen diese These. Der Konsumoptimismus der Verbraucher lässt weiter nach. Für Oktober prognostiziert der GfK-Gesamtindikator 9,6 Punkte nach 9,9 Zählern im September. Die drei Einzelindikatoren, Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie die Anschaffungsneigung, verlieren an Wert, haben die Nürnberger Konsumforscher festgestellt.